Internationale Iran-Konferenz in Berlin mit 6.000 Teilnehmern

In hundert Bussen aus ganz Europa: 6.000 Teilnehmer im ICC

Berlin, 19.03.2011/cw –  Über 6.000 Iraner und ihre deutschen  Freunde kamen am Samstag im Berliner ICC zur Internationalen Iran-Konferenz zusammen. Den größten Beifall erhielt die Präsidentin  des Iranischen Widerstandes, Maryam Rajavi, für ihre couragierte und programmatische Ansprache, die einige Redner bereits als Regierungserklärung für eine provisorische Regierung zur Vorbereitung von freien Wahlen werteten. Viele der Redner setzten sich für eine demokratische Revolution im  Iran und die endgültige Streichung der Volksmudschaheddin (PMOI) von der Liste der Terroristen in den USA ein. Die PMOI war bereits in den letzten beiden Jahren vom Europarat und den meisten europäischen Staaten als demokratische Widerstandsbewegung anerkannt worden. Auch im Verfassungsschutzbericht sind die Exil-Iraner seit 2009 nicht mehr aufgeführt.

Übergabe von 150 Unterschriften von MdB aller Fraktionen; von rechts: C.W. Holzapfel, Patrick Kennedy

Die umfangreiche Rednerliste ließ weitere Ansprachen  aus rein zeitlichen Gründen, die Veranstaltung dauerte über drei Stunden, nicht mehr zu. Neben der Präsidentin sprachen u.a. der Neffe John F.Kennedys, der US-Kongressabgeordnete Patrick Kennedy, die ehemaligen US-Generale Peter Pace und Hugh Shelton, der ehem. US-Justizminister Michael Muklasey, aber auch der ehemalige EU-Kommissar und Vizepräsident der EU, Günter Verheugen und Prof. Dr. Gesine Schwan aus Deutschland.

So gab der Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni, der ebenfalls als Ehrengast auf dem Podium  Platz genommen hatte, seine Ansprache zu Protokoll, die wir nachfolgend leicht gekürzt wiedergeben:

Links von John-F.Kennedy: Der junge C.W. Holzapfel 1963 in Berlin

„Salam, Ashraf, Salam, Iran!

Verehrte Frau Präsidentin,                                   liebe Freunde aus Europa, aus Deutschland, aus Berlin,

Sie alle haben sich heute in der Hauptstadt der friedlichen  Revolution eingefunden, um  unsere Solidarität mit den Bewohnern von Ashraf, mit den Bürgern des Iran, mit Ihren Vätern, Brüdern, Müttern und Schwestern, zu bekunden.

Solidarität, liebe Freunde, ist keine Einbahnstraße. Über den Schmerz um  die Toten des brutalen Mullah-Regimes vergessen wir heute nicht unsere Solidarität mit dem stolzen Volk der Japaner, die von einer Sublimierung fürchterlicher Katastrophen getroffen worden sind:

Erdbeben, Tsunami, atomarer Gau! ….

Solidaritätsadresse von der UOKG

Gestatten Sie mir, dass ich an dieser Stelle besonders das Vorstandsmitglied der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), das ist der Dachverband der Verfolgten  des DDR-SED-Regimes, dass ich hier ganz herzlich auch in  Ihrem Namen Lothar Scholz begrüße. Lothar Scholz musste schon als 19jähriger die Grausamkeiten der Lager in Sibirien erfahren und kam erst nach neun Jahren Gefangenschaft in Workuta nach Deutschland zurück. Seither ist auch er ein  unermüdlicher Kämpfer für die Menschenrechte auf unserem Planeten. Er trägt heute eine Kappe, die ihm einst ein Perser im fernen Sibirien zum Abschied nach Deutschland geschenkt hatte. Willkommen, Lothar Scholz!

Gleichzeitig habe ich die Ehre, Ihnen  die herzlichen  und solidarischen Grüße der UOKG zu übermitteln. Der Dachverband steht an Ihrer Seite im  Kampf um einen freien, demokratischen Iran!

In diesem Jahr, im fünfzigsten Jahr der Errichtung der Berliner Mauer, der Zementierung der Teilung Europas und dieser Welt, wollten wir uns in Teheran treffen, die Befreiung Ihrer Heimat feiern. Wir wissen noch nicht, ob uns dieses Vorhaben gelingt, das Jahr hat erst begonnen. Aber wir wissen, dass dieser Tag kommen wird, egal, wie dieses Jahr zu Ende geht.

Die Hoffnung auf die Freiheit macht uns stark

Und diese Hoffnung, liebe Freunde, vereint uns, macht uns so unglaublich stark gegen diese  religiösen Usurpatoren, die von tiefer Religiosität sprechen und Mord und Totschlag Andersdenkender meinen. Sie missbrauchen die Geschichte Ihrer großen Nation, um mit dem Ruhmeskleid Ihrer vieltausendjährigen Geschichte die blutbefleckte Kleidung von Terror und Geißelung des eigenen Volkes zu verdecken.

