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Berlin, 18.10.2010/cw – Eine Frau sucht Kameradinnen ihrer Mutter. Diese war von 1953 bis 1960 im Zuchthaus. Wegen der Unruhen am 17. Juni 1953 war sie in Ostberlin verhaftet und zu zehn Jahren verurteilt worden. Es handelt sich um Eva Breitmann, geb. 14.2.1933. In Hoheneck arbeitete sie in der Schneiderei. Ihre Freundin dort hieß Herlinde.

Voriges Jahr ist sie verstorben und hat kaum mit ihrer Tochter über diese schlimme Zeit gesprochen, die jetzt natürlich mehr erfahren möchte.

Antworten bitte an:   p.el@gmx.net.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Tel. 030-30207785 oder 0176-48061953

PRESSEERKLAERUNG

Jerusalem, 12.10.2010-fm/wd – Vom 26. Juli 2010 bis zum 04.September 2010 habe ich, Firas Maraghy, mich vor der israelischen Botschaft im Hungerstreik befunden. Ziel dieses offenen Protests war es, meine im Dezember 2009 geborene Tochter Zaynab als Einwohnerin Ostjerusalems, sowie meine Ehe mit der deutschen Staatsbuergerin Wiebke Diehl zu registrieren. Zudem wollte ich gegen die Androhung israelischer Behoerden, mir selbst mein Residenzrecht in Jerusalem zu entziehen, sollte ich im Mai 2011 nicht für mindestens eineinhalb Jahre dorthin zurueckkehren, protestieren. Ich forderte von Anfang an ein sicheres Bleiberecht fuer meine Familie und mich in meiner Geburtsstadt und der Geburtsstadt meiner Vaeter und Vorvaeter. Diese Forderung steht in Einklang mit internationalem Recht, insbesondere mit Artikel 13 der Allgemeinen Erklaerung der Menschenrechte.

Wie bereits in unserer letzten Presseerklaerung vom 7. Oktober 2010 angekuendigt, sind wir am Sonntag, den 10. Oktober 2010 mit unserer Tochter nach Jerusalem geflogen, um einen unter Vermittlung von Herrn Polenz, dem Vorsitzenden des Auswaertigen Ausschusses des deutschen Bundestags, von der israelischen Botschaft in Berlin vereinbarten Termin wahrzunehmen. Hier sollten wir Herrn Arbel, den Direktor des „Registration and Civil Status Department“ des Innenministeriums Israels, treffen. Ziel dieses Geespraeches sollte laut Presseerklaerungen der israelischen Botschaft in Berlin sein, unser Anliegen zu loesen. Wir haben sowohl die sehr hohen finanziellen als auch die zeitlichen und koerperlichen Muehen auf uns genommen, um unseren Teil zu einem moeglichen Kompromiss beizutragen. Noch zwei Tage vor unserer Abreise warnte ein Arzt, dass die Reise in einem Flugzeug fuer mich, Firas Maraghy, ernste gesundheitliche Konsequenzen nach sich ziehen koenne; dennoch entschieden wir uns, den vereinbarten Termin einzuhalten. Dies taten wir, obwohl wir der festen Ueberzeugung sind, dass die israelische Botschaft auch fuer die Einwohner des nach dem Krieg von 1967 voelkerrechtswidrig annektierten Ostjerusalem zustaendig ist und die Registrierung unserer Ehe aus diesem Grund in Berlin haette vorgenommen werden muessen.

Bei dem Termin waren neben Herrn Arbel drei ranghohe Mitarbeiter des israelischen Innenministeriums und einer des israelischen Aussenministeriums anwesend. Zunaechst wurde uns ausfuehrlich die israelische Gesetzeslage erklaert, wobei immer wieder betont wurde, ich sei lediglich Einwohner Jerusalems, kein Staatsbuerger. Am Ende dieser Ausfuehrungen fragte ich, Firas Maraghy, ob meine Ehe und meine Tochter nun eingetragen werden sollten. Daraufhin erwiderte Herr Arbel, er koenne nicht gegen die Gesetze verstossen. Ich erklaerte ihm, ich sei gekommen, da mir eine Loesung meines Anliegens zugesichert worden sei – woraufhin Herr Arbel erwiderte, er wisse nichts davon, dass Ziel unseres Gespraeches eine Loesung des Falles sei. Diese Aussage ruft bei uns einige Verwunderung hervor, denn man muss sich fragen, wofuer dieses Treffen mit all seinen Teilnehmern wohl einberufen wurde. Als wir des Weiteren auf Artikel 13 der Allgemeinen Erklaerung der Menschenrechte hinwiesen, sagte Herr Arbel, auch davon habe er noch nie gehoert.

