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Berlin, 16.07.2011/cw – Wir stellen Ihnen nachfolgend diverse Beiträge des MDR-Region Mitte/West Thüringen zu der Auseinandersetzung um die Gedenkstätte Andreasstraße in Erfurt vor. Nach unserer Ansicht spiegeln die Beiträge in sachlicher Form die unterschiedlichen  Auffassungen über das richtige Konzept wider. Alle folgenden Beiträge können auch unter dem LINK

http://www.mdr.de/thueringen/mitte-west-thueringen/andreasstrasse100.html

abgerufen werden.

Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin

Erfurt :

Stiftung stellt Konzept für Andreasstraße vor

Der Stiftungsrat für die geplante Erfurter Stasi-Gedenkstätte hat am Donnerstagabend erstmals sein Rahmenkonzept der Öffentlichkeit vorgestellt.

Erfurter Andreasstraße soll Lern- und Gedenkort werden

Peter Hanske von der Stiftung „Gedenken-Erinnern-Lernen“ sagte MDR 1 RADIO THÜRINGEN, in dem Gedenkort in der Andreasstraße würden die Geschichten der ehemaligen Häftlinge eine zentrale Rolle spielen. So solle der Zellentrakt in der zweiten Etage erhalten bleiben. Dort würden Biografien der Häftlinge erzählt. Zeitzeugen würden die  Führungen leiten. Zudem sind Ausstellungen zur Geschichte des Hauses in der Andreasstraße und zur Diktaturgeschichte nach 1945 in der DDR vorgesehen.

Jahrelanger Streit um Ausrichtung der Gedenkstätte

Das Gefängnis in der Erfurter Andreasstraße diente von 1952 bis 1989 als Untersuchungshaftanstalt des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit. Um seinen Umbau zu einem Lern- und Gedenkort wurde lange gestritten. Verbände von Stasi-Opfern sahen sich nicht genügend eingebunden. Der Verein „Freiheit e.V.“ hatte sich Anfang der 2000er-Jahre erfolgreich gegen einen Abriss des leerstehenden Hauses eingesetzt und Ausstellungen und Führungen angeboten. 2009 gründete dann der Freistaat eine Stiftung für die Andreasstraße. Im vergangenen Jahr besetzten noch einmal mehrere frühere Häftlinge das Haus, um ein größeres Mitspracherecht einzufordern. Mitte Juni hatte der Stiftungsrat das nun vorgestellte Rahmenkonzept verabschiedet. In Arbeitsgruppen soll es bis zum Herbst konkretisiert werden. Die Stasi-Gedenkstätte soll in einem Jahr eröffnet werden. Das Land gibt dafür fünf Millionen Euro aus.

MDR 1 RADIO THÜRINGEN

Grobkonzept für Erfurter Stasi-Gedenkstätte vorgestellt

Seit Jahren wird um die Ausrichtung der Stasti-Gedenkstätte Erfurt gestritten. Nun stellte die Gedenkstättenstiftung das Grobkonzept vor. Antje Kirsten war dabei.

15.07.2011, 18:00 Uhr | 02:06 min

Zuletzt aktualisiert: 15. Juli 2011, 17:43 Uhr

Weiterführende Links

15. Juni 2011 Stiftung beschließt Konzept für Stasi-Gedenkstätte

30. Mai 2011 Jahn will sich nicht in Gedenkstätten-Streit einmischen

04. Februar 2011 Lieberknecht will Gedenkstätten-Streit nicht schlichten

03. Februar 2011 Neuer Streit um Konzept für Stasi-Gedenkstätte Erfurt

04. Dezember 2010 Weiter kein Konzept für Diktatur-Museum

Erfurt :

Stiftung beschließt Konzept für Stasi-Gedenkstätte

Im Streit um das Konzept für die geplante Gedenkstätte im ehemaligen Stasi-Gefängnis in Erfurt hat die Stiftung „Gedenken – Erinnern – Lernen“ am Mittwoch einen vorläufigen Schlussstrich gesetzt: Der Stiftungsrat beschloss ein Rahmenkonzept der vom Kultusministerium berufenen „Arbeitsgruppe Andreasstraße“, das auf Vorschlägen der Berliner Historikerin Stefanie Wahl beruht. Dieses sieht auf zwei Etagen des Gebäudes Ausstellungen zur Geschichte des Hauses in der Andreasstraße und zur Diktaturgeschichte nach 1945 in Ostdeutschland vor. Die „Haftetage“ im zweiten Obergeschoss soll als authentischer Ort der Erinnerung und des Gedenkens erhalten bleiben.

