Berlin, 24.08.1961-2011/cw – Heute vor fünfzig Jahren wurde nahe dem alten Lehrter Bahnhof, im Becken des Humboldthafens, der 24jährige Günter Litfin bei dem Versuch, in die Freiheit zu schwimmen, brutal von Grenzposten der DDR abgeknallt, ermordet.

Mit seinem Tod wurden letzte Zweifel am Willen Ulbrichts und Honeckers beseitigt, die Wirksamkeit der Abschottung vom 13. August 1961 mit allen Mitteln, auch denen des kaltblütigen Mordes, durchzusetzen.

Über 136 Menschen  wurden allein in Berlin litfint

Allein an der Berliner Mauer wurden in den 28 Jahren ihres traurigen Bestehens über 136 Menschen litfint, ein  Begriff, der zum Synonym für den Mord an der Mauer, an der Todesgrenze zwischen  dem beiden Teilen Deutschlands wurde.

Die Berliner CDU, deren Mitglied Litfin war, berichtete über den Hungerstreik von 1962 am Gedenkstein für Günter Litfin

Gegen 16:00 Uhr des 24. August 1961 stieg der junge Schneider, der bis zum 13. August bereits im Westteil der Stadt gearbeitet hatte, in das kalte Wasser des Hafenbeckens, um in den Westen  zu schwimmen. Wir dürfen davon ausgehen, dass auch er nicht damit rechnen konnte,  im  Feuerstoß tötungsbereiter DDR-Grenzer zu sterben. Elf Tage nach der nächtlichen  Abriegelung von Ost-Berlin waren die Chancen für eine erfolgreiche Flucht zwar minimiert worden, aber allenfalls riskierte man eine Festnahme. Kein Mensch wagte zu dieser Zeit daran zu denken, dass es zum Äußersten kommen könnte, kommen würde: dem Mord an einem wehrlosen Menschen.

Litfin hatte noch am 12. August seinen Umzug nach West-Berlin vorbereitet, bereits eine Wohnung in  Berlin-Charlottenburg gefunden. Ab den frühen Morgenstunden des 13. August 1961 war ihm wie tausenden Gleichgesinnten dieser Weg versperrt. Sein Versuch, seine Zukunft gegen den Willen der roten Machthaber selbst in die Hand zu nehmen, endete tödlich. Günter Litfin starb als erster Mensch gewaltsam an der entstehenden Berliner Mauer. Der Mörtel war vielfach noch nicht trocken. Zwischen  ihm und der ersehnten Freiheit war „nur“ Wasser. Litfin wäre am 19. Januar 2011 74 Jahre alt geworden, hätte wohlmöglich nach einem arbeitsreichen Leben seine Enkelkinder verwöhnen können. Der erste Arbeiter- und Bauernstaat löschte nicht nur sein Leben aus, er litfinte sein Schicksal, gab dem Mord unauslöschlich seinen Namen.

Siehe auch:

http://berliner-mauer.de/Zeitzeugen-Beitrage/mauerdemonstrant-carl-wolfgang-holzapfel-spricht-ueber-seinen-ersten-hungerstreick.html

 

Zum 50. Todestag erinnerte Carl-Wolfgang Holzapfel an den 3tägigen Hungerstreik vor 49 Jahren; für 3 Stunden setzte er sich wieder an den Gedenkstein für Günter Litfin - Foto: Ralf Gründer

Sein Bruder Jürgen erwarb nach dem Fall der Mauer einen Wachturm der DDR-Grenzer und baute diesen zu einer vielbeachteten Gedenkstätte an seinen Bruder, an den ersten gewaltsam ums Leben gebrachten  Menschen der Mauer, um. Die Gedenkstätte befindet sich am Spandauer Schifffahrtskanal an der Kieler Straße.

Heute besteht die Möglichkeit, des Todes von Günter Litfin am (versetzten) Gedenkstein in  der Invalidenstraße, nahe des ehemaligen Grenzüberganges, zu gedenken. Die Vereinigung 17. Juni bietet ab dem Nachmittag die Möglichkeit, am Gedenkstein eine Rose niederzulegen. Der Vorsitzende Carl-Wolfgang Holzapfel hatte am Gedenkstein vor 49 Jahren seinen  ersten von mehreren Hungerstreiks gegen die Berliner Mauer durchgeführt.

Zum Thema Gewaltloser Widerstand und T.N.Zutshi:

http://berliner-mauer.de/Zeitzeugen-Beitrage/mauerdemonstrant-carl-wolfgang-holzapfel-liest-tn-zutshi.html

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953