Wir betonten mehrmals, dass unsere Forderung die Registrierung unserer Ehe und unserer Tochter bleibt. Hieraufhin wurde uns wieder und wieder gesagt, man muesse sich an die israelischen Gesetze halten. Das Gespraech dauerte etwa eine halbe Stunde. Nachdem wir noch mehrere Male fragten, welche Loesung man uns anbieten wolle und daraufhin keinerlei Antwort erhielten, entschieden wir uns, das Treffen abzubrechen.

In einem anschliessenden Gespraech mit Herrn Polenz entschieden wir uns in Absprache mit ihm, trotz des negativen Verlaufs des Gespraeches einen Antrag auf Registrierung unserer Ehe und unserer Tochter beim der dafuer zustaendigen Behoerde in Jerusalem zu stellen. Dies werden wir in den naechsten Tagen tun. Wir rufen die israelischen Behoerden und die israelische Regierung dringend dazu auf, diesen Antraegen stattzugeben und so unsere elementarsten und international verbrieften Rechte zu achten.

Firas Maraghy und Wiebke Diehl, z.Zt. Jerusalem

 

Israel sagt Palästinenser Aufenthaltsrecht für Familie zu

Berlin, 8.10.2010/cw – In einer gestern von seiner deutschen  Ehefrau Wiebke Diehl verbreiteten Presserklärung teilte der Palästinenser Firas Maraghy seinen kurzfristig anberaumten Flug nach Jerusalem mit. Maraghy hatte nach vergeblichen Bemühungen um die Eintragung seiner Tochter in seine Ausweispapiere und die Verlängerung seiner Aufenthalts-berechtigung in der Stadt seiner Väter und Vorväter vor der israelischen Botschaft in  Berlin einen unbefristeten Hungerstreik begonnen. Auch die Eintragung seiner Ehe war verweigert worden. Zahlreiche Berliner, unter ihnen auch Palästinenser, Israelis und deutsche  Juden, unterstützten das Anliegen. Nachdem sich der Vorsitzende des Auswärtige  Ausschusses im Deutschen Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU) und Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) in die Bemühungen um eine Lösung des Problems eingeschaltet hatten, unterbrach Maraghy seinen Hungerstreik nach 41 Tagen.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse im Gespräch mit Maraghy

Wolfgang Thierse hatte zuvor den Hungerstreikenden vor Ort besucht und hatte in der Botschaft vorgesprochen. Ruprecht Polenz wird Maraghy auf seiner Reise nach Israel begleiten.

Freunden gegenüber ließ Maraghy  verlauten, sein Hungerstreik sei erst endgültig beendet, wenn er die für ihn unerlässlichen  Eintragungen in seinen  Papieren habe, ansonsten werde er nicht zögern, den Hungerstreik in Berlin fortzusetzen. Nach mehreren Wochen  Aufenthalt in einem Krankenhaus ist dieses Vorhaben nicht unproblematisch für Maraghys Gesundheit.

Freunde unterstützten mit einem kurzfristigen Hungerstreik das Anliegen

Indes hofft nicht nur er sondern auch seine Familie und die vielen Freunde auf ein erfolgreiches Ergebnis seiner Reise nach Jerusalem. Diese ist allerdings für die junge Familie auch eine große finanzielle Belastung. Aus diesem Grund hat die Vereinigung 17. Juni, die Maraghys Hungerstreik moralisch unterstützt hatte, zu Spenden aufgerufen: Diese werden unter dem

Kennwort „Jerusalem“

auf das

Konto 632902

BLZ 700 916 00

Landsberg-Ammerseebank

erbeten. Die Spenden sind steuerlich begünstigt und abzugsfähig. Über das Ergebnis und die Verwendung wird nach Abschluss an dieser Stelle berichtet.

