Berlin/Potsdam, 21.04.2012/cw – Im Vorlesungsverzeichnis der Uni Potsdam (Institut Medien und Künste ) findet sich die nachfolgende Ankündigung. Nach den erbitterten Auseinadersetzungen zwischen  Zeitzeugen und der Historikerin Ines Reich könnte der Inhalt der Vorankündigung für deren Vorlesungen an der Uni Potsdam einen Schlüssel für das krude Selbstverständnis über die Gestaltung einer Ausstellung liefern, die sich mit den grausamen Erlebnissen von Menschen unter der menschenverachtenden Fuchtel des einstigen sowjetischen Geheimdienstes befassen soll(te). Im Ankündigungstext für die Vorlesungsreihe fällt auf, dass sich die Dozentin wohl ausschließlich mit dem „Gedächtnis der Dinge“ und der „bildungswirksamen Inszenierung des Materials“ auseinanderzusetzen gedenkt. Die „Nutzbarmachung von Geschichte für Gegenwartszwecke“ (?) scheint Zweck und Sinn einer heutigen Ausstellungsgestaltung zu sein, wohl nicht die einem Historiker unabhängig vom aktuellen Zeitgeist unterstellte Darstellung geschichtlicher Vorgänge. Der Umgang mit dem „Ding“ ist also eine Vorlesungsreihe wert, der Umgang mit Menschen und deren rücksichtsvolle Einordnung in traumatische Erfahrungen in und mit der Geschichte spielt dabei – wie in der Realität am Beispiel der Ausstellung in der Gedenkstätte Leistikowstraße wohl eine – gewollte? – untergeordnete Rolle.

Die Vorlesungsreihe ist wöchentlich bis 11.7.12 geplant.

Hier der Ankündigungstext:

„Ines Reich | Mi 16 – 18 Uhr | Raum: 1.09.2.04 | Erste Veranstaltung: 11.04.2012

PULS
Jede Erinnerung ist ein Prozess, der sich zwischen Re- und Dekonstruktion abspielt. Die in musealen Depots befindlichen Exponate haben im Laufe der Zeit in unterschiedlichen Kontexten Bedeutungen gespeichert. Die Aufgabe des Museums besteht nun darin, dieses „Gedächtnis der Dinge“ zu erforschen und zu transportieren. Als eine der wichtigsten Methoden, Besucher in die Lage zu versetzen, die jeweilige Bedeutung eines Dings zu erkennen gilt nach der Auswahl die „bildungswirksame Inszenierung des Materials“ (Parmentier, 1996). Das bedeutet im Umkehrschluss des postmodernen Dingverständnisses: Wenn die Bedeutung eines Dings letztlich immer ein Kontextphänomen ist, müssen die Kontexte, die in der wissenschaftlichen Analyse herausgefiltert wurden, in Ausstellungen durch entsprechende Arrangements geschaffen werden. Für eine bildungswirksame Inszenierung kommen nach Parmentier Verfahren in Betracht wie Verdichtung, Kontrastmontage, Iteration (Wiederholung) und Reihung, Mystifizierung und Verfremdung.
Durch die Verengung der Dingbedeutungen auf einen Aspekt oder die Verschiebung von Kontexten bieten historische Ausstellungen die Möglichkeit zur Instrumentalisierung der Vergangenheit, zur Nutzbarmachung von Geschichte für Gegenwartszwecke. Anhand von exemplarischen Fallbeispielen (Erinnerungsorte, Zeitzeugen etc.) sollen theoretische Ergebnisse mit empirischen Analysen verknüpft werden. Seminarteilnehmer besuchen deshalb verschiedene Museen, Gedenkstätten und historische Ausstellung und nehmen dabei die in der Bundesrepublik in der jüngeren Vergangenheit stattfindenden Diskussionen um solche Orte in den Blick. Sie gehen dabei der Frage nach, ob die Geschichtsmuseen ein neues Geschichtsbild verbreiten, wie dieses Geschichtsbild konstituiert ist und welche inszenatorischen Mittel bei der Vermittlung eingesetzt werden.“

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V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

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