Kultusminister Christoph Matschie sagte, beim Feinkonzept für die Andreasstraße sei die Mitwirkung von Opfern und Zeitzeugen ein wichtiges Anliegen. Die Geschichte der Überwindung der SED-Diktatur in Thüringen solle über „ganz persönliche Geschichten“ vermittelt werden. Damit bezog sich Matschie auf Kritik von Opferverbänden, dass dem Schicksal der Häftlinge zu wenig Raum in der Gedenkstätte eingeräumt werde. Deren Mitwirkung beim Feinkonzept sei ihm ein wichtiges Anliegen, sagte der Minister.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Birgit Pelke erklärte, es komme nun darauf an, die Debatte mit allen Beteiligten bald zu Ende zu führen und persönliche Animositäten beseite zu lassen.

Das Gefängnis in der Erfurter Andreasstraße diente von 1952 bis 1989 als Untersuchungshaftanstalt des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Der Umbau zu einem Gedenk- und Lernort zur SED-Diktatur in der DDR und in Thüringen wurde im vergangenen Jahr begonnen. Das Land gibt dafür fünf Millionen Euro aus. Die Ausstellung soll im Sommer 2012 eröffnet werden.

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2011, 19:36 Uhr

Streit um Erfurter Stasi-Gedenkstätte :

Jahn will sich nicht einmischen

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, will sich nicht in den Streit um ein Konzept für die Stasi-Gedenkstätte in Erfurt einmischen. Das erklärte er am Montag bei einem Besuch in der Erfurter Außenstelle seiner Behörde. Zugleich warb er für einen Kompromiss. Es sei wichtig, dass die Gedenkstätte mit einem guten Konzept schnell funktioniere, sagte er. Jetzt müsse in Konzept gefunden werden, das auch den Opfern gerecht werde. Die ehemaligen Häftlinge des Stasi-Gefängnisses in der Andreasstraße und das Kultusministerium hätten mit der Aufarbeitung doch das gleiche Ziel.

Zwischen dem Thüringer Kultusministerium und Verbänden von Stasi-Opfern gibt es seit Monaten Streit über die inhaltliche Ausrichtung der Gedenkstätte im ehemaligen Stasi-Gefängnis in der Andreasstraße. Eine Historiker-Kommission hatte Anfang des Jahres vorgeschlagen, die Gedenkstätte zum zentralen Thüringer Lernort für DDR-Geschichte zu machen und in einer Dauerausstellung verschiedene Aspekte der DDR und des SED-Regimes zu vermitteln – eine Positionen, die auch das Kultusministerium vertritt. Opfer-Verbände kritisieren dieses Konzept jedoch als zu breit und fordern stattdessen eine stärkere Fokussierung auf die Themen Stasi und Stasi-Haft. Insbesondere müssten Erinnerungen von Zeitzeugen zentrale Rolle spielen.

Jahn sagte bei seinem Antrittsbesuch in der Außenstelle seiner Behörde, Erfurt sei für ihn ein besonderer Ort, da dort im Herbst 1989 die erste der Stasi-Zentralen gestürmt worden sei.

Zuletzt aktualisiert: 30. Mai 2011, 19:13 Uhr

Landesgedenkstättenkonzept :

„Epochenchance“ oder „Zentralisierung“?

Thüringen soll die Arbeit von Grenzmuseen, Haftanstalten und Initiativen zur DDR-Diktatur besser aufeinander abstimmen. Das sieht das Landesgedenkstättenkonzept vor, das am Dienstag von einer unabhängigen Expertenkommission vorgestellt wurde. Die Landesregierung billigte die Experten-Empfehlung. Kultusminister Christoph Matschie sagte, der Beschluss sei nicht der Endpunkt, sondern der Beginn weiterer Arbeit.

Die Erfurter Andreasstraße soll künftig eine herausragende Rolle in der Gedenkstätten-landschaft spielen.