Um sie geht es: Wiebke Diehl-Maraghy mit Tochter vor der israelischen Botschaft

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Tel.: 030-30207785 – holzapfellyrag@aol.com

Fotos: LyrAg (c) 2010

Schillers „Ode an die Freude“ präsentierte am Besten die Stimmung

Mit stehenden Ovationen begrüßt: Altbundeskanzler Dr. Helmut Kohl

 

Berlin, 3.Oktober 2010/cw – Als Helmut Kohl in einem Rollstuhl zur Ehrentribüne gefahren wurde, hielt es die etwa 1.000 geladenen Gäste nicht mehr auf ihren Sitzen: Mit langanhal-tenden stehenden Ovationen wurde der Mann geehrt, dem dieses Land zuvörderst die Realisierung der Einheit Deutschlands zu verdanken hat. Als Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert den Altbundeskanzler neben anderen führenden Politikern begrüßte, sprangen die Gäste erneut von ihren Sitzen hoch, wiederholte sich minutenlang der begeisterte Beifall. Auch wenn Norbert Lammert die Verdienste Kohls in seiner späteren Rede zur Einheit nach dem Eindruck vieler Gäste relativierte („Sie waren nicht der Einzige, der die Einheit verwirklichte…“), ließen sich die Gäste von erneuten Beifallskundgebungen nicht abhalten.

Ansprache des Hausherren: Prof.Dr. Norbert Lammert. Im Vordergrund (Mitte): Johannes Rink, Vorsitzender der VOS

Wer hätte da nicht jubelnd in das Lied „Die Gedanken sind frei“ einstimmen mögen, das die Deutsche Chorjugend begeisternd vortrug?

Die vielen Zeitzeugen, unter ihnen unzählige ehemals politisch Verfolgte aus der einstigen DDR, waren nicht nur dankbar für diese späte Ehrung, sondern ließen sich mitreißen von der Leichtigkeit der Beiträge, die durch vorwiegend junge Menschen auf der Bühne dargeboten wurden. Birgit Klaus, SWR, moderierte ebenso charmant wie fröhlich die Auftritte der Staatlichen  Ballettschule Berlin, der STÜBAphilharmonie und der drei zusammengeführten Chöre. Beethovens vertonte Schiller-Worte der „Ode an die Freude“, die zu Recht zur begeisternden Europa-Hymne erkoren wurde, spiegelten die launige Festtagsstimmung wohl eindrücklicher als vielfache Reden und Artikel in diesen Tagen wieder.

Viele Zeitzeugen waren geladen: Jürgen Breitbart (rechts), ehem. politischer Häftling

Nach einem kurzen, aber furiosen Feuerwerk strebten die geladenen Gäste des Deutschen Bundestages in die Fraktions-Etage des Parlamentes, wo es neben Bier, Wein , Sekt, kleinen Häppchen und phantastischen Desserts vielfache Gelegenheit zu intimen Gesprächen mit den Repräsentanten unseres Staates, aber auch mit Freunden  und ehemaligen Leidensgefährten aus einer Gott sei Dank überwundenen Zeit gab.

CDU-Fraktions-Chef Frank Henkel verfolgte die Feier; vom Regierenden Bürgermeister hingegen war nichts zu sehen...

Dabei vermerkten wir besonders aufmerksam die harsche Kritik an den bisherigen Regelungen zur sogen. „Opferrente“ durch eine einst führende Politikerin. Diese hielt eine Novellierung der gesetzliche Regelung für unumgänglich. Unserem Hinweis auf die Gelegenheit dazu anlässlich des 50. Jahrestages des Mauerbaues im nächsten Jahr begrüßte die Politikerin ausdrücklich.

Im Reichstag: Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Ehemann

Eindrücklich konnten wir in Gesprächen auch auf die schwere Situation der „Helden von  einst“ hinweisen, so auf die Problematik eines einstigen Aufstandsführers vom  17. Juni. Seine Frau hat kaum noch die erforderliche Kraft zur Pflege, dennoch werden dem Ehepaar keine nennenswerten Hilfen zuteil, werden alle Anträge von den zuständigen Einrichtungen abgeblockt. Der Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni trug vor, dass man nicht alle Jahre „auf den Gedenkfeiern der Helden wortreich gedenken“ könne, um sich „im Alltag den Pflichten für diese Avantgarde der Deutschen Einheit“ zu entziehen. Es bleibt abzuwarten, welche praktischen  Ergebnisse diese „Hilferufe vor Ort“ haben werden.

