Berlin, 18.02.2012/cw – Wie auf dieser Seite bereits vor dem offiziellen Rücktritt des Bundespräsidenten angekündigt, dreht sich das Personalkarussell immer schneller. Wie erwartet wird an vorderster Stelle Joachim Gauck angeführt und dabei auch (wieder) als „Präsident der Herzen“ gepostet.

Auffällig dabei die mangelnde Distanz gerade der Medien, die unter dem Postulat „Wächter der Demokratie“ in den vergangenen Wochen besonders eifrig mit ihrer Kritik am zurückgetretenen Bundespräsidenten getitelt hatten. Allein daraus stellt sich die berechtigte Frage, ob die Kritik an Christian Wulff nicht doch politisch motiviert war? Wie anders soll man die jetzt verbreitete Lobhudelei auf und über Joachim Gauck einordnen? Es sei denn, BILD und andere argumentierten, der Bürger sei der Kritik überdrüssig, man könne nicht unendlich weiter kritisch berichten…

Nun ist ja auch Joachim Gauck, wie Christian Wulff, ein ehrenwerter Mann und verdient zumindest ebenso Respekt vor seiner Persönlichkeit, das ist unbenommen. Aber ein Mann, der offensichtlich nach wie vor Willens ist, für das höchste Staatsamt zu kandidieren (Gauck wollte sich gestern im TV nicht zu dieser Frage äußern), muss sich im Vorfeld Fragen  stellen lassen. Eine erneute „Enthüllungskampagne“, diesmal gegen einen möglichen  Präsidenten Joachim Gauck, wäre nach den Erfahrungen mit der Causa Wulff in der Tat fatal für diesen Staat.

Wir haben diese Fragen und werden gerne und ohne Einschränkungen die eingehenden Antworten an dieser Stelle veröffentlichen:

1. Ist die Meldung der Hamburger Zeitung DIE WELT vom 23.April 1991 richtig, wonach das ZDF verbreitete, „Gauck habe die vom MfS über ihn angelegten Akten mehrfach und über längere Zeit ohne Beisein anderer Personen eingesehen“? Wenn ja, welche Gründe führen Sie dafür an, im  Gegensatz zu betroffenen Opfern der SED-Diktatur Ihre Akten ohne Aufsicht und allein eingesehen zu haben?

2. Am 19. September 1995 publizierte die Berliner Zeitung DER TAGESSPIEGEL einen Artikel von Regina Mönch,  in dem u.a. ausgeführt wird: „Ein Exhauptmann von der Stasi brüstet sich im folgenden mit banalen Kenntnissen über den damaligen Pfarrer, und er bedauert, daß sie Leuten wie Gauck nicht auf die Sprünge gekommen sind.“ Ist es richtig, dass Sie Kontakte zu zumindest einem Hauptmann Terpe der Stasi hatten und sich mit diesem 1988 zu einem Gespräch oder Gesprächen in Ihrer Wohnung getroffen haben? Ist es richtig, dass Sie in diesem (behaupteten) Gespräch u.a. über den vorausgegangenen Kirchentag berichtet haben?

3. Ist es richtig, dass der Leiter des ZDF-Studios „Studio 1“, Bodo Hauser, 1991 Ihre Integrität als „Herr der Stasi-Akten“ bezweifelt hat und Sie, Herr Gauck, als Organisator des DDR-Kirchentages 1988 für den   ›störungsfreien Ablauf‹ von der Staatssicherheit höchstselbst belobigt worden sind (DER SPIEGEL 17/1991)? Auch Hauser berichtete darüber, Sie hätten Ihre persönlichen Unterlagen im Rostocker Stasi-Bezirksarchiv stundenlang allein eingesehen; ist das richtig?

4. Ist es richtig, dass Peter Michael Diestel, damals Innenminister der Regierung de Maizière, den Vorgang der alleinigen  Akteneinsicht als ›eindeutig illegal‹ und ›rechtswidrig‹ bezeichnet hat?

5. Ist die Behauptung richtig, dass Sie für Ihre angebliche Kooperation mit der Stasi mit einem VW- Bus entlohnt wurden, der für DDR-Normalbürger unerreichbar war?

6. Steht die Ausreise Ihrer Kinder aus der DDR in einem Zusammenhang mit Ihrer behaupteten Kooperationsbereitschaft zu Staatorganen der DDR? Wie erklären Sie sich die außergewöhnlich erscheinende Besuchsmöglichkeit Ihrer Kinder bei Ihnen in der DDR nach deren erfolgter Ausreise? Welche Erklärung haben Sie für die Ihnen eingeräumte Reisemöglichkeiten in das kapitalistische Ausland (BRD)?

7. Sie haben auf einer Veranstaltung der BStU anlässlich der Wiedereröffnung des Hauses 1 (ehem. Mielke-Haus)in der Ruschestraße zur Begründung der Integration von ehemaligen Stasi-Mitarbeitern in die Behörde durch Sie u.a. geäußert, Sie „könnten auf die Befindlichkeiten von Stasi-Opfern keine Rücksicht nehmen“? Wie begründen Sie diese unter Pfiffen und Buhrufen anwesender Opfer gemachte Äußerung nach einem gewissen zeitlichen  Abstand?

 

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