Das Konzept sieht vor, dass das ehemalige Stasi-Gefängnis in der Erfurter Andreasstraße der zentrale Thüringer Erinnerungs- und Lernort für die SED-Diktatur und deren Überwindung werden soll. Außerdem sollen die beiden von der Landesregierung gegründeten Stiftungen „Gedenken-Erinnern-Lernen“ und die Weimarer „Stiftung Ettersberg“ zusammengelegt werden. Außerdem soll eine dauerhafte Fachkommission eingerichtet werden, die sowohl Empfehlungen zur Mittelvergabe als auch zur inhaltlichen Ausrichtung der Gedenkstätten geben soll. Für die Gedenkstätten wird eine verlässliche Finanzierung gefordert. Alle bestehenden Gedenkstätten sollen erhalten bleiben. Allerdings seien mehr Kooperationen möglich: So könnten die beiden nah beieinander liegenden Grenzmuseen Teistungen und Schifflersgrund mehr zusammenarbeiten.

Kommissionsvorsitzender Volkhard Knigge sagte, nach 20 Jahren sei es höchste Zeit, die Arbeit von Gedenkstätten und Erinnerungsorten zur DDR-Diktatur auf eine sichere Basis zu stellen. Das Konzept sei eine „Epochenchance“. Knigge verwies drauf, dass Thüringen das einzige Bundesland sei, das nun eine eigene „Landesförderkonzeption für Gedenkstätten und Lernorte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“ habe. Er forderte die Kommunen auf, sich stärker an den Gedenkstätten zu beteiligen. Bislang fehlte deren Engagement gänzlich.

Kritik von der Stasi-Landesbeauftragten

Kritik am Konzept kam von der Landesbeauftragten für Stasi-Unterlagen, Hildigund Neubert. Dem MDR THÜRIGNEN JOURNAL sagte sie, dass eine „Zentralisierung“ nichts bringe, da sie in die eigenständige Arbeit der Gedenkstätten vor Ort eingreife. Es sei zu bezweifeln, ob die Gedenkstätten im Land durch eine Art Zentrale angeleitet oder dominiert werden müssten. Gerade für Thüringen sei aber eine dezentrale Struktur wichtig. Für die geplante Erfurter Gedenkstätte in der Andreasstraße befürchte Neubert, dass die Auseinandersetzung mit dem Stasi-Unrecht nun in den Hintergrund trete. Die Expertenkommission hatte ihr Konzept bereits im Herbst des vergangenen Jahres dem Kultusministerium vorgelegt. Die Vorlage des Konzeptes war immer wieder verschoben worden. Neubert, warf dem Ministerium deshalb wiederholt Verschleppungspolitik vor. Der Opferverband „Freiheit e.V.“, der sich seit Jahren für eine Gedenkstätte in der Erfurter Andreasstraße stark macht, zeigte sich skeptisch. Vorsitzender Joachim Heise befürchtet, dass die Interessen der ehemaligen Stasi-Opfer in der künftigen Stiftung in der Andreasstraße nur ungenügend berücksichtigt werden. Bereits bei der Erarbeitung der Gedenkstätten-Konzeption seien die Opfer überstimmt worden. Falls sich nichts ändere, werde der Verein die Stiftung verlassen.

Breit gestreute Gedenkstättenlandschaft

Die Thüringer Gedenkstätten und Aufarbeitungsinitiativen sind in den vergangenen Jahren nahezu ausschließlich dezentral und durch bürgerliches Engagement entstanden. Dazu gehören die Grenzmuseen Schifflersgrund, Mödlareuth, Teistungen und Point Alpha, die Gedenkstätte Amthordurchgang in Gera, das Thüringer Archiv für Zeitgeschichte in Jena, die Geschichtswerkstatt Jena, der Verein Freiheit e.V. in Erfurt, die Gesellschaft für Zeitgeschichte in Erfurt und die Stiftung Ettersberg in Weimar.