Haftkameraden: C.W.Holzapfel, T.Sterneberg, Wolfgang Welsch mit Lebensgefährtin (von links)

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., C.W. Holzapfel, Tel.: 030-3020778 holzapfellyrag@aol.com – Fotos: LyrAg (c) 2010

 

Die Ehrenvorsitzende Margot Jann (re.) bei der Kranzniederlegung

 

Stollberg/Berlin, 3. Oktober 2010/cw – Zu ihrem Jahrestreffen traf sich in Stollberg/Sachsen vom 1. – 3. Oktober der „Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen“. Die ehemaligen aus politischen Gründen von der DDR-Justiz verurteilten Frauen ehrten am 1. Tag die Toten am Gedenkstein vor der ehemaligen Haftanstalt. Neben Anita Gosslar sprach für die Stadt Stollberg Oberbürgermeister Marcel Schmidt bewegende Worte.
Anschließend fand die Mitgliederversammlung statt, auf der die im letzten Jahr neu gewählte Vorsitzende Inge Naumann den Rechenschaftsbericht vorstellte.

Am Samstag, 2. Oktober, fand für die Frauen von Hoheneck und weiteren angemeldeten Besuchern eine Führung durch die ehemalige Haftanstalt statt. Herr Greif, ein Handwerker aus Stollberg, führte ehrenamtlich und sachkundig durch die Räume des Schreckens und traumatischer Erinnerungen. Immer wieder zitierte er in seiner Führung aus Büchern, die ehemalige Insassinnen des Frauenzuchthauses veröffentlicht haben, so von Erika Riemann („Die Schleife an Stalins Bart“) oder Ellen Thiemann („Der Feind an meiner Seite“). Viele Frauen wurden von ihren Erinnerungen übermannt und weinten.

 

Nach fast 30 Jahren zum ersten mal wieder in Hoheneck: Marita U.

 

Drehbeginn für Spielfilm „Hoheneck war gestern“ mit Anja Kling

Am Nachmittag fuhr die Gruppe nach Chemnitz auf den dortigen Friedhof, um am Gemeinschaftsgrab der auf Hoheneck verstorbenen Frauen Kränze und Blumen niederzulegen. Nach der Wende waren auf dem Dachboden der Haftanstalt unzählige Urnen von Verstorbenen aufgefunden worden, denen die letzte Ruhe verweigert worden war. Sie wurden schließlich in einem Sammelgrab in Chemnitz beigesetzt. Allerdings sind die Zeilen der Erinnerung auf der großen Grabplatte ziemlich verwittert und kaum noch lesbar, wie die erschütterten Frauen feststellen mussten. Ein Grund für die Stadt Chemnitz, sich Gedanken zu machen…
Die Geschäftsführerin der „Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur“, Frau Dr. Anna Kaminsky, das Vorstandsmitglied der UOKG, Dr. Buchner und der Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni 1953, Carl-Wolfgang Holzapfel, nahmen an der Totenehrung teil.

Zurück im Hotel wartete auf die Teilnehmer des Jahrestreffens eine besondere Überraschung:
Kristin Derfler und Dietmar Klein stellten ihre erste Fassung einer Dokumentation über die Frauen von Hoheneck vor. Diese Doku soll im nächsten Jahr begleitend zu dem Spielfilm „Hoheneck war gestern“ ausgestrahlt werden, zu dem Kristin Derfler das Drehbuch geschrieben hat. Die Dreharbeiten mit Anja Kling in der Hauptrolle haben in diesen Tagen begonnen. Die unter der Regie von Dietmar Klein entstandene Dokumentation wurde von den Anwesenden mit langanhaltendem Beifall bedacht.

Müttern auf Hoheneck wurden die Kinder buchstäblich entrissen

Eine bewegende Veranstaltung zum 20. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung, fand im ehemaligen Dürergymnasium am 3. Oktober statt. Sieben ehemalige Häftlinge aus dem einzigen „Nur“- Frauenzuchthaus der DDR, erzählten als Zeitzeugen, wie es ihnen in dieser schlimmen Zeit als politische Häftlinge unter Kriminellen ergangen ist.
Obwohl öffentlich zu der Veranstaltung eingeladen worden war, blieb das Interesse an dem Schicksal der Hoheneck-Frauen unter der hoffnungsvollen Erwartung. Eine Schülerin aus Stollberg und etwa 10 Besucher waren neben den Telnehmern am Jahrestreffen zu dieser Veranstaltung gekommen.

