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Berlin, 24.08.1961-2011/cw – Heute vor fünfzig Jahren wurde nahe dem alten Lehrter Bahnhof, im Becken des Humboldthafens, der 24jährige Günter Litfin bei dem Versuch, in die Freiheit zu schwimmen, brutal von Grenzposten der DDR abgeknallt, ermordet.

Mit seinem Tod wurden letzte Zweifel am Willen Ulbrichts und Honeckers beseitigt, die Wirksamkeit der Abschottung vom 13. August 1961 mit allen Mitteln, auch denen des kaltblütigen Mordes, durchzusetzen.

Über 136 Menschen  wurden allein in Berlin litfint

Allein an der Berliner Mauer wurden in den 28 Jahren ihres traurigen Bestehens über 136 Menschen litfint, ein  Begriff, der zum Synonym für den Mord an der Mauer, an der Todesgrenze zwischen  dem beiden Teilen Deutschlands wurde.

Die Berliner CDU, deren Mitglied Litfin war, berichtete über den Hungerstreik von 1962 am Gedenkstein für Günter Litfin

Gegen 16:00 Uhr des 24. August 1961 stieg der junge Schneider, der bis zum 13. August bereits im Westteil der Stadt gearbeitet hatte, in das kalte Wasser des Hafenbeckens, um in den Westen  zu schwimmen. Wir dürfen davon ausgehen, dass auch er nicht damit rechnen konnte,  im  Feuerstoß tötungsbereiter DDR-Grenzer zu sterben. Elf Tage nach der nächtlichen  Abriegelung von Ost-Berlin waren die Chancen für eine erfolgreiche Flucht zwar minimiert worden, aber allenfalls riskierte man eine Festnahme. Kein Mensch wagte zu dieser Zeit daran zu denken, dass es zum Äußersten kommen könnte, kommen würde: dem Mord an einem wehrlosen Menschen.

Litfin hatte noch am 12. August seinen Umzug nach West-Berlin vorbereitet, bereits eine Wohnung in  Berlin-Charlottenburg gefunden. Ab den frühen Morgenstunden des 13. August 1961 war ihm wie tausenden Gleichgesinnten dieser Weg versperrt. Sein Versuch, seine Zukunft gegen den Willen der roten Machthaber selbst in die Hand zu nehmen, endete tödlich. Günter Litfin starb als erster Mensch gewaltsam an der entstehenden Berliner Mauer. Der Mörtel war vielfach noch nicht trocken. Zwischen  ihm und der ersehnten Freiheit war „nur“ Wasser. Litfin wäre am 19. Januar 2011 74 Jahre alt geworden, hätte wohlmöglich nach einem arbeitsreichen Leben seine Enkelkinder verwöhnen können. Der erste Arbeiter- und Bauernstaat löschte nicht nur sein Leben aus, er litfinte sein Schicksal, gab dem Mord unauslöschlich seinen Namen.

Siehe auch:

http://berliner-mauer.de/Zeitzeugen-Beitrage/mauerdemonstrant-carl-wolfgang-holzapfel-spricht-ueber-seinen-ersten-hungerstreick.html

 

Zum 50. Todestag erinnerte Carl-Wolfgang Holzapfel an den 3tägigen Hungerstreik vor 49 Jahren; für 3 Stunden setzte er sich wieder an den Gedenkstein für Günter Litfin - Foto: Ralf Gründer

Sein Bruder Jürgen erwarb nach dem Fall der Mauer einen Wachturm der DDR-Grenzer und baute diesen zu einer vielbeachteten Gedenkstätte an seinen Bruder, an den ersten gewaltsam ums Leben gebrachten  Menschen der Mauer, um. Die Gedenkstätte befindet sich am Spandauer Schifffahrtskanal an der Kieler Straße.

Heute besteht die Möglichkeit, des Todes von Günter Litfin am (versetzten) Gedenkstein in  der Invalidenstraße, nahe des ehemaligen Grenzüberganges, zu gedenken. Die Vereinigung 17. Juni bietet ab dem Nachmittag die Möglichkeit, am Gedenkstein eine Rose niederzulegen. Der Vorsitzende Carl-Wolfgang Holzapfel hatte am Gedenkstein vor 49 Jahren seinen  ersten von mehreren Hungerstreiks gegen die Berliner Mauer durchgeführt.

