Berlin, 23.02.2012/cw – Der einstige Pfarrer und DDR-Bürgerrechtler Hans-Jochen Tschiche, 1989 Gründungsmitglied des Neuen Forums, hat scharfe Kritik an der Nominierung Joachim Gaucks für das höchste Staatsamt geübt.

Gegenüber der Berliner Zeitung DER TAGESSPIEGEL (Autor: Matthias Schlegel) äußerte sich der einstige Leiter der Evangelischen  Akademie in Magdeburg nahezu erbost über seinen ehemaligen Kollegen im Pfarramt. So habe sich Gauck bei einer Preisverleihung in München mit den Geschwistern Scholl (die für ihren Widerstand gegen das NS-Regime zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden) vergleichen  lassen. Er, Gauck, „wurde noch nicht einmal schamrot“, führt Tschiche gegen den Kandidaten an, der „niemals zur DDR-Opposition gehört“ habe. Gauck reise vielmehr „ohne Skrupel“ auf dem Bürgerrechtler-Ticket durch die politische Landschaft. Tschiche: „Er ist kein Vater der protestantischen Revolution“, sondern gehöre zu denen, „die sie beendet haben“. Hans-Jochen  Tschiche war ebenfalls Abgeordneter in der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR und gehörte acht Jahre lang der Bündnisgrünen-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt als Fraktionsvorsitzender an.

http://www.tagesspiegel.de/politik/buergerrechtler-hans-jochen-tschiche-gauck-ist-die-falsche-person/6242562.html

Wird seine wilde Ehe zum Streitthema?

In  einem weiteren Artikel setzt sich die TSP-Autorin Antje Sirleschtov mit der Kritik an den Eheverhältnissen des nominierten Präsidenten-Kandidaten auseinander, ohne sich selbst in dieses heikle Thema einzubringen. Vielmehr stellt die Autorin den vielfachen Argumenten gegen die „ungeordneten Familienverhältnisse“ eines künftigen Präsidenten die Kritik an diesem „Wühlen in seinem Schlafzimmer“ gegenüber.

Skeptisch wird registriert, dass Gauck bereits vor seiner ersten Kandidatur die Heirat mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt öffentlich in Aussicht gestellt habe, ohne diese Absicht bisher umgesetzt zu haben. Auch könne man ja wohl erst heiraten, wenn man zumindest zuvor geschieden sei, oder? Pfui Teufel oder modern und zeitgemäß?

Bemerkenswert bleibt, dass sich langsam auch wieder Journalisten an ihre Pflichten erinnern und Fragen stellen, wo der Öffentlichkeit in lauter Euphorie die Fähigkeit zur Hinterfragung abhanden gekommen zu sein  scheint. „Gauck hat sich dazu entschieden, das höchste Staatsamt in der Republik zu übernehmen.“ Richtig. Das impliziert die Hinnahme, die Tolerierung kritischer Nachfragen, auch wenn es „nur“ um die Frage nach der künftigen First Lady und nicht um die Frage günstiger Kredite für das eigene Haus geht.

Diese Kritik mit den „Gauck bekannten Zersetzungsmethoden“ gleichzusetzen, wie das die einst kritische Zeitung DIE WELT erstaunlicherweise und trotzdem unflätig formuliert, ist nicht nur eine Beleidigung der Kritiker, zu denen immerhin ebenso einstige SED-Verfolgte wie einstige Bürgerrechtler gehören, diese Einordnung beleidigt auch posthum den großen Verleger und Zieh-Vater des einstigen Flagg-Schiffes des Medien-Konzerns Axel Cäsar Springer.

http://www.tagesspiegel.de/politik/joachim-gauck-wird-seine-wilde-ehe-zum-streitthema/6242016.html

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