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Gewaltloser Kämpfer gegen die Mauer vor drei Jahren verstorben

Berlin, 28.10.2011/cw – Trauer bei den Freunden des „kleinen mutigen  Inders“: Wie heute bekannt wurde, soll Tapeshwar Nath (T.N.) Zutshi bereits vor drei Jahren in Indien verstorben sein. Das teilte die Vereinigung 17. Juni in Berlin mit. Gegenwärtig bemüht sich eine Journalistin um  die Verifizierung der Todesumstände in Indien.

Zutshi in seinem Zimmer 1963 - Foto: LyrAg

Zutshi wurde einer breiten Öffentlichkeit durch seine zahlreichen gewaltlosen Aktionen an und gegen die Mauer bekannt. Er war nach dem Aufstand in Ungarn 1958 nach Europa gekommen, um  den Europäern den gewaltlosen Kampf Gandhis gegen die Diktaturen in Ost-Europa zu vermitteln. Bei unwirtlichem Wetter organisierte er im selben  Jahr einen Fußmarsch von Wien an die „Brücke von Andau“, einem kleinen  Steg über die Grenze zwischen  Österreich und Ungarn, die durch die Flucht zahlreicher Freiheitskämpfer nach der Niederwalzung des Aufstandes durch sowjetische Truppen weltberühmt wurde. Am 2. Oktober 1960 wiederholte er diesen „Pilgermarsch“ über 600 Kilometer, diesmal von München nach Andau.

1962 Wolliner Straße: C.W. Holzapfel, Rainer Hildebrandt mit Freundin, T.N. Zutshi, die ehem. Hoheneckerin Anneliese K. und ein Begleiter (von links nach rechts) - Foto: Lyrag

Im März 1960 demonstrierte Zutshi am Alexanderplatz im damaligen  Ost-Berlin für die Freiheit der Menschen „in der sowjetisch besetzten Zone“. Auf einem mitgeführten Plakat hieß es: „Menschen hinter dem Eisernen Vorhang, der erste Schritt zur Freiheit: Legt Eure Furcht ab und sprecht die Wahrheit!“ Zutshi wurde verhaftet und schon bald auf Anweisung der Sowjets in deren Gewahrsam überstellt. Der indische Premier Nehru forderte im  Indischen  Parlament seine  Freilassung, der seinerzeitige Vizepräsident im Deutschen  Bundestag, Prof. Carlo Schmidt (SPD) rühmte vor dem Plenum „den kleinen mutigen  Inder in Berlin“. Wohl aufgrund der sehr diffizilen Beziehungen  zwischen der UdSSR und Indien wurde Zutshi nach knapp zwei Wochen wieder entlassen. Zuvor hatte Zutshi im Oktober 1959 auf der Westseite des Brandenburger Tores einen dreiwöchigen Hungerstreik durchgeführt, um „für die Freiheit und moralische Stärke  der Menschen in West-Berlin“ zu fasten. 10.000 Berliner unterzeichneten das ausgelegte „Freiheitsgelöbnis“. Bevor T.N. Zutshi 1959 nach Berlin ging, hielt er sich nahezu zwei Wochen  in  Polen auf und zeigte sich tief bewegt über das Interesse der Polen an den Lehren Mahatma Gandhis.

1963: Zutshi vor der Versöhnungskirche, wo ihm ein Stuhl gereicht wird. Jeden Sonntag von 11:00 – 12:00 führte er eine Demo an – Foto: LyrAg

Nach dem Bau der Mauer in Berlin bemühte sich Zutshi viele Jahre um die Organisierung eines gewaltlosen Widerstandes. Spektakulär war seine Ankündigung, am Geburtstag Gandhis, dem 2. Oktober 1962, die Mauer vor der Versöhnungskirche in der Bernauer Straße symbolisch einzureißen. Auf Druck der Alliierten und Anweisung des damaligen  Innensenators Heinrich Albertz wurde T.N. Zutshi diese Aktion  unter Androhung der Abschiebung als „unerwünschter Ausländer“ untersagt. Bis zu seiner Rückkehr nach Indien 1964 führte der mutige Inder noch zahlreiche Demonstrationen an oder gegen die Mauer durch, so für den zu lebenslänglich Zuchthaus verurteilten Fluchthelfer und ehemaligen  Spitzenradsportler der DDR, Harry Seidel „und 14.000 politische Gefangene“.

