Auch nach 50 Jahren deutliche Worte - Kranzschleifen der Vereinigung - Foto: Ralf Gründer

Unverständliche Gefühlskälte: Wohlfahrt verblutete im Scheinwerferlicht

Berlin, 09.12.2011/cw – Die Vereinigung 17. Juni ehrte zum 50. Todestag den einstigen Fluchthelfer Dieter Wohlfahrt. Der TU-Student war in den Abendstunden des 9. Dezember 1961 bei einem Fluchthilfe-Versuch an der Zonengrenze Spandau-Staaken zu Brandenburg (früher DDR) in eine vorbereitete Falle der Staatssicherheit geraten. Diese hatte das Feuer unmittelbar nach dem Durchschneiden der ersten Stacheldrahtbarriere eröffnet. Während der Freund zurück in den Westteil Berlins flüchten konnte, brach der zwanzigjährige Wohlfahrt zusammen.

Frank Bewig (CDU) und Bezirksbürgermeister Kleebank (SPD) legten gemeinsam einen Kranz nieder - Foto: Ralf Gründer

Der Vorsitzende der Vereinigung erinnerte an die „Tragödie vor 50 Jahren“: Britische MP sei zwar sehr schnell vor Ort gewesen, habe aber keine Erste Hilfe geleistet, sondern hatte in „unverständlicher Gefühlskälte Scheinwerfer aufgebaut, um  das Sterben des jungen  Mannes zu beobachten“. Nur eine Nylonschnur habe an dieser Stelle die Grenze markiert. „Es wäre eine Leichtes gewesen, Wohlfahrt zur Hilfe zu eilen, denn hier habe keine Mauer zwischen möglichen Helfern und dem Sterbenden gestanden, wie dies im Fall des ebenso verbluteten Peter Fechter der Fall gewesen sei“. Holzapfel mahnte die Vorbildfunktion des uneigennützig agierenden Studenten „für die heutige Generation angesichts der aktuell diskutierten Gewaltbereitschaft junger Menschen“ an und erinnerte daran, wie ihn  selbst als jungen Menschen die Vorbilder von „Sophie und Hans Scholl, Graf Schenk von Stauffenberg oder auch Julius Leber“ geprägt hätten.

Alfons Regnet vom ASK spielte zur Kranznieder- legung "Es blüht der Blumen eine" (1810) - Foto: Ralf Gründer

Spandaus Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank, SPD, erinnerte zuvor mit bewegenden Worten an den ersten Toten an der damaligen Zonengrenze, die auch den Bezirk Spandau so blutig und schmerzlich berührte. „Wir dürfen die Erinnerung an diesen gravierenden Abschnitt deutscher Geschichte nicht vergessen“, sagte Kleebank.

Zusammen mit dem Bezirksverordnetenvorsteher Frank Bewig, CDU, legte der Bürgermeister einen Kranz für den Bezirk nieder, nachdem die Vereinigung ebenfalls  den Toten mit einem Kranz geehrt hatte.

Stiftung Berliner Mauer, Klaus Wowereit und der österreichische Gesandte

Bereits am Vormittag hatte die Stiftung Berliner Mauer zusammen mit dem Gesandten der Österreichischen Botschaft Dieter Wohlfahrt geehrt. Der Regierende Bürgermeister ließ ebenfalls einen Kranz am Holzkreuz in der Berg- Ecke Hauptstraße niederlegen.

Siehe auch:

http://berliner-mauer.de/Aktuell/ehrung-fuer-das-sed-mordopfer-dieter-wohlfahrt.html

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.,: 030-30207785 oder 0176-48061953

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