Zum Thema Gewaltloser Widerstand und T.N.Zutshi:

http://berliner-mauer.de/Zeitzeugen-Beitrage/mauerdemonstrant-carl-wolfgang-holzapfel-liest-tn-zutshi.html

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

IM "Straaten" im Sommer 2011

Berlin, 17.08.2011/cw/ts – Zwei Tage nach dem Gedenktag an den Volksaufstand von 1953 vollendete Erich S. (Name geändert) sein 88. Lebensjahr. Am 6. Juli sahen wir ihn  zum letzten Mal. Als wir ihn am 10. August anrufen wollten, war er nicht mehr unter uns. Heute erfuhren wir von  seinem Freitod.

Wer war dieser Mann, der erst vor zwei Monaten von einer kleinen, fasst piefigen Wohnung in eine Altersresidenz gezogen  war, ruhig, am Wasser, herrliche Aussicht? Er hatte etwas von einem Offizier an sich: Groß, gerader Gang, stolze Haltung, ganz Gentlemen. Doch innerhalb weniger Wochen verlor er diese Haltung, schien er in sich zusammenzusinken, benötigte plötzlich zwei Gehhilfen und  einen Rentner-Rolli. Was war geschehen?

 Begegnung in  Bautzen

 Als wir Erich S. an einem heißen Sommertag vor einem Jahr begegneten, war auch er zum ersten Mal seit seiner Entlassung 1962 wieder in Bautzen II, dem berüchtigten Zuchthaus für politisch Verfolgte der DDR-Justiz. Wir kamen ins Gespräch. Tatjana Sternebergs Geschichte aus dem Frauenzuchthaus Hoheneck war Teil der an diesem Tag eröffneten Ausstellung, Carl-Wolfgang Holzapfel war seit seiner Entlassung 1966 ebenfalls nicht mehr in Bautzen II, der heutigen Gedenkstätte, gewesen.

Tatjana machte das Gespräch, noch mehr das Namensschild am Revers von Erich S. stutzig.  Am Abend dann sprach sie über ihre Ahnung. Sie hatte viele Jahre ein Beratungsbüro im Sozialverband Deutschlands, Landesverband Berlin, geleitet. Dort hatte sie auch vor Jahren Frau Anna K. (Name geändert) beraten, die in  die Mühlen der SED-Justiz geraten war. Zu ihrer seinerzeitigen  Verhaftung hatte nach Annas Überzeugung ein Mann  beigetragen, der viele Jahre in Bautzen eingesessen hatte und nun Berichte für die Stasi schrieb. Sein Name: Erich S.

Über Kontaktanzeige zum Verrat

Anna K. war 1979 zu mehreren Jahren Freiheitsentzug verurteilt worden; ihre gut gehende Kunst-Druck-Werkstatt wurde wegen Wirtschaftsvergehen beschlagnahmt. Als sie schließlich entlassen wurde, war sie arm. Seither, besonders seit der Wiedervereinigung, kämpft Anna K. um ihre Rehabilitierung, bisher vergeblich. Denn „Wirtschaftskriminalität“ war auch in der alten, ist auch in der neuen Bundesrepublik strafbar. So hoffte Anna K. auf ein Zeugnis des Zeugen Erich S. Der hätte bestätigen können, dass Anna K. Opfer einer politischen Verfolgung geworden war, unter aktiver Mithilfe von Erich S. Nur: Wo dieser Zeuge jetzt wohnte, das wusste sie nicht. In ihren Stasi-Akten aber hatte sie seinen IM-Namen gelesen: „Straaten“.

Zurück nach Bautzen im  Jahre 2010: Wir hatten mit Erich S. vereinbart, uns in Berlin wieder zu treffen, unsere Erfahrungen  über die uns gemeinsamen Haftjahre auszutauschen. Zunächst aber sprachen wir noch einmal mit Anna K., studierten noch einmal die Akten und stellten schließlich einen Forschungsantrag zu „IM Straaten“.

Nach vielen Wochen saßen wir wieder einmal im Leseraum der BStU, lasen in den Akten des „IM Straaten“, waren erschüttert über den Verrat von Freunden, Bekannten, Kollegen. Auch über Anna K. hatte er berichtet. Diese hatte besonders ehemaligen politisch Verfolgten geholfen, mit Geldzuwendungen, mit Aushilfsarbeiten. Erich S. allerdings hatte sie über eine Kontaktanzeige kennengelernt. Aber das ist eine andere Geschichte…

Skepsis: Sterneberg im Gespräch mit Erich S.