Die Vorsitzende Inge Naumann moderierte ein bewegendes Zeitzeugenforum. Den Frauen fiel es sehr schwer, von den menschenverachtenden Demütigungen durch die „Wachteln“ (Aufseherinnen) zu berichten. Die seelischen Wunden, die ihnen zugefügt wurden, tun ihnen sichtbar noch heute sehr weh. Nicht nur Tatjana S. kämpfte mit den Tränen, als sie von den Medikamenten sprach, die ihr in der Nahrung oder als sogen. Placebos heimlich verabreicht wurden. Unter deren psychischen Schäden leide sie noch heute. Tatjana S. wurde arbeitsunfähig.

Einzelnen Frauen, wie Anita G., wurden die eben geborenen Kinder weggenommen und häufig genug an Partei-Funktionäre „vermittelt“. Anita G. hat ihre Tochter erst nach der Einheit wieder getroffen. Tochter und Mutter blieben sich fremd, berichtete die ehemalige Hoheneckerin unter Schluchzen.

 

Zeitzeugen aus Hoheneck im Dürerhaus in Stollberg, re. Vorsitzende Inge Naumann

 

Fluchtversuche aus der DDR wurden ebenso hart bestraft wie geäußerte freie Gedanken. Das brachte z.B. einer Zeitzeugin 3 ½ Jahre Frauenzuchthaus Hoheneck ein. Wer während der Haftzeit aufbegehrte oder Befehle der „Wachteln“ verweigerte, bekam seinen Widerstand bitter zu spüren:
Einzelhaft in der Dunkelzelle über Tage oder Wochen. Im Keller des Gefängnisses gab es eine Wasserzelle. Dort mussten Frauen bis zu den Knien oder Hüften einige Stunden im eiskalten Wasser ausharren. Diese Prozedur zog sich oftmals auch über mehrere Tage hin und wurden nur von einigen Stunden Schlaf in einer Dunkelzelle unterbrochen. Die „Wachteln“ verfügten über viele Schikanen , um die Frauen vermeintlich gefügig zu machen. Die Unterbringung mit Schwerstkriminellen, mit Kindes- und Gattenmörderinnen, sollte die „Politischen“ mit diesen auf eine kriminelle Stufe stellen, was die oft sehr jungen Frauen, manche noch im Mädchenalter, besonders demütigte. Die mangelnde Hygene, an sich schon für eine Frau schwer zu ertragen, wurde durch die permanente Beobachtung selbst intimster Verrichtungen durch den Spion in der Zellentür zur Tortur.

All das geschah in dem sogenannten demokratischen Staat „DDR“, von dessen „Segnungen und Vorteilen“ gerade in letzter Zeit wieder unverhohlen geschwärmt wird. Nicht nur den ehemaligen Häftlingen ist es unverständlich, dass in Ost- und zunehmend auch in Westdeutschland die Linkspartei gewählt wird, oftmals angeführt von ehemaligen SED Funktionären. Auch das diesjährige Treffen zeigte wieder, dass die tiefen Wunden der Haft weder verheilt noch vergessen sind.

Im nächsten Jahr, dem 50. Jahrestag des Mauer-Baues in Berlin, soll eine große Veranstaltung im Mai zum 20. Jahrestag der Gründung des Vereins auf die vielfältigen Schicksale der Frauen von Hoheneck hinweisen. Bleibt zu hoffen, dass die zu diesem Zweck eingeladenen Persönlichkeiten aus Politik, Literatur und Aufarbeitung des Diktatur-Unrechtes den zwingenden Nachholbedarf in der Anerkennung und Rehabilitierung der einstigen Verfolgten im Schatten der mächtigen Burg mit seiner düsteren Vergangenheit erkennen.

 

Auf dem Friedhof in Chemnitz, li.: Dr.Anna Kaminsky von der Stiftung Aufarbeitung

 

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