Zutshi mit dem Sohn Harry Seidels, der wegen Fluchthilfe zu lebenslänglich Zuchthaus verurteilt worden war - Foto: LyrAg

Der enge Weggefährte Zutshis, Carl-Wolfgang Holzapfel, zeigte sich tief bestürzt über die Todesnachricht: „Wir hatten immer gehofft, wieder eine Lebensspur zu finden, um diesem tapferen Streiter für die Menschenrechte gerade zum 50. Jahrestag des Mauerbaus öffentlich danken zu können.“ Der heutige Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni in Berlin hatte viele Anregungen des Inders aufgenommen  und zahlreiche gewaltlose Aktionen durchgeführt. Holzapfel sieht in der damaligen, auf dem Alexanderplatz vorgetragenen Losung Zutshis vom ersten Schritt zur Freiheit eine „prophetische Handlungsanweisung für das, was 1989 in Leipzig und anderswo in der DDR geschah.“ Auch darum habe Zutshi „Respekt und Anerkennung in  Deutschland“ verdient.“

Holzapfel will bei der Stiftung „Berliner Mauer“ anregen, dem ersten Bau der Gedenkstätte nahe der Versöhnungskirche in der Bernauer Straße „möglichst noch zum 9. November diesen Jahres“ den Namen T.N. Zutshis zu geben. Zutshi hatte in der benachbarten Hussitenstraße gegenüber der Versöhnungskirche über Jahre jeden Sonntag eine Demonstration für die Freiheit der Menschen  hinter dem Eisernen Vorhang organisiert.

Resigniert: 1964 verließ Zutshi Berlin - (von li. n. re.:) Frau Treichel (Zimmerwirtin), Annemarie Klein (Tante des Maueropfers Dieter Wohlfahrt), Wenzel Reiter, C.W.Holzapfel, T.N. Zutshi, Maria Reiter (mit Tasche und Hut) - Foto: LyrAg

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Carl-Wolfgang Holzapfel, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953 – Alle Fotos © 2011 by LyrAg-Holzapfel, Genehmigung zur Verwertung auf Anfrage

Berlin, 25.10.2011/rgg – Ronald Lässig, der stellvertretende Bundesvorsitzende der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS), die sich selbst als „größte Opferorganisation“ der SED-Diktatur bezeichnet, hat seine Funktion mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Zuvor hatte Lässig bereits am 1.10.2011 seine Funktion als Pressesprecher in  dem Verband aufgegeben.

Dem Vernehmen nach breitet sich sowohl im Bundesvorstand wie im  Verband selbst eine „gewisse Erleichterung“ über diesen Schritt aus, so ein  Insider gegenüber dem Autor. Allerdings sei der bisherige Bundesvize einer Absetzung durch den Bundesvorstand durch seinen Rücktritt zuvorgekommen. Der Bundesvorstand hatte für den kommenden Mittwoch, 26.10., in Berlin eine Sondersitzung zu diesem Zweck anberaumt. Der Bundesvorsitzende Johannes Rink, Magdeburg, war für Rückfragen zur Causa Lässig heute nicht erreichbar.

Wenig begeistert ist der Bundesvorstand über die im  Rücktrittsschreiben angeführten Gründe und die darin kaum verhohlenen Drohungen, wonach „die VOS künftig mit erheblichen rechtlichen Problemen und finanziellen Nachteilen konfrontiert sein“ werde. Wie ein Vorstandsmitglied, das nicht genannt werden möchte, ferner sagte, seien  die nun von Lässig erhobenen Vorwürfe „offenbar aus früheren kritischen Stellungnahmen von Mitgliedern abgeschrieben worden, also nicht neu“. Neu hingegen sei die Form, mit der sich Lässig nunmehr „diese Kritik aneigne, die er bisher vehement als böswillige Verleumdungen zurückgewiesen habe“.

Welche Schlüsse der verbleibende Bundesvorstand aus dem Rücktritt auf seiner morgigen Sitzung ziehen wolle, ist bisher nicht absehbar. Mitglieder fordern unterdessen im  Schatten des Rücktritts von  Lässig eine Neuformierung der VOS durch einen Rücktritt des Gesamtvorstandes, der die jetzt Lässig vorgehaltenen Kritiken zumeist durch entsprechende Handlungen und Beschlüsse selbst bislang unterstützt habe. „Falsch verstandene Kameraderie entbindet nicht von der Mitverantwortung“, so ein VOS-Funktionär gegenüber dem Autor.

