Berlin, 11.04.2012/dj – Die Gedenkstätte Leistikowstrasse im ehemaligen KGB-Gefängnis wurde seit 1997 vor allem von ehemaligen Häftlingen, MEMORIAL Deutschland sowie ehrenamtlichen Helfern betreut.

Eine eindrucksvolle Ausstellung vermittelte die Geschichte des Hauses und die Schicksale der Opfer. Seit der Übernahme durch die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten mussten wir ohnmächtig zusehen, wie die Stätte unserer Leiden und Traumata ihrer Schrecken entledigt wurden. Dunkle Kerker, Sichtblenden und Fenstergitter sind zum größten Teil verschwunden. Sonnen- und lichtdurchflutete Zellen vermitteln den Zustand eines normalen Gefängnisses.

–          Isolationshaft und -folter sind nicht mehr nachvollziehbar.

–         Wissen, Kenntnisse und Erinnerungen der Zeitzeugen wurden als störend abgelehnt.

–         Ausstellungstexte werden in ihrer Auswahl und Formulierung manipuliert und entstellt.

–         Dokumentationen und Erinnerungen, Interviews von Zeitzeugen, Memorial Deutschlands und   dem Verein Ehemaliges KGB-Gefängnis Potsdam wurden boykottiert oder konfisziert.

Flugblatt-Protest der einstigen KGB-Opfer

Als Konsequenz haben die Mitglieder der Zeitzeugen-Initiative seit 2010 ihre Mitarbeit eingestellt und die Abberufung der derzeitigen Leiterin Dr. Reich gefordert. Sie agiert im Auftrag und mit Billigung von Prof. Dr. Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. Er ist seit den neunziger Jahren verantwortlich für unzählige Konflikte mit ehemaligen Häftlingen des Speziallagers Sachsenhausen.

Die KGB – Opfer fragen:

–         Warum haben die zuständigen Ministerinnen Dr. Münch und Dr. Kunst unsere jahrelangen Interventionen ignoriert oder mit leeren Versprechungen beantwortet?

–         Warum werden die Verbrechen der sowjetischen Geheimpolizei KGB/NKWD tendenziell in der Ausstellung relativiert?

–         Warum werden die Schicksale der Opfer, ihre Ermordung, ihre Verfolgung sowie ihre Leidenswege im GULag überlagert von unzähligen KGB-Akten?

–         Sind Opportunismus, politisches Kalkül und außenpolitische Rücksichtnahme die wahrenHintergründe für den Affront gegen uns, die Betroffenen?

Wer die Verbrechen kommunistischer Gewaltherrschaft nicht eindeutig benennt, versäumt sträflich eine Möglichkeit vor totalitären Machenschaften und Ideologien zu warnen. Die Gedenkstättensatzung (§2) ist unter Dr. Reich eklatant missachtet worden.

Dagegen protestieren wir mit aller Entschiedenheit und beklagen die Verschwendung von 900.000 EUR Steuergeldern. Nach einer grundlegenden inhaltlichen und personellen Umstrukturierung sind wir gern wieder zu einer Mitarbeit bereit.

Zeitzeugen-Initiative Ehemaliges KGB-Gefängnis Leistikowstraße

V.i.S.d.P.:Bodo Platt und Dirk Jungnickel | April 2012

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