Zuletzt aktualisiert: 15. Februar 2011, 21:59 Uhr

Ex-Stasi-Gefängnis Erfurt :

Lieberknecht will Gedenkstätten-Streit nicht schlichten

Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht will sich nicht in den Streit um die Stasi-Gedenkstätte in der Erfurter Andreasstraße einmischen. Regierungssprecher Peter Zimmermann sagte dem MDR, Lieberknecht habe großen Respekt vor den Opfern und ihrem Schicksal. Sie halte die künftige Gedenkstätte im ehemaligen Erfurter Stasi-Gefängnis aber für eine Angelegenheit, die aus der Bürgerschaft komme. Sie sei gegen ein verordnetes Erinnern, sagte Zimmermann. Die Thüringer Opferverbände hatten Lieberknecht am Freitag aufgefordert, den Streit um die Zukunft der Gedenkstätte zur Chefsache zu machen.

Opfer-Verbände sind aus Verhandlungen ausgestiegen

Was aus dem Ex-Stasi-Knast werden soll – daraus war ein Streit entbrannt.

Joachim Heise, der Vorsitzende des Opfervereins „Freiheit“, drohte: „Wenn sich die Einstellung des Kultusministeriums nicht grundlegend ändert, können wir nicht mehr mitarbeiten.“ Er habe an der Sitzung des gemeinsamen Gremiums Ende Januar bereits nicht mehr teilgenommen. Die Opfer-Verbände sehen ihre Interessen bei der Konzept-Findung nicht ausreichend berücksichtigt. Ihrer Meinung nach würden zudem zu viele Themen auf den 250 Quadratmetern Ausstellungsfläche angerissen. Auch Thüringens Stasiunterlagen-Beauftragte Hildigund Neubert hatte das Auswahlverfahren kritisiert. Sie sagte dem MDR, die derzeitige Arbeitsweise führe zu keinem guten Ergebnis.

Offizielles Arbeitspapier wurde vorgelegt

Für das Konzept der zukünftigen Gedenkstätte im ehemaligen Stasi-Gefängnis in Erfurt war eine Arbeitsgruppe gebildet worden, in der ursprünglich auch die Opferverbände vertreten waren. Ihr Plan sieht vor, neben einer Haft-Gedenkstätte auch noch Themenbereiche zur Thüringer Geschichte von Opposition und Widerstand in der DDR einzurichten. Um diese Vereinbarung war jedoch ein Streit entbrannt, da die Erfurter Opferverbände parallel zu den offiziellen Verhandlungen ein eigenes Konzept vorgelegt hatten. Kulturstaatssekretär Thomas Deufel zeigte sich auf Nachfrage des MDR überrascht. Er mahnte die Verbände zu mehr Kompromissbereitschaft an.

Im ehemaligen Stasi-Gefängnis soll ein Zellentrakt authentisch wiederhergestellt und eine Dauerausstellung eingerichtet werden. Das Land stellte Investitionen in Höhe von 5,6 Millionen Euro in Aussicht.

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2011, 16:19 Uhr

Stasi-Gedenkstätte Erfurt :

Opferverbände fühlen sich übergangen

Zwei der drei Erfurter Stasiopfer-Verbände sehen sich bei der Entwicklung eines Konzeptes für die Gedenkstätte Andreasstraße übergangen. Sie kritisieren, dass ihr Konzept nicht beachtet und stattdessen das einer Expertengruppe bevorzugt werde. Joachim Heise vom Verband Freiheit e.V. sagte MDR 1 RADIO THÜRINGEN, die Opferverbände könnten dies aber nicht mittragen. Die Interessen der ehemaligen politischen Häftlinge würden darin zu wenig berücksichtigt.

Neubert: Bisherige Arbeitsweise führt zu keinem Ergebnis

Auch Thüringens Stasiunterlagen-Beauftragte Hildigund Neubert kritisierte das Auswahlverfahren. Sie sagte dem MDR, die derzeitige Arbeitsweise führe zu keinem guten Ergebnis. Ihre Behörde vermisse den Respekt vor den Zeitzeugen. Es müsse eine fachliche Diskussion um die Zukunft der Gedenkstätte beginnen. Es gehe um das bestmögliche Konzept für das Ex-Stasi-Gefängnis in der Erfurter Andreasstraße, sagte Neubert. Dafür müsse sich auch das Bildungsministerium in der Diskussion mehr bewegen und seine Vorstellungen auf den Tisch legen.