Allerdings müssten die Verantwortlichkeiten zwischen  dem Geschäftsführenden und dem Gesamt-Vorstand für die einzelnen Vorgänge genauestens abgeklärt werden.

 

V.i.S.d.P.: Ralf Gründer, Berlin,  http://www.berliner-mauer.de/Aktuell/vos-vize-laessig-erklaert-ruecktritt-von-allen-aemtern-24-10-2011.html

Berlin, 18.10.2011/cw – Jeder Abgeordnete erhält neben anderen Privilegien auf Steuerkosten auch eine E-Mail-Adresse zur Verfügung gestellt, damit er/sie auf diesem Weg schnellstmöglich für Interessenten, Presse, Funk und Fernsehen, aber sicherlich auch hin und wieder für den einfachen  Bürger und Wähler erreichbar ist. Das sieht in der Regel so aus, das Herr/Frau Abgeordnete(r) über seinen Namen und seine Fraktion, z.B. tom.schreiber@spd.parlament-berlin.de ansprechbar wird.  So weit, so gut.

Schreiber-Mail und Antwort

Hin und wieder ärgern sich die Parlamentarier sicherlich auch über Zuschriften, denn Erfreuliches haben Bürger seltener mitzuteilen. In der Regel werden Sorgen, Ärgernisse und daraus resultierende Wünsche vorgetragen, was diesen oder jenen  aber vermutlich auch nervt. Nichtsdestotrotz gehört das zum täglichen Brot eines demokratisch gewählten Abgeordneten, der schließlich – in der Regel – auch wiedergewählt werden will.

Um so erstaunlicher, wenn sich ein Abgeordneter an einen Mail-Absender mit dem strikten Verdikt wendet, in Zukunft „an diese Mailadresse keine wie auch immer gearteten Mails zu verschicken.“ So am heutigen  Tag der SPD-Abgeordnete Tom Schreiber an den Vorsitzenden der Vereinigung 17. Juni in Berlin. Was war geschehen? War Tom Schreiber beleidigt worden? Hatte man ihm unsittliche Inhalte übermittelt oder flegelhaft seine enge Verbindung zu dem in der Kritik stehenden VOS-Vize Ronald Lässig erinnert? Nichts von alledem.

Tom Schreiber hatte sich auf bisher nicht vollständig geklärte Weise von seinem Intimus Ronald Lässig, Letzterer frisch durch Verstoß gegen die eigene Satzung und das Wahlgesetz zum VOS-Vize gewählt,  instrumentalisieren lassen und forsch in einem Zeitabstand von zwei Wochen vom VOS-Vorstand den Ausschluss des zurückgetretenen Lässig-Vorgängers gefordert. Schreiber drohte in seinen Mails mit der Sperrung von Haushaltsmitteln in den „anstehenden Haushaltsberatungen“ für den Opfer-Verband, um seine Forderung zu unterstreichen.

Auszug Mitschrift VOS-Generalversammlung vom April 2010

In der nun verbetenen Mail wurden dem Abgeordneten Tom Schreiber wie anderen Empfängern auch ohne weiteren Kommentar zwei Links übermittelt (http://lexetius.com/2007,3954 und http://lexetius.com/2009,3122), mit denen sich (auch) der SPD-Abgeordnete über ein Urteil und einen Beschluss des Bundesarbeitsgerichtes (BAG) informieren könnte. Bislang hatte sein  Freund und VOS-Vize immer lässig verbreitet, er habe seinen seinerzeitigen Prozess gegen den MDR gewonnen. Dem ehemaligen Nachrichten-sprecher  war vom Sender gekündigt worden, weil er eine ddp-Meldung zu Lasten des damaligen SPD-Landesvorsitzenden Jurk gefälscht haben sollte.

