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Berlin, 9.11.2011/cw – Nach der Sendung des Hoheneck-Spielfilmes „Es ist nicht vorbei“ hat sich der Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck in einem Schreiben spontan bei der Drehbuchautorin bedankt. In dem vom Vorstand unterzeichneten und noch am Abend übermittelten Brief an Kristin Derfler heißt es:

„Ohne Ihr jahrelanges persönliches Engagement in Hoheneck, der eindringlichen  Befassung mit den vielfältigen Schicksalen in dem ehemaligen einzigen Frauenzuchthaus der einstigen  DDR, die schließlich in die Idee zum Spielfilm und das Drehbuch einflossen, wäre dieser Film niemals zustande gekommen. Sie und Ihr Mann Dietmar Klein, der Ihnen bei der nicht leichten Arbeit zur Seite stand und mit dem Sie bereits zwei Dokumentarfilme über die Frauen  von  Hoheneck erstellt haben, haben den Frauen von  Hoheneck ein bleibendes, unvergessliches Denkmal gesetzt. Sie haben deren Schicksal dem Vergessen entrissen und einer zur Verdrängung neigenden Öffentlichkeit zugeführt. Das werden Ihnen die Frauen von Hoheneck, das werden wir Ihnen nicht vergessen. Danke, Kristin Derfler. Danke, Dietmar Klein.“

Unermüdlich: Kristin Derfler mit Dietmar Klein (li. Kamera) 2009 auf Hoheneck - Foto: LyrAg

Anlässlich dieses Schreibens gab die Vorsitzende des jüngst in Stollberg gegründeten Fördervereins Tatjana Sterneberg der Hoffnung Ausdruck, das nun auch der leider in der Archiv-Senke verschwundene Spielfilm „Spur der Hoffnung“, für den Kristin Derfler ebenfalls das Drehbuch geschrieben hatte, nun „endlich seinen Weg in  einen Sender findet, der diesen ebenfalls sensiblen Film mit dem Hintergrund der Dramen der einstiger Fluchten über die Ostsee der Öffentlichkeit zuführt. Der bereits festgesetzte Sendetermin des mit Peter Lohmeyer und Jürgen Vogel in den Hauptrollen verfilmten Spielfilmes unter der Regie von Hannu Salonen war seinerzeit aus aktuellen Gründen abgesetzt worden. Seither ist dieser „ebenso wichtige Spielfilm“, wie Sterneberg sagte, „bedauerlich aus dem Fokus der Verantwortlichen verschwunden.“

V.i.S.d.P.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

Berlin, 9. November 2011/cw – Tatjana Sterneberg ist absolut sauer. Am Abend der Filmpräsentation des Spielfilmes „Es ist nicht vorbei“ im ARD-Hauptstadtstudio am 25. 10. hatte eine  BILD-Crew die Hauptdarstellerin Anja Kling und eben  Tatjana Sterneberg zu einem Interview über den präsentierten und heute zur Ausstrahlung (20:15 Uhr, ARD) anstehenden Film gebeten. Noch am Montag wurde Sterneberg der Text zur faktischen Korrektur übermittelt und um Autorisierung gebeten.

Die Vorsitzende des Fördervereins Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck sieht sich von BILD geleimt und ist hell empört: „Die heutige Veröffentlichung über den Schauspieler, der bei der Stasi war, ist für mich pure Heuchelei.“ Zwar haben wir als Betroffene von diesen Verstrickungen nichts gewusst, aber der BILD dürften diese Vorwürfe seit Jahren bekannt sein. Warum, so die ehemalige Hoheneckerin, „hat BILD dieses Thema nicht schon längst aufgegriffen, nachdem Ernst-Georg Schwill schon lange in den TATORT-Serien mitspielt?“

Nach Sternebergs Meinung hätte eine rechtzeitige Veröffentlichung die Verantwortlichen wahrscheinlich davon abgehalten, die Rolle des ehemaligen  Führungsoffiziers mit einem  ehemaligen  Stasi-IM zu besetzten: „BILD ist also seiner Aufklärungspflicht zumindest in  diesem Fall nicht nachgekommen,“ betont die engagierte Aufklärerin von Stasi-Unrecht. Und das sei Heuchelei.

Den Tätern Schlagzeilen eingeräumt

Statt aus Anlass der Ausstrahlung „dieses sehr wichtigen Filmes“ die Gelegenheit zu nutzen, den Opfern der Stasi-Machenschaften Raum einzuräumen, um die Aufmerksamkeit auf diese Opfer zu lenken, wird wieder einmal den Tätern „zu Unrecht“ die Schlagzeile eingeräumt. Damit betreibe BILD genau das, was sie der ARD „in diesem Fall zu Unrecht“ vorwirft: Die größte Boulevard-Zeitung widmet den einstigen Tätern Aufmerksamkeit und vernachlässigt deren Opfer. Hat man gar die Vorsitzende des Frauenkreises der ehemaligen  Hoheneckerinnen in ein negatives Statement gelockt, ohne mit einem Satz auf die Qualen auch dieser ehemaligen Hoheneckerin einzugehen? „Das ist Polemik und schlechter Stil,“ empört sich Sterneberg.

Stellungnahme zum gegenwärtigen Zeitpunkt unredlich

Zu den Vorwürfen selbst will sich Sterneberg „zum gegenwärtigen  Zeitpunkt“ nicht äußern, da sie die Vorwürfe gegen Schwill im Einzelnen nicht kenne: „Das wäre unredlich.“ Sterneberg hatte mehrfach durch Forschungsarbeiten in den Akten der BStU Verstrickungen von Stasi-Akteuren aufgedeckt und dabei stets großen Wert auf die Faktenlage gelegt. So hatte Sterneberg auch die verdeckte Tätigkeit des einstigen medizinischen Leiters der DDR- Haftanstalt Hoheneck, Dr. Peter Janata, als IM „Pit“ aufgedeckt. Janata hatte Sterneberg und andere Häftlinge mit Psychopharmaka traktiert und praktiziert noch heute unangefochten in  seiner Praxis in Ahrensfelde bei Berlin. Der Fall Janata sei eine der wichtigen Vorlagen für die fiktive Rolle des Prof. Limberg, alias IM „TIM“ gewesen.

Zur Rolle von Schwill bemerkt Sterneberg, er habe den ehemaligen Führungsoffizier „hervorragend“ gespielt, vielleicht neben seinen  schauspielerischen Qualitäten auch deshalb, „weil er sich in der Materie offenbar auskenne.“ Jedenfalls hatte Tatjana Sterneberg bei ihren  Forschungsarbeiten auch den seinerzeitigen  Führungsoffizier der Stasi im DDR-Knast in Hoheneck aufgesucht, der heute in  Chemnitz wohne: „Schwill ist eine hervorragende Widerspiegelung“ dieses Führungsoffiziers.

Sterneberg hofft darauf, dass sich die ARD auch durch die BILD nicht die Programmgestaltung vorschreiben lässt und der Film mit der sehrt wichtigen nachfolgenden Dokumentation über die Frauen von Hoheneck unverändert im Programm  bleibt. Letztlich, und „das sei die gute Seite der Bild-Berichterstattung“, habe „vielleicht gerade rechtzeitig“ die Realität die zunächst fiktive Geschichte eines ehemaligen  Stasi-Mitarbeiters eingeholt, der in der Gesellschaft angekommen und kritiklos akzeptiert worden sei, wie jener Prof. Limberg. Sterneberg: „So gesehen eine absolute realistische Werbung für diesen sehenswerten Film am heutigen Abend.“

V.i.S.d.P.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

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