Rund 400 Aktivisten waren dem Aufruf gegen den "Diktator" in Bellevue gefolgt: "Shoe for you" - Foto: Ralf Gründer

Berlin, 08.01.2012/cw – Nach den Berichten in den TV- und Print-Medien versammelten sich vor dem Amtssitz des Bundespräsidenten „bis zu 400 Bürger, die mit in die Höhe gehaltenen Schuhen ihren Protest gegen Christian Wulff und seinem Verbleiben im  Amt bekundeten.“ Aha, jetzt geht’s los, möchte man denken und sieht bereits im  Geiste Kairoer Verhältnisse mit zuletzt hunderttausenden Demonstranten vor dem geistigen  Auge aufziehen.

Nazi im Schloss Bellevue?

Möglicherweise würde dieser durch die Berichterstattung geradezu provozierte Geistesblitz gar nicht erst entstehen, hätten die Medien sich an die vielbeschworene „Wahrheit“ gehalten, statt die von einem Journalisten-Kollegen lässig beschworene „Text-Bild-Schere“ zu bemühen. Dann hätte zum Beispiel der Zuschauer von TAGESSCHAU oder HEUTE erstaunt die anfänglichen Rufe der Demonstranten vernehmen können: „Nazis raus! Nazis raus!“

(Siehe auch: http://citizen-of-the-world.de/index.php/demo-gegen-christian-wulff-am-07012012-vor-shloss-bellevue).

Ein Nazi im  Schloss Bellevue? Das ging wohl auch den Medien zu weit, also „Ton weg, Bericht weg!“ Aber trotzdem standen ja nun die „Bürger“ im Bild bzw. im  Text. Warum kein Hinweis auf die politisch links orientierten Initiatoren? Warum keine kritische Anmerkung, dass der „Pressesprecher“ der Veranstaltung (Jürgen Jänen) bereits zwei Tage zuvor dem einstigen Zentralorgan der FDJ und heutigen links-extremen Zeitung  junge Welt  ein Exklusiv-Interview gab, in dem er über die Demo vor dem Präsidenten-Sitz schwadronierte? („Wir treffen uns vor Wulffs Amtssitz“ – http://www.jungewelt.de/2012/01-05/054.php).

Andere Meinungen wurden diesmal friedlich toleriert und - ignoriert... Foto: Ralf Gründer

Kein Anspruch auf wahrheitsgemäße Information?

Hat der viel beschworene „mündige Bürger“ keinen Anspruch auf Informationen über diese Hintergründe? Das der Veranstalter im linken Spektrum fest verankert ist und auch Demos zum Todestag von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht organisiert? Selbstverständlich haben auch LINKE einen Anspruch auf Meinungsfreiheit und dürfen sich auch über einen Bundespräsidenten (oder diesen Staat) empören. Aber wir wollen wissen,  w e r  hinter diesen Protesten steht und   w a r u m  sich  ein Veranstalter  einer radikalen Zeitung bedient (die z.B zum 50. Jahrestag des Mauerbaus den Mördern an der Mauer ihren  Dank bekundete), um  seinen  Protest zu formulieren. Oder findet die in diesen Tagen (zu Recht) beschworene Pressefreiheit da ihre Grenzen, wo „höhere Interessen“ detaillierte Berichterstattungen nicht zulassen?

Nicht nur der Bundespräsident hat Fragen zu beantworten. Auch die Medien haben einiges zu erklären, wollten sie sich nicht dem Vorwurf aussetzen, einer Kampagne zu dienen oder diese gar selbst anzuheizen.

 http://www.dapdvideo.de/politik-videos/wulff-muss-weg-schuhdemo-gegen-den-bundespraesidenten 

 

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