Aus dem Privatarchiv:

Berlin, 12.08.2011/cw – In diesen Tagen verbreitete ein VOS-Funktionär wieder einmal zur Untermauerung seiner hehren Bestrebungen als Gutmensch mit antifaschistischer Gesinnung lässig seine diffamierenden Behauptungen, der einstige Kämpfer gegen die Mauer und Streiter für die Freilassung politischer DDR-Häftlinge, Carl-Wolfgang Holzapfel, sei ein auszuschließender Rechtsradikaler, das beweise u.a. sein Eintreten für die Freilassung von Rudolf Hess in den siebziger Jahren. Dass diese Wiederholungen aus der Zersetzungs-Kiste vor den Schranken  des Berliner Landgerichtes erfolgten, verleiht diesen noch keine Glaubwürdigkeit.

Der so Diffamierte und Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni 1953 fand jetzt in seinem Privat-Archiv als Zeitdokument folgend angeführten Leserbrief an den Berliner TAGESSPIEGEL vom 9. Juni 1967. Das Blatt hatte zuvor über eine Israel-Demonstration berichtet und dabei ein  Foto abgedruckt, das Holzapfel mit einem Protest-Plakat zeigte: „ISRAEL – Unsere Herzen sind Flammen der Solidarität“. Im Nahen Osten tobte bekanntlich der Sechstage-Krieg.

„Sehr geehrte Redaktion,

in Ihrer Ausgabe vom 7. Juni brachten  Sie auf der letzten Seite ein Foto von einer Demonstration für Israel. In dem Begleittext schreiben Sie u.a., dass Studenten diese Demonstration durchführten, die noch einen Tag zuvor kein anderes Thema als das des ums Leben gekommenen Benno Ohnesorg kannten.

Zeitdokument: Leserbrief von 1967 (Ausschnitt) - Privatarchiv Holzapfel

Da ich Initiator dieser Demonstration und Plakatträger war, sei es mir erlaubt, den Sachverhalt richtig zu stellen.

Ich marschierte vom Rathaus Neukölln in Richtung Innenstadt und wurde teilweise recht massiv angepöbelt. „Judensau, dich hat man wohl vergessen zu vergasen!“ und „Du dreckiges Schwein willst wohl den … voll haben!“ waren noch die mildesten Ausdrucksformen….

Auf dem Kurfürstendamm angelangt, wurde ich von zwei Polizeibeamten aufgefordert, die Demonstration einzustellen, wobei ein Beamter dafür, der andere dagegen war. Es erfolgte eine vorübergehende Festnahme, um  eine Entscheidung des Einsatzleiters abzuwarten.

Erst während meiner Festnahme zeigten einige Studenten Interesse für das mitgeführte Plakat.

Schnell sammelte sich eine etwa dreißigköpfige Gruppe, die mich mit Bravo-Rufen und Händeklatschen begrüßte, nachdem mich der zuständige Pol-Offizier mit der Auflage, mich nur in Richtung Fasanenstraße (Jüdisches Gemeindehaus) zu bewegen, wieder „freigelassen“ hatte.

Jetzt traten im Laufe des Abends mehrfach Studenten auf mich zu und gaben mir recht deutlich zu verstehen, daß sie in meiner Demonstration einen Boykott ihrer viel wichtigeren Diskussion über die (empörenden) Vorfälle während des Schah-Besuches sähen. Sie forderten mich auf, aus diesen Gründen den Ku-Damm zu verlassen. Mein  Argument, daß der todesmutige Kampf eines von uns mit barbarische  Methoden dezimierten Volkes gegen eine arabisch-faschistische Übermacht wohl wichtiger sei, als der Tod eines Demonstranten, wurde absolut verneint. Eine Aufforderung, die studentischen  Gerechtigkeitsfanatiker sollten zumindest für diesen Abend nur das Thema Israel kennen, wurde mit höhnischen Argumenten zurückgewiesen.

Sie schreien von Mord bei dem (allerdings zutiefst zu bedauernden) Tod eines Kommilitonen und ignorieren den hundertfachen Mord auf dem Kriegsschauplatz in Nahost, von den Morden an der Berliner Mauer ganz zu schweigen…

Sie, eine kleine wenn auch scheinbar beherrschende Gruppe an der FU, schleudern ihr Zornesgebrüll gegen den Krieg in Vietnam, wobei sie sich nicht scheuen, jene als Kriegsverbrecher anzuprangern, denen sie hier ihr freies Studium und Leben verdanken und ignorieren die alles überbietende Hetze und Kriegsfurie eines Diktators Nasser und Moskauer Genossen…

Wer, wer soll das verstehen?

Ist Freiheit, ist Unfreiheit teilbar?

Ich sage entschieden NEIN! Denn auch darum demonstrierte ich an diesem Abend für das bedrängte Israel. Es waren nicht Studenten mit Vorabendthema wie Schah-Besuch und Benno Ohnesorg, die sich mir anschlossen. Es waren jüdische Mitbürger und einige wenige nicht-jüdische Mitbürger, die sich an diesem Abend gerufen fühlten…

Wahrheit soll Wahrheit bleiben und mit derlei Studenten fühle ich mich nicht solidarisch.

Carl-Wolfgang Holzapfel“

Der Verfasser war 23 Jahre alt und hatte im Alter von 17 Jahren seinen Widerstand gegen die Mauer begonnen.

V.i.S.d.P.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953