Berlin, 4. Januar 2012/cw – Ab und an erreichen  unsere Homepage-Redaktion interessante Beiträge, die uns einer Veröffentlichung wert erscheinen, so der folgende Beitrag von Verena Seitenplatz aus Thüringen. Erst bei einem Abgleich mit bereits vorhandenen Texten stellten wir fest, dass es sich offenbar um  ein Plagiat des Aufsatzes einer bekannten Bürgerrechtlerin handelt, deren Namen wir hier allerdings zumindest verschweigen wollen. Zu sehr verwirren uns deren Ausführungen. So beklagt die einstige Stasi-Verfolgte sogar „bis hin zu den Grünen und den Linken“, diese hätten versichert, „man wolle nicht Wulffs Rücktritt, sondern eine Restauration seiner Glaubwürdigkeit.“ Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Eine Bürgerrechtlerin beklagt, dass auch die SED-Nachfolger nur die Restauration der Glaubwürdigkeit des Bundespräsidenten und nicht seinen Rücktritt fordern. Verkehrte Welt?

Wie einst das Politbüro, Witzfigur und Lachnummer

Aber die Bürgerrechtlerin bemüht noch andere Injurien: „Hier verweigert sich jemand (also der Bundespräsident) der Realität, wie einst das Politbüro der DDR.“  Und: „Wulff hat sich längst zur Witzfigur degradiert… Das höchste Amt im Staat wird zur Lachnummer.“ Würde vor dem Amt?

Als Ausweg bot die Bürgerrechtlerin einen vormaligen Kandidaten an, weil „ein Joachim Gauck in der Lage ist, dem beschädigten Amt seine Würde zurück zu geben.“  Geht’s noch? Bei aller Achtung vor dem Pfarrer Joachim Gauck: Sein Eintreten für den Verbleib ehemaliger von ihm in die Gauck-Behörde berufener Stasi-Mitarbeiter dürfte Gauck zumindest aus der Sicht der Stasi-Opfer von höheren Weihen ausschließen. Immerhin war sein  explizites Engagement für die Ex-Stasis bei seiner Letzten Kandidatur für das höchste Staatsamt noch nicht bekannt, denn erst jetzt forderte er die „Witzfigur“ (so die Bürgerrechtlerin) im  Schloss Bellevue auf, die von seinem Nachfolger Roland Jahn durchgesetzte, vom Bundestag und Bundesrat beschlossene Novellierung des Stasi-Unterlagen-Gesetzes nicht zu unterzeichnen. Die Witzfigur machte sich nicht zur Witzfigur, sondern unterzeichnete das Gesetz, nachdem die verbliebenen Gauck-Schützlinge aus dem ehemaligen MfS aus der BStU in andere Behörden umgesetzt werden können. Ob der von der Bürgerrechtlerin so favorisierte Gauck nun eine Klage empfiehlt oder sich die Bürgerrechtlerin einer solchen Klage gar anschließen würde, ist derzeit nicht bekannt.

Übrigens: Die Bürgerrechtlerin pflegt engsten Kontakt zum Vorstand der VOS und hat sich energisch verbeten, von Kritikern an den seltsamen Vorgängen im Vorstand des Verbandes kontaktiert oder gar um  Hilfe gebeten zu werden. Eigentlich schade. Hier hätte sie erfolgreichere Aussichten, mit ihrem Engagement Gehör zu finden und vielleicht sogar etwas zu bewegen, als mit ihren Klagen über mangelnde Rücktrittsforderungen durch die LINKE oder der Zeichnung des Bundespräsidenten als Witzfigur.

Nachdem wir vorstehende Ungeheuerlichkeiten im Originaltext zur Kenntnis nehmen mussten, weil das hohe Gut der Meinungsfreiheit auch zulässt, unseren Bundespräsidenten abseits jedweden Anstands und Respekts als Witzfigur zu bezeichnen, haben wir uns entschlossen, auch das eingereichte Plagiat, was die Autorin auf Nachfrage auch sofort einräumte, im Rahmen der Meinungsfreiheit zu veröffentlichen. Gleichwohl sparen wir den Hinweis auf den LINK http://www.vera-lengsfeld.de/home.php (unter Aktuell: 04.01.2012 – Schützt das Bundespräsidentenamt- nehmt Gauck) nicht aus, damit der geneigte Leser nicht auf seinen  Anspruch auf den ursprünglichen Text verzichten oder gar mühsam Texte finden und auf mögliche Plagiate überprüfen muss.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

 

Hier der (ungekürzte) Gastbeitrag:

Schützt die VOS – wählt einen anderen Vorstand

von Verena Seitenplatz

Wenn der VOS-Vorstand gehofft hatte, sich über die Weihnachtspause vor seinem Rette-sich-wer-kann-Skandal retten zu können, hat er sich gründlich getäuscht. Im Netz und in den Verbänden dominiert ein Thema: Des Vorstands Versuch, durch Intervention bei Kameraden und sogar bei „politischen  Freunden“ das Bekanntwerden der Vorwürfe zu verhindern. Wie konnte der Noch-Vorstand sich so vergessen und sogar seine Darstellungen (auf der Generalversammlung) auf dem Camcorder verewigen? Die Antwort ist ganz einfach: Der VOS-Vorstand ist Opfer der Arroganz der Funktionärs-Klasse, die längst agiert, als würden die Regeln für die Kameraden, nicht für sie gelten.

Nicht, dass der VOS-Vorstand glaubt, sich mit dürren Erklärungen, in denen er nur einräumt, was ihm ohnehin schon nachgewiesen wurde, im Amt halten zu können, ist inzwischen der größte Skandal. Nein, es ist die Weigerung der Stiftung Aufarbeitung und des Berliner Landesbeauftragten, vom VOS-Vorstand Konsequenzen zu fordern. Angefangen von Martin Gutzeit, dem Lässig-Genossen aus der SPD, der zwischen den Jahren die Notwendigkeit einer „neuen Ehrlichkeit“ verkündet über seine diversen Genossen, bis hin zu der Stiftung für Aufarbeitung: Ein paar lahme Aufforderungen, endlich Stellung zu nehmen, verbunden mit der Versicherung, man wolle nicht den Rücktritt des Vorstandes, sondern eine Restauration der Glaubwürdigkeit der VOS.

Als ob das noch möglich wäre. Der VOS-Vorstand hat sich längst zur Witzfigur degradiert. Im Stundentakt tauchen neue Satiren auf die größte Opferorganisation im Netz auf. Der größte Opfer-Verband im Staat wird zur Lachnummer. Gutzeit soll sich sogar dazu verstiegen haben zu behaupten, es käme einer Verbandskrise gleich, wenn der VOS-Vorstand zurücktrete. Damit hat er die „neue Ehrlichkeit“, die er für die Aufarbeitung gefordert hat, selbst sofort ad absurdum geführt. Glaubwürdig wäre er gewesen, wenn er gezeigt hätte, dass der Vorschlag der Ablösung mehr war als ein durchschaubares Manöver. Er hätte darauf hinweisen müssen, dass ein neuer Vorstand in der Lage ist, dem beschädigten Verband seine Würde zurück zu geben.

Die Gesellschaft hat das Recht, ihre Institutionen zu schützen. Wenn die Funktionäre dazu nicht mehr willens sind, werden die Diktatur-Opfer das für sie übernehmen. Rinks (VOS-Bundesvorsitzender) trotzige Hinhaltetaktik für die nächsten Wochen erregt fast Mitleid. Hier verweigert sich jemand der Realität, wie einst das Politbüro der DDR. Nicht nur er.

Die VOS hofft immer verzweifelter auf den „Durchhalte-Effekt“. Andere Verbände hatten ihre Affären einfach ausgesessen und waren danach immer noch respektable Vorstände. Der Vorstand übersieht, dass das UOKG-Krisenmanagement vergleichsweise professionell war. Das Ansehen des VOS-Vorstandes ist inzwischen so beschädigt, dass er nur noch eine Karikatur dessen ist, was er zu sein vorgab, aber anscheinend nie war. Übertroffen wird diese Chuzpe nur von den Forderungen, die Diskussion um das Fehlverhalten des Vorstandes zu beenden, weil sie den „Verein beschädige“. Der Verein wurde erstens nachhaltig dadurch beschädigt , dass es von einigen Kameraden als Abschiebeposten für einen Nebenverdienst missbraucht wurde. Zweitens durch das Verhalten des derzeitigen Schatzmeisters, dem direkt vorgeworfen wird, dass das Buchungsgebaren oberfaul war, indem er seine Rechnungen, die er sich selbst ausgestellt  hat, auch selbst an sich überwiesen hat. Es gibt einen Ausweg aus dem Dilemma:

Der Respekt vor dem großen Verein der Opfer des Stalinismus ist nur zu retten, wenn der nächste Vorstand von den Mitgliedern gewählt wird, damit er nie wieder zum Spielball von Privatinteressen wird.

V.i.S.d.P.: Verena Seitenplatz, Thüringen. Wir danken der Autorin für die Erlaubnis, den Beitrag kostenlos übernehmen zu dürfen. Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V.

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