Maryam Rajavi begeisterte 6.000 Teilnehmer und zahlreiche Ehrengäste aus den USA, Deutschland und Europa

Diese Staatsverbrecher mögen sich heute sicher fühlen, so, wie sich einst die Diktatoren der Antike, die Diktatoren der Menschheitsgeschichte oder jüngst die Diktatoren im vorigen  Jahrhundert, an deren Spitze Hitler und Stalin standen, sicher gefühlt haben – und dann vom Sturm der Geschichte hinweggefegt wurden. Wie sagte Friedrich Schiller so unnachahmlich:

Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei und würde er in Ketten geboren. Lasst Euch nicht stören des Pöbels Geschrei und den Missbrauch rasender Toren. Vor dem Sklaven, der die Ketten bricht, vor dem freien Menschen erzittert nicht.“

Diese Stadt, dieses Land, dieses Europa, Sie alle hier in diesem Saal sind     f r e i .   Und so, wie wir uns jetzt der Freiheit erfreuen dürfen, so werden die Bürger von Ashraf, Ihre Brüder und Schwestern, Mütter und Väter, eines nicht fernen Tages ohne Angst vor dem Morgen frei atmen, frei aufatmen können, werden die Bürger des großen Iran den Jubel der Freiheit auch in den Straßen Ihrer Städte und Dörfer verkünden:

Das Heiligtum der Freiheit

Freude, Freiheit, schöner Götterfunke, Tochter aus Elysium, wir betreten freiheitstrunken, Himmlische Dein Heiligtum.“  Das Heiligtum der Freiheit, der Einheit, des Friedens unter den Völkern. Verzeihen Sie mir die leichte Abänderung der Schillerschen Worte, seiner von Beethoven vertonten  Ode an die Freude. Aber ich bin überzeugt, er hätte dies akzeptiert, er hätte sich richtig interpretiert gefühlt.

Frau Präsidentin, liebe Freunde.

Als ich als junger Mensch vor fünfzig Jahren erstmals vor der Berliner Mauer stand, festigte sich in der tiefen Erschütterung dieser durchlittenen Stunden, aus denen, wie wir alle wissen, viele Jahre und Jahrzehnte wurden, die Überzeugung, dass diese Mauer, diese Deadline, diese Todeslinie für über tausend Menschen, keinen  Bestand haben würde. Es war ein harter Kampf, eine Geduldsprobe, die oft genug an den Nerven, an der Gesundheit, am familiären Frieden, an den politischen Überzeugungen zehrte. Aber:

Der Sturm der Freiheit wehte durch Europa

Nach achtundzwanzig Jahren war es soweit, bekam diese Mauer Risse, stürzte diese Mauer in  sich zusammen. Und mit diesem Zusammenbruch stürzten die letzten diktatorischen Regime in Europa, wehte der Sturm der Freiheit durch diesen Kontinent.

Das, verehrte Frau Präsidentin, liebe Freunde, sollte Sie ermutigen! Diese Botschaft aus dieser Stadt heißt: Es lohnt sich, für seine Überzeugungen zu kämpfen. Es lohnt sich, Widerstand zu leisten nicht nur gegen die Diktatur in Iran, für ein Angst-freies Leben der Bürger von Ashraf, sondern auch Widerstand zu leisten gegen die Einflüsterer der sogen. Realität  („Gebt doch endlich Ruhe! Akzeptiert doch endlich die Realitäten!“)!  Und was es da sonst noch an weisen Ratschlägen der Leisetreter und Angepassten geben mag und gibt. Es waren damals Wenige, die diesen Einflüsterern widerstanden haben, zugegeben. Aber diese Wenigen haben gesiegt.

Diese Wenigen haben die Diktatur besiegt, die Mauer zum Einsturz gebracht. Nicht die Wankelmütigen, die Mutlosen, die Kriecher vor der Diktatur!

So sehr wir alle in diesem Saal die tiefe Sehnsucht teilen, lieber heute als morgen in Ihre Hauptstadt aufbrechen zu können, um  das Fest der Befreiung feiern zu können, so sehr möchten wir Ihnen heute Mut machen, nicht aufzugeben, weiter zu kämpfen, zu demonstrieren, einzutreten für die Befreiung Ihrer Heimat. Auch wenn  dieser Kampf noch länger als dieses Jahr, noch viele Monate oder Jahre dauern sollte.

Lasst uns die Fackel der Freiheit entzünden

Frau Präsidentin, liebe Freunde,

lasst uns in dieser Stadt hier und heute die Fackel der Freiheit entzünden. Lasst uns diese Fackel der Freiheit nach Ashraf, nach Teheran tragen, in die Städte und Dörfer ihres Landes, in die Städte und Dörfer dieser Welt!

Salam, Ashraf! Salam, Iran!“

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953 / Fotos: PMOI