Lässig hatte gegen die Kündigung geklagt und vor dem Landesarbeitsgericht obsiegt. Das BAG hatte dann dieses Urteil aufgehoben und an das LAG zurückverwiesen. Mit Urteil vom 11. Juli 2006 hatte das LAG der Revision entsprochen, die Kündigung für rechtens erklärt und eine Revision nicht zugelassen. Die Beschwerde gegen diese Nichtzulassung wurde schließlich mit dem Beschluss vom 15.09.2009 vom BAG abgewiesen, damit hatte der Pressesprecher, VOS-Vize und Schreiber-Freund seine Kündigungsklage gegen den MDR endgültig verloren. Das hielt ihn  allerdings nicht davon ab, noch am 10.April 2010 die Delegierten der VOS-Generalversammlung mit der Versicherung zu belügen, er habe in Sachen  MDR den Arbeitsrechtsprozess „in allen Instanzen“ gewonnen (siehe Kasten).

Ob der SPD-Abgeordnete erneut auf eine Intervention seines Freundes reagierte, als er sich weitere Mails an seine Abgeordneten-Adresse verbat oder nur vor realen Hintergründen seines Freundes die Augen verschließen wollte, lässt sich wohl nicht klären. Jedenfalls ist das Verhalten dieses Abgeordneten, der in der vergangenen Legislatur immerhin Mitglied des Verfassungsausschusses war, zumindest hinterfragungsbedürftig. Auch der/die (künftige) ParlamentspräsidentIn sollte sich mit der Zugänglichkeit offizieller Mail-Adressen von Abgeordneten befassen. Interessant auch, ob sich die PIRATEN eines solchen Themas annehmen.

V.i.S.d.P.: Vorstand Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Tel.: 030-30207785 oder 0176-4806-1953

Was ein VOS-Funktionär lässig verschwieg

von Ralf Gründer

Berlin, 17.10.2011/rgg – Nomen est Omen? Turbulenzen ist der stv. Bundesvorsitzende der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS), Ronald Lässig, in Berlin wohl gewohnt. Was er bisher lässig verschwieg, könnte ihm jetzt arge Schwierigkeiten bereiten.

Erst in diesen Tagen wurde ein Urteil und eine Entscheidung des Bundesarbeitsgerichtes (BAG) bekannt, wonach der einstige Nachrichtensprecher des MDR letztlich seine Klagen gegen den MDR endgültig verloren hat. Ronald Lässig war 2004 aus dem Sender geflogen, nachdem ihm vorgeworfen worden war, er habe zu Lasten des sächsischen SPD-Vorsitzenden Thomas Jurk eine Nachrichten-Mail der Agentur ddp verfälscht („Jurk will rot-rotes Bündnis in Sachsen“). Dagegen hatte Lässig Klage erhoben und 2006 vor dem Landesarbeitsgericht in Chemnitz obsiegt. Trotzdem weigerte sich der MDR, den geschassten Sprecher wieder einzustellen. Seither hausierte Lässig mit diesem Urteil und erklärte noch vor der letzten Generalversammlung der VOS im April 2010, die Vorwürfe des MDR seien alle widerlegt worden, er sei rehabilitiert und  habe seinen  Prozess gegen den MDR gewonnen.

Was der VOS-Vize verschwieg: Er hatte gegen die Entscheidung des Landesarbeitsgerichtes Revision eingelegt, weil er damit eine Fortsetzung des beendeten Arbeitsverhältnisses durchsetzen wollte. Dieser Revision wurde im Urteil vom 28.11.2007 (Az.: 5 AZR 952/06 – EzA BGB 2002 § 626 Verdacht strafbarer Handlung Nr. 4) durch das BAG stattgegeben und zur erneuten Entscheidung an das Landesarbeitsgericht zurück verwiesen. Anders, als vom Kläger beabsichtigt, war das BAG allerdings den Begründungen  und Schlüssen des Landesarbeitsgerichtes nicht gefolgt.

Am 25. März 2009 (Az.: 5 Sa 66/08) entschied das Landesarbeitsgericht im Gegensatz zur ersten Entscheidung, die Kündigung sei rechtens gewesen und führte aus, dass „die Personalratsanhörung (durch den MDR) ordnungsgemäß ist und der Kläger auch ordnungsgemäß vor Ausspruch der Verdachtskündigung angehört wurde.“ Eine Revision gegen diese Entscheidung wurde nicht zugelassen.

Gegen diese Nichtzulassung erhob Ronald Lässig Beschwerde beim BAG, die durch Entscheid vom 15.09.2009 (Az.: 3 AZN 404/09) kostenpflichtig zurückgewiesen wurde. Mit dieser letzten Entscheidung wurde die Kündigung durch den MDR entgegen den bisherigen  Behauptungen Lässigs rechtsgültig.