Deufel: Verbände müssen kompromissbereiter sein

Den Verhandlungen zufolge soll ein Zellentrakt im Ex-Gefängnis wieder authentisch hergestellt werden.

Kulturstaatssekretär Thomas Deufel zeigte sich im Gespräch mit dem MDR THÜRINGEN überrascht: Er könne die Vorwürfe nicht verstehen. Schließlich habe sich die Arbeitsgruppe, in der auch die Opferverbände beteiligt sind, auf einen Kooperationsvertrag geeinigt. Darin seien auch inhaltliche Dinge ausgehandelt worden. Das Konzept des „Freiheit e.V.“ ist nach Deufels Auffassung abseits dieser gemeinsamen Verhandlung aufgetaucht. Er könne es nicht akzeptieren, wenn jetzt jemand inhaltlich hinter den vereinbarten Kooperationsvertrag zurückgehen wolle. „Wenn jetzt jemand kommt und ein Konzept vorlegt, wo es nur um Haft geht, dann geht das hinter unseren Vertrag zurück.“ Laut Deufel sieht das bisherige Verhandlungsergebnis neben der Haft-Gedenkstätte auch die Aufarbeitung der Geschichte von Opposition und Widerstand in der DDR-Zeit in Thüringen vor. Damit seien die Opferverbände seiner Ansicht nach ausreichend in den Kompromiss integriert.

Nach Informationen des Kultusministeriums soll noch im Februar über das Konzept entschieden werden. Im ehemaligen Stasi-Gefängnis soll ein Zellentrakt authentisch wiederhergestellt und eine Dauerausstellung eingerichtet werden. Das Land stellte Investitionen in Höhe von 5,6 Millionen Euro in Aussicht.

Zuletzt aktualisiert: 03. Februar 2011, 18:14 Uhr

Bauarbeiten in Erfurter Andreasstraße :

Weiter kein Konzept für Diktatur-Museum

Das Ausstellungskonzept für die Gedenk- und Bildungsstätte im ehemaligen Erfurter Stasigefängnis verzögert sich weiter. Auch sechs Monate nach Beginn der Bauarbeiten in der Erfurter Andreasstraße haben sich das Thüringer Bildungsministerium und die Opferverbände noch nicht geeinigt.

Allerdings würden jetzt erstmals die zwei vorliegenden Entwürfe gleichberechtigt diskutiert, sagte die Thüringer Stasi-Unterlagenbeauftragte, Hildigund Neubert, dem MDR THÜRINGEN. Das sei ein Erfolg für die Opferverbände. Deren Konzept konkurriert mit dem Konzept einer vom Land beauftragten Ausstellungsmacherin. Nach einer Mitteilung des Bildungsministeriums soll nun bis Mitte Februar 2011 ein gemeinsames Ausstellungskonzept entwickelt werden. Ursprünglich sollte das Konzept für die Dauerausstellung bereits im Herbst fertig sein.

In dem ehemaligen Stasigefängnis in der Andreasstraße soll bis Juli 2011 eine Gedenk- und Bildungsstätte entstehen. Im Mai war nach monatelangen Auseinandersetzungen mit den Abrissarbeiten und Umbauten für die museale Nutzung begonnen worden, ohne dass ein Konzept vorlag. Damit, so kritisierte Neubert damals, bestehe die Gefahr, „dass Unnötiges oder Falsches gebaut wird und historisch Wertvolles verloren geht“. Der Freistaat Thüringen stellt für die Umbauarbeiten 6,14 Millionen Euro aus dem Parteienvermögen der DDR zur Verfügung. Darüber hinaus sind aus Landesmitteln weitere 2,2 Millionen Euro für Baumaßnahmen an benachbarten Landeseinrichtungen vorgesehen.

5.000 politische Gefangene

 Das Gefängnis wurde von 1874 bis 1879 für die Häftlinge des Landgerichts Erfurt errichtet und seither bis 1952 als Gerichtsgefängnis genutzt. Anschließend war der Bau bis 1989/90 Haftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit für den Bezirk Erfurt. Zwischen 1945 und 1989 waren dort mindestens 5.000 politische Gefangene inhaftiert.

Zuletzt aktualisiert: 04. Dezember 2010, 14:32 Uhr

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