Friedhof Seestraße: Bewegende Ansprache des Innenministers zum 17. Juni

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (links) und Joachim Fritsch (zweiter von rechts), der in diesem Jahr die Vereinigung 17. Juni vertrat - Foto: Ralf Gründer

Berlin, 17. Juni 2011/cw –  In einer engagierten und bewegenden Ansprache sagte der Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter-Friedrich zum 58. Jahrestag des Volksaufstandes auf dem Friedhof Seestraße: „Die Tränen des Aufstandes wurden zu Tränen der Nation.“

Bundesinnenminister Friedrich nahm sich viel Zeit für Gespräche - Foto: Ralf Gründer

http://www.berliner-mauer-archiv.de/Aktuell/gedenkveranstaltung-zum-17-juni-1953.html

Platz des 17. Juni

 Zuvor hatte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit traditionsgemäß vor dem Bundesfinanzministerium in Berlin-Mitte am dortigen Denkmal zusammen mit der Vereinigung 17. Juni und der UOKG Kränze niedergelegt. Während der Zeremonie demonstrierten ehemalige Teilnehmer am Volksaufstand mit einem Transparent, auf dem die Umbenennung des dortigen Areals in „Platz des 17. Juni 1953“ gefordert wurde.

Seit Jahren fordernder Protest gegen die Verweigerung - Foto. LyrAg

Seit dem neuntägigen Hungerstreik des Vereinsvorsitzenden Carl-Wolfgang Holzapfel im Jahre 2005, mit dem die Vereinigung gegen die Abnahme der seinerzeitigen  Fototafeln protestierte, wird von den Veteranen die Umbenennung gefordert. Vor dem Gebäude in der Leipziger-/Ecke Wilhelmstraße hatten Zehntausende am Vorabend des 17. Juni 1953 gegen die DDR-Regierung demonstriert, freie Wahlen  gefordert und für den nächsten  Tag den Generalstreik ausgerufen: „Morgen um 7:00 Uhr am Strausberger Platz!“

Die Fototafeln waren auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft 13. August an der Fassade angebracht worden und hatten jahrelang an die Geschehnisse des Aufstandes erinnert. Klaus Wowereit hatte im Abgeordnetenhaus die Forderung nach einer Benennung unterstützt, die Verantwortung dafür aber dem Bezirk Mitte zugeordnet. Der zuständige Bezirk hingegen schob die Entscheidung dem Finanzministerium zu und dieses erklärte sich bislang für nicht zuständig.

Auch an den Mauerkreuzen am Reichstag gedachte die Vereinigung der Toten der Teilung - Foto: LyrAg

Dennoch hofft der Verein unverändert auf eine endliche Realisierung, schließlich hatte selbst die damalige Oppositionsführerin und heutige Bundeskanzlerin dem seinerzeitigen Hungerstreiker die volle Unterstützung der CDU für das Anliegen zugesagt. Überbringer des Schreibens von Angela Merkel: Der damalige Generalsekretär Frank Henkel, heute Spitzenkandidat der Union für die bevorstehenden Wahlen zum Abgeordnetenhaus.

Gedenken am einzigen originären Denkmal

Bereits am Vorabend hatte die Vereinigung am einzigen originären Mahnmal Deutschlands, das unmittelbar nach dem 17. Juni von Teilnehmern am Volksaufstand in Berlin-Zehlendorf in der Potsdamer Chaussee errichtet worden war, der Toten des Aufstandes gedacht. In  seiner Ansprache kritisierte Holzapfel den Innenausschuss des Sächsischen  Parlamentes, der jüngst eine Langzeitstudie „zur Überwachung der politischen  Einstellung der Bürger“ gefordert hatte: „Dafür sind die Menschen  am 17. Juni 1953 nicht auf die Straße gegangen, dafür seien viele Menschen nicht gestorben.“

Seit Jahrzehnten am 16. Juni um 18:00 Uhr vor Ort am Holzkreuz - Foto: LyrAg

Es sehe so aus, so der Vereinsvorsitzende, dass „die Kampfzeit noch nicht vorbei ist, dass die Demokratie nach wie vor eines engagierten Kampfes um  deren Inhalte bedarf.“

Erinnerung an die Opfer des Stalinismus und Nationalsozialismus

 Am Morgen des 17. Juni wurden die Gedenkveranstaltungen in Berlin durch eine Feier der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) auf dem Steinplatz in Berlin-Charlottenburg eröffnet. Der Bezirk war durch eine hochrangige Abordnung, die Vereinigung 17. Juni durch ihren Vorstand, ehemalige Teilnehmer und Mitglieder vertreten. Auf Initiative der Vereinigung im Jahr 2008 legten die Teilnehmer im Anschluss an das Gedenken am Stein für die „Opfer des Stalinismus“ auch Blumengebinde am Denkmal für die „Opfer des Nationalsozialismus“ nieder.

Nach der VOS würdigte auch die Vereinigung 17. Juni die Opfer des Stalinismus - Foto: LyrAg

„Straße des 17. Juni 1953“  in Strausberg gefordert

Symbolische Umbenenenung: Aus der "Hennickendorfer Chaussee" wurde kurzfristig die "Straße des 17. Juni 1953" - Foto: Ralf Gründer

 Am Nachmittag wurde in  Strausberg bei Berlin in Anwesenheit ehemaliger Aufstandsteilnehmer eine „symbolische Straßenumbenennung“ (Ulrike Poppe) vorgenommen. Die Vereinigung 17. Juni hatte eine „Aktion  Grünhagen“ angekündigt und Straßenschilder der Hennickendorfer Chaussee mit dem Namen „Straße des 17. Juni 1953“ überklebt. Der letzte noch lebende Streikführer aus Strausberg, Heinz Grünhagen, setzt sich seit Jahren vergeblich für eine Umbenennung des Straßenabschnittes zwischen  dem Bahnhof und dem Gedenkstein „17. Juni“ in Strausberg ein.

Der ehem. Strausberger Stadtverordnete Grabert (rechts im Bild) unterstützt aktiv die Bemühungen um eine angemessene Ehrung - Foto: Ralf Gründer

Ulrike Poppe, die Brandenburger Landesbeauftragte für die Folgen der zweiten Diktatur, erklärte unter dem Beifall der anwesenden Akteure, das diese Aktion eine wichtige, wenn  auch symbolische Handlung sei, um  das Anliegen von Heinz Grünhagen, „das wir alle teilen“, nachdrücklich zu unterstützen.

Wolfram Dreher (Vereinigung 17. Juni), Ulrike Poppe, Reinhard Schult (Büro Poppe) und Vorsitzender C.W.Holzapfel (von rechts) in Strausberg unter dem "neuen" Straßenschild - Foto: Ralf Gründer

Auch die Bürgermeisterin Elke Stadeler ging am Abend bei der offiziellen Kranzniederlegung am Gedenkstein vor der Barnim-Kaserne auf den Kampf „eines Einzelnen gegen das Vergessen“ ein, „dem Zeitzeugen und Opfer des 17. Juni, Heinz Grünhagen“, ohne allerdings auf dessen Namenswunsch oder die zuvor durchgeführte symbolische Umbenennung direkt einzugehen. Dagegen sprach Pfarrer Rüdiger Bernhard offen den Wunsch aus, „eine Straße nach dem 17. Juni“ zu benennen.

http://www.berliner-mauer-archiv.de/Aktuell/aktion-aus-der-hennickendorfer-chaussee-wird-die-strasse-des-17-juni-1953-die-umbenennung-wird-durchgefuehrt-von-der-vereinigung-17-juni-ev.html

V.i.S.d.P.: Vorstand der Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

 

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