 Die Frage bleibt, wie lässig der einstige Nachrichtensprecher nun dem Vorstand der VOS die offensichtlich falsche Darstellung über seinen angeblichen Rechts-Sieg über den MDR erklärt. Schon zuvor waren aus den Reihen der Mitglieder kritische Fragen nach der Wahrheitsliebe des VOS-Vize aufgeworfen worden. So hatte Lässig zumindest hingenommen, dass drei Geburtsjahre (zwischen  1968 und 1972) kursierten und er im  Vereinsorgan fälschlich mitteilen ließ, er sei Redakteur bei der Tagesschau in Hamburg. Neuerdings muß er sich mit dem Vorwurf auseinandersetzen, am Vorstand vorbei gegen die Landesbeauftragte für Stasi-Unterlagen in Thüringen, Hildigund Neubert, eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht zu haben. Noch schwerer allerdings wiegen jüngste Erkenntnisse, wonach der im Gegensatz zur Sachsen-SPD in der SPD-Berlin (noch) wohlgelittene Genosse zumindest gegenüber dem Verband der Stalinismus-Opfer seine einstige Ausbildung und Tätigkeit in einem …

Aufgrund einer rechtlichen Auseinandersetzung um die Zugehörigkeit eines Außenhandelsbetriebes (AHB) der DDR zum behaupteten Bereich der Kommerziellen Koordinierung (KoKo) des Stasi-Obersten Alexander Schalck-Golodkowski  und der damit einhergehenden Folge von Unterlassungserklärungen sieht sich die Redaktion  veranlasst, einen Teil des Textes vom vorstehenden Artikel bis zur rechtlichen Klärung vorgenannter Auseinandersetzung aus dem Netz zu nehmen. Wir bitten um Verständnis.

Berlin, 6.02.2014

Die Redaktion

Außenhandelsbetrieb (AHB) der DDR verschwiegen hat.  …  Keine lässigen Zeiten für die VOS.

LINK:/Urteil BAG: http://lexetius.com/2007,3954 – Beschluss BAG: http://lexetius.com/2009,3122

V.i.S.d.P.: © 2011 Ralf Gründer (Gast), Rückfragen: 030-30207785 oder 0176-48061953

http://berliner-mauer.de/Aktuell/was-ein-vos-funktionaer-laessig-verschwieg.html

Berlin, 13.10.2011/rgg – Sie gehört zu den bekannten Gesichtern der Verfolgten-Szene der SED-DDR-Diktatur: Tatjana Sterneberg. Jetzt wollte sie dem – nach eigenen Angaben -größten Opferverband beitreten und wurde abgelehnt.

Heute teilte die Vereinigung der Opfer des Stalinismus der Antragstellerin die Ablehnung mit. In  einem Schreiben des Bundesvorstandes heißt es  lapidar, der Aufnahmeantrag vom 28.07.2011 „wurde geprüft und wird hiermit unter Verweis auf § 4 Abs.2 der VOS-Satzung abgelehnt.“ Was sich wie eine Begründung liest, ist keine. Denn in der angeführten  Satzungsstelle heißt es lediglich: „Über die Aufnahme entscheidet der geschäftsführende Bundesvorstand.“

Sterneberg wurde durch ihre hartnäckigen Aufklärungs- und Forschungsarbeiten zur zweiten deutschen  Diktatur bekannt. In zahlreichen  Fernseh- und Printveröffentlichungen wurde darüber berichtet. Besondere Aufmerksamkeit erfuhren dabei die Aufdeckung des ehemaligen  Anstaltsarztes Dr. Peter Janata als langjähriger Stasi-IM, der Häftlinge mit Psychopharmaka traktierte und die Begegnung mit einem IM vor den Kameras von FOCUS-TV, der als ehemaliger Kollege maßgeblich ihre Verhaftung ausgelöst hatte. Sterneberg hatte sich 1972 in einen in West-Berlin lebenden Italiener verliebt. Als sie diesen schließlich heiraten wollte und dazu einen Ausreiseantrag gestellt hatte, geriet sie in das Visier der Stasi, wurde am 7. November 1973 zusammen mit ihrem aus Neapel stammenden Antonio verhaftet und ein Jahr darauf zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Allein zwei Jahre saß Sterneberg im  berüchtigten Frauenzuchthaus Hoheneck.