 12 Jahre Zuchthaus für zwei Monate „Agententätigkeit“

Bestürzt lernten wir das Leben des Erich S. kennen, noch bevor er uns das selbst erzählen konnte oder erzählen wollte. Erich S. war mit 18 Jahren zur Wehrmacht eingezogen worden, erlebte als Fallschirmspringer den Krieg und den vielfachen Tod von Kameraden. Erich hatte Glück, eine Kriegsgefangenschaft blieb ihm  erspart. Als er 1953 von einem Kontaktmann der „Gruppe Gehlen“ angesprochen wurde, fühlte sich der durch den Kriegsausgang verhinderte Offizier an seiner Ehre gepackt und verpflichtete sich, für den Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes zu arbeiten, Informationen zu sammeln. Zu dieser Zeit wurde der Anwerber und seine rekrutierte Gruppe bereits beobachtet. Das MfS schlug nur zwei Monate nach der Verpflichtung von Erich S. zu, der so erst gar nicht dazu kam, irgendwelche Informationen zu sammeln oder gar weiterzugeben. Ein Schauprozess, nach dem Kopf der Gruppe „Haase“ benannt, mit äußerst harten Urteilen folgte. Der erst 30jährige Erich S. wurde zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt und nach Bautzen verbracht, wo er über neun Jahre verbüßte. Sein fiktiver Chef Werner Haase,  zu lebenslänglich Zuchthaus verurteilt, wurde bereits am 10. Dezember 1956 in die Freiheit entlassen (vermutlich einer der ersten Agenten-Austausch-Aktionen in der deutschen  Nachkriegsgeschichte), Erich S. hingegen wurde erst am 10. August 1962 aus Bautzen entlassen. Die in  der DDR übliche Faschismus-Keule kann  in  seinem Fall für die Verurteilung nicht entscheidend gewesen sein, denn  selbst Javier Rojas schreibt in seinem in DDR-Sicht-gefärbtem Buch „Provokationen in der DDR am 17. Juni 1953 – Chronologie einer Einmischung“ , auch Erich S., „seit August 1953 im Dienste Gehlens, marschierte zumindest bis 1936 in den Reihen des faschistischen Deutschen  Jungvolks und später der Hitlerjugend mit.“ Man hatte Erich S. also nicht ernstlich eine braune Vita anhängen können.

Zwei Jahre nach seiner Entlassung aus neunjähriger Bautzen-Haft unterschrieb Erich als „IM Straaten“ eine Verpflichtungserklärung für das MfS. Und Anfang der siebziger Jahre lancierte das MfS seinen Namen auf die einschlägigen Listen von Herbert Wehner (SPD), um  S. als „Romeo“ eine Perspektiv-Karriere im Westen zu ermöglichen.

 Auf die Liste Herbert Wehners lanciert

Tatsächlich wurde Erich S. 1972 aus der Staatsbürgerschaft der DDR entlassen und siedelte nach West-Berlin um. Das MfS war behilflich bei der Beschaffung einer geeigneten Wohnung und förderte seine Indienststellung als Lehrer  und damit die Etablierung im  Öffentlichen Dienst. Aus all dem ergaben sich aber wenig lukrative Ergebnisse für die Stasi und so wurde IM „Straaten“ schließlich 1977 unter dem Vermerk „wenig zuverlässig“ abgeschaltet, wie das im  MfS-Jargon hieß.

Wir brauchten nahezu ein  ganzes Jahr, um Erich an seine Vergangenheit heranzuführen. Uns trieb  nicht die mögliche Rache an einem „Verräter“ sondern das ernsthafte Interesse an der Frage, wie ein Mensch, der so Bitteres unter diesem Diktatur-Regime durchlitten hatte, wie ein  Opfer der Diktatur sich eben dieser Diktatur verpflichten, ehemalige Haftkameraden und Freunde verraten konnte. Und wir hatten die Vorstellung, dass Erich vielleicht an unserer Aufklärungsarbeit über die Mechanismen der roten Diktatur mitwirken könne. Vielleicht gäbe er durch sein  Eingeständnis auch ein Beispiel für Andere.

Das Leben als Spiel? Ein trauriger Clown...

