Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V.

Hohenecker Bote

Nr.002                                        Förderverein – Info                   18. Januar 2012

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Positive Reaktionen überschreiben vereinzelte Kritik *

Hoheneck, 18.Januar 2012/cw – Auf überwiegende und in diesem Ausmaß „überraschend positive Resonanz“ (Sterneberg) stieß die Vorlage eines ersten Konzeptes zur Gestaltung einer Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck (ehemaliges Frauenzuchthaus der DDR in Stollberg/Sachsen).  Der „Hohenecker Bote„, das Mitteilungsblatt des Fördervereins Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck, sprach darüber mit der Vorsitzenden und ehemaligen  Hoheneckerin, Tatjana Sterneberg.

HB: Der Förderverein hat im Dezember vorigen Jahres ein Konzept zu Hoheneck versandt. An wen und wie war die Reaktion?

Sterneberg: Es handelt sich nicht um ein fertiges Konzept. Das kann ja nur in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten erstellt werden. Aber es ist richtig, wir haben ein erstes Konzept im Ergebnis vieler Gespräche erstellt, um eine Diskussionsgrundlage zu schaffen. Wir verstehen uns nicht als Einzeltänzer, sondern als Förderverein, der hier speziell eine Begegnungs- und Gedenkstätte mit allen gebotenen Instrumenten fördern will. Dazu gehört natürlich auch Grundlagenarbeit, die es anderen Beteiligten erleichtern soll, sich konstruktiv an einer Umsetzung zu beteiligen. Auf Ihre Frage: Wir haben dieses Konzept an alle unmittelbar Beteiligten versandt, also Eigentümer, Frauenkreis, Stadt und Landkreis, Sächsische Gedenkstätten. Natürlich auch an die Institutionen, die bei einer Umsetzung mitzureden haben oder auf deren Unterstützung alle Beteiligten angewiesen sind: Sächsische Staatsregierung, die Fraktionen im Sächsischen Landtag …

HB: Auch an die NPD?

Sterneberg: Nein, das verbietet sich. Eine Partei in konzeptionelle Überlegungen für eine Begegnungs- und Gedenkstätte einzubeziehen, die programmatisch Begegnungen ausschließt oder deren Zusammensetzungen vorbestimmen will oder die sich in Verherrlichungen der ersten  Diktatur ergeht, die kann man nicht glaubwürdig in Projekte zur Erinnerung an die Opfer der Diktaturen einbinden. Wir haben also die Fraktionen im Sächsischen Landtag direkt angeschrieben und den Präsidenten des Bundestages gebeten, das Konzept den im  Bundestag vertretenen Fraktionen zu übermitteln. Darüber hinaus haben wir Einzelpersönlichkeiten entsprechend informiert.

HB: Sie sprechen von einer „überraschend positiven Resonanz“?

Sterneberg: In der Tat haben uns die überwiegend positiven Stellungnahmen überrascht. Hoheneck ist ja seit 2001 als Strafanstalt geschlossen, trotzdem hat sich in den vergangenen Jahren kaum  etwas in Richtung einer Gedenkstätte bewegt. Da konnte man von einer gewissen Gleichgültigkeit in der öffentlichen  Wahrnehmung ausgehen. Die positiven Reaktionen auf unsere Vorschläge lassen uns nun hoffen, dass wir Mitstreiter für eine Umsetzung finden werden. Sicherlich hat der vielbeachtete Besuch des Bundespräsidenten Christian Wulff im Mai vergangene Jahres erheblich zu dieser, freilich unterstellten Sinneswandlung bei der einen oder anderen Institution beigetragen.

HB: Es gab aber auch Kritik?

Sterneberg: Natürlich, das ist ja auch gut so. Wir leben doch nicht in einer Autokratie, wo einer oder wenige etwas entwerfen und die anderen haben das abzunicken. Das liegt ja Gott sei Dank hinter uns. Interessant ist für uns, das sich diese Kritik weniger an den Inhalten unserer Konzeption, als vielmehr an Formalien reibt. Da sind natürlich vielfach personelle Empfindlichkeiten vorhanden, die aber kein  längerfristiges Hindernis sind oder sein sollten. Bei schlechtem Wetter wissen wir ja auch, dass dahinter eine Sonne steht, die irgendwann auch wieder die Tage schöner erscheinen  lässt. Wir hängen das tief und lassen an diesen atmosphärischen Anfangsschwierigkeiten bestimmt keine Gespräch oder gar eine Zusammenarbeit scheitern. Beleidigtsein  steht nicht auf unserer Agenda, wir stehen  für die Sache. Wir glauben, diese Botschaft ist angekommen und darum haben auch zum Beispiel der Bundestagspräsident oder auch der Präsident des Sächsischen Landtages positiv reagiert.

HB: Warum nicht nur Gedenkstätte, warum auch Begegnungsstätte?

Sterneberg: In der Vergangenheit hat aus verständlichen  Gründen eher eine Fokussierung auf den Teil der DDR-Geschichte in Hoheneck stattgefunden. Ich war ja selbst in Hoheneck inhaftiert, weil ich mich in einen Italiener aus West-Berlin verliebt hatte und wir heiraten wollten. Aber Hoheneck hat auch eine schlimme Vergangenheit aus der ersten Diktatur, die mit der Inhaftierung ehemaliger KZ-Aufseherinnen bis weit in die DDR-Geschichte reinreichte. Wenn Sie alle diese Komplexe vermitteln wollen, dann  geht das realistisch nur über eine Verbindung zwischen Begegnungs- und Gedenkstätte. Hier sollen Menschen verschiedener Generationen und aus möglichst vielen Nationen über Ursprünge und Auswüchse totalitärer Machtstrukturen nachdenken, debattieren, Fragen stellen und Antworten suchen. Das ist im Übrigen das beste Rezept gegen extremistische Programme und Auswüchse, weil hier vor Ort die Ergebnisse von verbrecherischen  Denkweisen studiert werden können.

HB: Wie soll es weiter gehen, was planen Sie für das gerade begonnene Jahr?

Sterneberg: Zunächst werden wir, wie angekündigt, den Verein in Stollberg, d.h. vor Ort verankern. Wir werden also bis Ende Februar den Gründungsvorstand durch einen „Stollberger Vorstand“ ablösen. Dieser kann direkt vor Ort die notwendigen  Aktivitäten in  Gang setzen, um das gemeinsame Vorhaben zu befördern. Wir haben uns ja nur als Geburtshelfer verstanden. Darüber hinaus wird es sicher notwendig sein, durch entsprechende Veranstaltungs-Angebote den Bürgern der Stadt aber auch der Umgebung, Landkreis, das Thema näher zu bringen. Wir brauchen eine Identifikation der unmittelbar dort Wohnenden. Alle Aktivitäten von außen, so gut diese gemeint sein mögen, werden letztlich als eine Aufpfropfung oder wohlmöglich als eine Einmischung in die örtlichen Befindlichkeiten verstanden. Vielleicht spielt ja auch hier und da ein „schlechtes Gewissen“ gegenüber den Frauen mit, die auf der Burg unendliches Leid erlebt haben. Aber auch dem können Sie nicht mit stillen oder offenen Vorwürfen, sondern nur durch eine ehrliche und offen gemeinte Einbindung vor Ort begegnen.

HB: Es gibt offensichtlich viel zu tun…

Sterneberg: Packen wir´s  an.

* Das Interview erschien im  Hohenecker Bote Nr. 002/2012 vom 18.01.2012

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