Nach ihrem Freikauf heirateten die Beiden; der Ehe entsprang ein Sohn. Doch 2006 starb Antonio an den mittelbaren Folgen der über zweijährigen Haft im DDR-Gefängnis Rummelsburg, heute ein beliebtes Eigentums-Wohn-Zentrum in Berlin. Sterneberg selbst wurde infolge der Haft berufsunfähig, sah sich aber immer in der Verpflichtung, Leidensgenossen bei der Bewältigung ihrer Trauma zur Seite zu stehen. So gründete sie in der Berliner Sektion des Sozialverbandes Deutschland ein Beratungsbüro. Nachdem sie 2008 von der Tätigkeit eines ehemaligen  Stasi-Offiziers im Sozialverband erfuhr, forderte sie vergeblich dessen Umsetzung und stellte ihre Arbeit im SoVD ein.

Ehem. Hoheneckerinnen mit dem Bundespräsidenten in Hoheneck (Vorn Mitte mit Schal: Tatjana Sterneberg)

Seither wirkt und organisiert sie in verschiedenen Funktionen der Verfolgtenverbände. So war sie stellvertretende Vorsitzende im „Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen“ und bereitete im Mai diesen Jahres u.a. den Besuch des Bundespräsidenten im ehemaligen  DDR-Frauenzuchthaus in Sachsen vor. Obwohl nicht Mitglied, half die gelernte Finanzbuchhalterin auch bei der Organisation der Buchführung im VOS-Landesverband Berlin-Brandenburg. Zuletzt wirkte Sterneberg beratend an der Vorbereitung des Spielfilmes „Es ist nicht vorbei“ mit Anja Kling, Tobias Oertel und  Ulrich Nöthen in den Hauptrollen mit, der am 9.11.2011 zur Prime-Time (20:15 Uhr) in der ARD ausgestrahlt wird. Vorträge vor Institutionen und Schülern in Berlin,  Brandenburg, Bayern und Sachsen  füllen ihren Tagesablauf aus. Gegenwärtig ist Tatjana Sterneberg Vorstandsmitglied der Vereinigung 17. Juni 1953 in Berlin.

Kalte Abfuhr vom VOS-Vorstand: Johannes Rink, Hugo Diederich, Ronald Lässig

Die Ablehnung ihres Aufnahmeantrages, den sie „als Angebot zur aktiven Mitarbeit“ verstanden wissen wollte, kann sie nicht einordnen: Die VOS hatte sich nach eigenen Angaben zwischen 2009 und 2011 von 10.000 Mitgliedern über 6.000 und 3.000 auf nunmehr knappe 2.000 Mitglieder reduziert. „Vielleicht hat sich der Trend ja umgekehrt und die Aufnahmeanträge haben so zugenommen, dass sich der Vorstand die Rosinen rauspicken kann,“ merkt die unerschrockene Kämpferin für die Rechte der SED-Justiz-Opfer sarkastisch an. Vielleicht habe sich aber auch nur Ronald Lässig durchgesetzt. Schließlich hatte der VOS-Vize vor einem Jahr in einer Mail an führende SPD-Genossen die Entfernung von Tatjana Sterneberg und eines VOS-Mitgliedes von einer SPD-Veranstaltung im  Rathaus Schöneberg („aus dieser braunen Ecke“)  freudig begrüßt und ausdrücklich als richtig bezeichnet („zurecht des Saales verwiesen“). Pikant: Diese Mail wurde nicht nur von Lässig als VOS-Vize unterzeichnet sondern auch aus der Bundesgeschäftstelle versandt.

Für den Verein geworben hatte Sterneberg die Vorsitzende der Bezirksgruppe Halle der VOS und diesjährige „Botschafterin für Demokratie und Toleranz“, Waltraud Thiele, auch eine ehemalige Hoheneckerin. Aber das machte auf den Vorstand wohl keinen Eindruck, zumal auch Waltraud Thiele in den vergangenen Monaten deutliche Kritik am VOS-Vize Lässig vorgetragen hatte.

V.i.S.d.P.:  © 2011 Ralf Gründer (Gastbeitrag) – http://www.berliner-mauer.de/Aktuell/vos-lehnt-aufnahme-ehemaliger-hoheneckerin-ab.html – Rückfragen: Tatjana Sterneberg, Tel.: 030-30207778 oder t.Sterneberg@gmx.de

 

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