Erich versucht, uns ein- und sich freizukaufen

Um es vorweg zu sagen: Erich war ein harter Brocken. Obwohl wir ihn mit immer deutlicheren Informationen einkreisten, erging er sich lediglich in Andeutungen, er müsse uns noch etwas „Schlimmes“ sagen, aber „später“. Als Holzapfel im Treppenflur nach einem der Besuche den Namen „Straaten“ wie zufällig erwähnte, fuhr Erich „ein  tiefer Schrecken durch die Glieder,“ wie er uns später sagte. Aber er schwieg weiterhin hartnäckig, beschränkte sich auf Berichte über seine Haft, deren Gründe und gar den Versuch der Stasi, ihn  in der Haft anzuwerben, was er „selbstverständlich abgelehnt“ habe. Auch nach Anna K. fragte er, nachdem Tatjana ihm beiläufig erzählt hatte, diese sei auch eine Hohenecker Haftkameradin  gewesen. Anna  sei „ihm eine große Hilfe gewesen,“ räumte Erich ein und er habe „ihr großes Unrecht getan“, darüber wolle er später einmal mehr erzählen. Weihnachten gar fragte er uns nach deren Adresse, er wolle ihr ein  Geldgeschenk als „Wiedergutmachung“ machen, Anna habe dies verdient. Nach Weihnachten fand er diese Idee aber dann  doch nicht so gut, weil er das Geld „lieber uns für unsere wertvolle Arbeit“ geben wolle.

Zunehmend hatten wir das Gefühl, Werner S. suchte nach Wegen, um uns „einkaufen“ zu können. Er wich uns aus, wollte sich offenbar von einer von ihm empfundenen Gefahr freikaufen. Selbstverständlich lehnten wir diese Ansinnen entschieden ab: „Nein, das haben wir nicht nötig, wir kommen zurecht, unser Verein steht nicht so schlecht da“ und was man sonst so zur Abwehr unanständiger Angebote vorbringt.

 Als Erich uns im Frühjahr mitteilt, er müsse seine Wohnung wegen  beabsichtigter Modenisierungen durch die Hausverwaltung für einige Monate verlassen und er wolle in  eine nahe gelegene Alters-Residenz umziehen, beschließen wir, die direkten Fragen zu verschieben. Wir wollten den alten Herrn nicht zusätzlich belasten, ihn erst den Umzug in „ein neues Leben“, wie sich Erich ausdrückte, bewältigen  lassen. Immerhin hatte er über dreißig Jahre in seinem bisherigen Domizil gewohnt.

 Wenige Tage nach seinem 88. Geburtstag lud uns Erich zu einem Sommerfest in seiner jetzigen Residenz ein. Bei herrlichen  Schmankerln, die uns trotzdem nicht so recht schmecken wollten, sprachen wir ihn direkt auf „Straaten“, auf seine Verpflichtung an und präsentierten ihm  Auszüge aus seinen Stasi-IM-Akten. Erich wurde blass. Nachdem er sich gefasst hatte, räumte er unumwunden ein: „Ja, ich bin ein  Schwein, ich hätte das nicht tun dürfen.“ Und: „Was kann ich tun, es ist geschehen.“

Wir erklärten in  dem folgenden sehr langen Gespräch, dass wir ihn nicht vernichten wollten. Aber wir hätten die Hoffnung, dass er zu seinem Eingeständnis stände und uns damit helfen würde, durch ein Auftreten vor der Kamera über seine Verstrickungen, über die Mechanismen der MfS-Struktur anhand seines Beispieles zu sprechen.

 Amt verlangt über 40.000 Euro Haftentschädigung zurück

Erich S. hatte zugesagt. Auch wenn er bei zwei folgenden Begegnungen, die Rückforderung seiner Haftentschädigung in  Höhe von über 40.000 Euro unter Hinweis auf seine IM-Tätigkeit war inzwischen bei ihm eingegangen, immer wieder zweifelte: „ Wenn ich nicht nach Bautzen gefahren  wäre, hätte keiner von meiner Stasi-Tätigkeit erfahren“. Aber er berichtigte sich dann schnell selbst, versicherte, er stände zu seiner Zusage an uns, zu seiner Vergangenheit zu stehen…

Es war dann wohl doch eine unüberwindliche Hürde. Das Eingeständnis ist das Eine, die unvermeidlichen  Folgen, die Rückforderungen der  erhaltenen Kapitalentschädigungen, das Andere, obwohl wir über die Möglichkeiten von  Ratenzahlungen bereits gesprochen hatten. Warum die zuständigen Instanzen die Verpflichtung des IM „Straaten“ übersehen hatten, Erich hatte seine Rehabilitierung erst 2005, die sogen. Opferrente 2007 beantragt, bleibt vorerst ein ungeklärtes Rätsel amtlicher Tätigkeit. Wir hatten Erich allerdings zugesagt, uns dafür einzusetzen, dass ihm seine Rente wegen seiner durch die Haft erlittenen Gesundheitsschäden erhalten bleibt. Versprechen konnten wir ihm das aufgrund der aktuellen Gesetzeslage allerdings nicht. Die Angst um  seine schrumpfenden finanziellen Möglichkeiten, die dadurch drohende Gefahr des notwendig werdenden Auszugs aus seiner nun letzten Station wurde wohl übermächtig.

