Gera, 22.03.2012/mk – Ich lese gerade dieses Buch von Jörg Baberowski. Baberowski erzählt. Vom Grauen. Vom Unfassbaren. Vom Unerzählbaren. Und behält gleichzeitig den sachlichen Blick des Historikers.

Längst bekannt Gemeintes erscheint im neuen Licht. Vertraut mit Stalins Verbrechen – von Naumburg aus hatten wir in den 80 ziger Jahren illegale Stalinismusseminare organisiert, 1988 den offenen Brief zur Aufarbeitung des Stalinismus in der DDR veröffentlicht – vermittelt dieses Buch erneutes Erschrecken.
Baberowski macht es den Leser/innen nicht bequem mit Erklärungen. Ideologische Muster passen nicht auf dieses konkret zeitlich und regional verortetes Geschehen. Weshalb aber, angesichts vorhandener Dokumente und bereits veröffentlichter Literatur, ein neues Buch zum Stalinismus?

Weil es in unsere heutige Zeit passt. Weil es zeigt, dass dieses Thema aktuell bleibt. Weil der Bedroh- ung der Demokratie durch unterschiedliche Fundamentalismen eine Auseinandersetzung im aktuel- lem Kontext notwendig macht. Weil immer noch – auch nach diesem Werk – reichlich Fragen offen bleiben. Weil Gewalt als Prinzip tagtägliche politische Realität darstellt.

„Verbrannte Erde – Stalins Herrschaft der Gewalt“ – C. H. Beck, München 2012, 606 Seiten, 29,95 €

Michael Kleim, Gera

Siehe auch: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/1705214/

 © 2012: Michael Kleim, Stadtpfarrer in Gera – V.i.S.d.P.:  Vereinigung (AK) 17.Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

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