Berlin, 24. 06.2911/cw – Am 17. August 1962 vor neunundvierzig Jahren erschütterte sein Tod die Welt. Der 17jährige Peter Fechter verblutete vor den Augen  eben dieser Welt, schrie fast eine Stunde um Hilfe, vergeblich. Die nahen US-Amerikaner, der Kontrollpunkt Checkpoint Charlie war nur rund 200 Meter entfernt, erklärten sich für nicht zuständig („Das ist ein deutsches Problem.“). Hilflose Westberliner Polizisten warfen dem direkt hinter der Mauer liegenden Flüchtling Verbandspäckchen  zu.

Die Bilder von dem durch die Straßen weggetragenen Mordopfer der Mauer erschütterten die Menschen und führten  schließlich zu den seither heftigsten und tagelangen Demonstrationen bis hin zu Straßenschlachten nahe dem Todesort. Der Bus mit den Wachmannschaften  für das Sowjetische Ehrenmal Berlin-Tiergarten wurde mit Steinen beworfen, Reminiszenzen an den 17. Juni 1953 flackerten auf, die Russen karrten seither ihre Wachsoldaten über den Übergang Invalidenstraße an das Gräberfeld der einst rund um den Reichstag gefallenen sowjetischen Soldaten. Erst Willy Brandt, damals als Regierender Bürgermeister die anerkannte Autorität im durch den Mauerbau psychisch zerzausten West-Berlin, gelang es in einer dramatischen Rede von einem Lautsprecherwagen der Polizei aus, die empörten Massen zu beruhigen.

Nun  haben bisher Unbekannte eine Skulptur, die an Fechters Tod erinnern sollte und erst unlängst im entstehenden Areal der Mauer-Gedenkstätte in der Bernauer Straße aufgestellt worden war, zerstört. Überraschend schnell konstatieren die zuständigen  Stellen „keinen politischen Hintergrund“. Wäre Fechter ein Opfer mordender SA oder SS-Horden geworden, bestände wohl zumindest der Anfangsverdacht auf einen politischen Hintergrund.

So aber handelt es sich wohl  n u r  um ein wenn auch spektakuläres Opfer der Mauer, mithin eines kommunistischen  Systems. Im Jahre 50 nach dem 13. August 1961 rächt sich wohl wieder einmal das nach wie vor ungeklärte Verhältnis zu den Verbrechen der kommunistischen Diktatur. Während noch immer 10.000 Menschen alljährlich an zweifelhaften Gedenktagen medienwirksam an die Gräber roter Ikonen pilgern, zerstört man ein ungeliebtes Mahnmal, das an die Verbrechen der roten Diktatur erinnern sollte. Jetzt rächt sich die Weigerung der rot-roten Regierung, dem weltberühmt gewordenen Toten von einst symbolisch ein Ehrengrab der Stadt Berlin einzurichten. Fechter habe sich „keine Verdienste um Berlin“ erworben, hieß es vor sechs Jahren zur Begründung. Sein beispielhafter Tod, der die Welt einmal mehr und brutal deutlich auf die Unmenschlichkeit der Mauer hinwies, reichte den Erben der verantwortlichen  seinerzeitigen Machthaber und jetzigen Teilhaber an der Regierung dieser Stadt für ein Ehrengrab nicht.

Die Sozialdemokraten sollten das traurige Fanal aus der Bernauer Straße zum Anlass nehmen, 49 Jahre nach dem grausamen Geschehen in der Kreuzberger Zimmerstraße noch einmal über ihr einstiges Selbstverständnis nachzudenken.

„Ein Ehrengrab für Peter Fechter verhindert keinen  künftigen Vandalismus, aber es wäre das richtige Signal und eine wichtige Antwort auf „die Unbekannten“, die nicht nur eine Skulptur, sondern ein wichtiges Symbol dieser Stadt zerstört haben“, erkärte am Abend die Vereinigung 17. Juni in Berlin, die über den vandalistischen  Akt „Abscheu und Empörung“ äußerte.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953