Am 27. Juli 2011 verließ Erich S. seine Welt, die er sich so viele Jahrzehnte schön gemalt hatte und die doch für ihn streckenweise furchtbar gewesen sein muss. Aber auch für Anna K. Und vielleicht auch für eine Anzahl uns unbekannter Menschen, die in seinen Akten akribisch aufgeführt sind, über deren Schicksal oder die Auswirkungen der Berichte  auf dieses wir nichts wissen. Wir können es nur erahnen.

Abschied von einem Opfer? Von einem Täter?

© 2011 Carl-Wolfgang Holzapfel und Tatjana Sternberg

Aus dem Privatarchiv:

Berlin, 12.08.2011/cw – In diesen Tagen verbreitete ein VOS-Funktionär wieder einmal zur Untermauerung seiner hehren Bestrebungen als Gutmensch mit antifaschistischer Gesinnung lässig seine diffamierenden Behauptungen, der einstige Kämpfer gegen die Mauer und Streiter für die Freilassung politischer DDR-Häftlinge, Carl-Wolfgang Holzapfel, sei ein auszuschließender Rechtsradikaler, das beweise u.a. sein Eintreten für die Freilassung von Rudolf Hess in den siebziger Jahren. Dass diese Wiederholungen aus der Zersetzungs-Kiste vor den Schranken  des Berliner Landgerichtes erfolgten, verleiht diesen noch keine Glaubwürdigkeit.

Der so Diffamierte und Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni 1953 fand jetzt in seinem Privat-Archiv als Zeitdokument folgend angeführten Leserbrief an den Berliner TAGESSPIEGEL vom 9. Juni 1967. Das Blatt hatte zuvor über eine Israel-Demonstration berichtet und dabei ein  Foto abgedruckt, das Holzapfel mit einem Protest-Plakat zeigte: „ISRAEL – Unsere Herzen sind Flammen der Solidarität“. Im Nahen Osten tobte bekanntlich der Sechstage-Krieg.

„Sehr geehrte Redaktion,

in Ihrer Ausgabe vom 7. Juni brachten  Sie auf der letzten Seite ein Foto von einer Demonstration für Israel. In dem Begleittext schreiben Sie u.a., dass Studenten diese Demonstration durchführten, die noch einen Tag zuvor kein anderes Thema als das des ums Leben gekommenen Benno Ohnesorg kannten.

Zeitdokument: Leserbrief von 1967 (Ausschnitt) - Privatarchiv Holzapfel

Da ich Initiator dieser Demonstration und Plakatträger war, sei es mir erlaubt, den Sachverhalt richtig zu stellen.

Ich marschierte vom Rathaus Neukölln in Richtung Innenstadt und wurde teilweise recht massiv angepöbelt. „Judensau, dich hat man wohl vergessen zu vergasen!“ und „Du dreckiges Schwein willst wohl den … voll haben!“ waren noch die mildesten Ausdrucksformen….

Auf dem Kurfürstendamm angelangt, wurde ich von zwei Polizeibeamten aufgefordert, die Demonstration einzustellen, wobei ein Beamter dafür, der andere dagegen war. Es erfolgte eine vorübergehende Festnahme, um  eine Entscheidung des Einsatzleiters abzuwarten.

Erst während meiner Festnahme zeigten einige Studenten Interesse für das mitgeführte Plakat.

Schnell sammelte sich eine etwa dreißigköpfige Gruppe, die mich mit Bravo-Rufen und Händeklatschen begrüßte, nachdem mich der zuständige Pol-Offizier mit der Auflage, mich nur in Richtung Fasanenstraße (Jüdisches Gemeindehaus) zu bewegen, wieder „freigelassen“ hatte.

Jetzt traten im Laufe des Abends mehrfach Studenten auf mich zu und gaben mir recht deutlich zu verstehen, daß sie in meiner Demonstration einen Boykott ihrer viel wichtigeren Diskussion über die (empörenden) Vorfälle während des Schah-Besuches sähen. Sie forderten mich auf, aus diesen Gründen den Ku-Damm zu verlassen. Mein  Argument, daß der todesmutige Kampf eines von uns mit barbarische  Methoden dezimierten Volkes gegen eine arabisch-faschistische Übermacht wohl wichtiger sei, als der Tod eines Demonstranten, wurde absolut verneint. Eine Aufforderung, die studentischen  Gerechtigkeitsfanatiker sollten zumindest für diesen Abend nur das Thema Israel kennen, wurde mit höhnischen Argumenten zurückgewiesen.

Sie schreien von Mord bei dem (allerdings zutiefst zu bedauernden) Tod eines Kommilitonen und ignorieren den hundertfachen Mord auf dem Kriegsschauplatz in Nahost, von den Morden an der Berliner Mauer ganz zu schweigen…

Sie, eine kleine wenn auch scheinbar beherrschende Gruppe an der FU, schleudern ihr Zornesgebrüll gegen den Krieg in Vietnam, wobei sie sich nicht scheuen, jene als Kriegsverbrecher anzuprangern, denen sie hier ihr freies Studium und Leben verdanken und ignorieren die alles überbietende Hetze und Kriegsfurie eines Diktators Nasser und Moskauer Genossen…

Wer, wer soll das verstehen?

Ist Freiheit, ist Unfreiheit teilbar?

Ich sage entschieden NEIN! Denn auch darum demonstrierte ich an diesem Abend für das bedrängte Israel. Es waren nicht Studenten mit Vorabendthema wie Schah-Besuch und Benno Ohnesorg, die sich mir anschlossen. Es waren jüdische Mitbürger und einige wenige nicht-jüdische Mitbürger, die sich an diesem Abend gerufen fühlten…

Wahrheit soll Wahrheit bleiben und mit derlei Studenten fühle ich mich nicht solidarisch.

Carl-Wolfgang Holzapfel“

Der Verfasser war 23 Jahre alt und hatte im Alter von 17 Jahren seinen Widerstand gegen die Mauer begonnen.

V.i.S.d.P.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

Berlin, 11.August 2011/cw – Die Vereinigung 17. Juni 1953 schließt sich in Berlin der Schweigeminute zum Gedenken an den 50. Jahrestag des Mauerbaus am 13. August 2011 um 12:00 Uhr an. Der Vorstand forderte heute in einer Erklärung „alle Bundesbürger auf, sich diesem Gedenken an die Toten der Mauer, die Opfer der Teilung Deutschlands und die großartige Überwindung dieses Monumentes des Kalten Krieges am kommenden Samstag anzuschließen.“

Kranzniederlegung zum 13. August 1961 – 2011

Die Vereinigung mit Sitz in Berlin wird im Anschluss an die Schweigeminute zusammen mit einem Vertreter des Bautzen-Komitee e.V. am

Holzkreuz (vor den Mauerkreuzen am Reichstag) in Erinnerung an die Toten der Mauer einen Kranz  niederlegen.

Besonders das Holzkreuz erinnert an Heinz Sokolowski, *17.12.1917, der nach seiner Haftverbüßung im DDR-Zuchthaus Bautzen am 25.11.1965 beim Fluchtversuch zwischen Brandenburger Tor und Clara-Zetkin-Straße erschossen wurde. Das Kreuz wurde von der Arbeitsgemeinschaft 13. August gestiftet und aufgestellt.

Weitere Kreuze am Zaun erinnern an weitere Menschen, die bei dem verzweifelten Versuch, in die Freiheit zu gelangen, an  der Mauer ermordet wurden.

VEREINIGUNG (AK) 17. JUNI 1953 e.V.

–  Der Vorstand  –

V.i.S.d.P.: C.W. Holzapfel, Tel.: 030-30207778 – Mobil: 0176-48061953

Berlin,10.08.2011/cw – In einer Vorabmitteilung durch das Landgericht Berlin wurde heute der gestern verkündete Urteils-Tenor bekannt. Danach wurde der Beklagte verurteilt, bei Vermeidung einer Strafe bis zu 250.000 Euro direkt oder indirekt zu verbreiten, Ronald Lässig sei „Mitveranstalter“ der fraglichen SPD-Veranstaltung am 27.07.2011 im  Rathaus Schöneberg gewesen oder er hätte die Entfernung der beiden  SED-Opfer Tatjana Sterneberg oder Carl-Wolfgang Holzapfel veranlasst.

Holzapfel kündigte in einer ersten Stellungnahme Berufung an.

Kommentar folgt nach Vorliegen  der Entscheidung.

Siehe auch >>> http://mauerdemonstrant.wordpress.com/

V.i.S.d.P.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

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