Schillers „Ode an die Freude“ präsentierte am Besten die Stimmung

Mit stehenden Ovationen begrüßt: Altbundeskanzler Dr. Helmut Kohl

 

Berlin, 3.Oktober 2010/cw – Als Helmut Kohl in einem Rollstuhl zur Ehrentribüne gefahren wurde, hielt es die etwa 1.000 geladenen Gäste nicht mehr auf ihren Sitzen: Mit langanhal-tenden stehenden Ovationen wurde der Mann geehrt, dem dieses Land zuvörderst die Realisierung der Einheit Deutschlands zu verdanken hat. Als Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert den Altbundeskanzler neben anderen führenden Politikern begrüßte, sprangen die Gäste erneut von ihren Sitzen hoch, wiederholte sich minutenlang der begeisterte Beifall. Auch wenn Norbert Lammert die Verdienste Kohls in seiner späteren Rede zur Einheit nach dem Eindruck vieler Gäste relativierte („Sie waren nicht der Einzige, der die Einheit verwirklichte…“), ließen sich die Gäste von erneuten Beifallskundgebungen nicht abhalten.

Ansprache des Hausherren: Prof.Dr. Norbert Lammert. Im Vordergrund (Mitte): Johannes Rink, Vorsitzender der VOS

Wer hätte da nicht jubelnd in das Lied „Die Gedanken sind frei“ einstimmen mögen, das die Deutsche Chorjugend begeisternd vortrug?

Die vielen Zeitzeugen, unter ihnen unzählige ehemals politisch Verfolgte aus der einstigen DDR, waren nicht nur dankbar für diese späte Ehrung, sondern ließen sich mitreißen von der Leichtigkeit der Beiträge, die durch vorwiegend junge Menschen auf der Bühne dargeboten wurden. Birgit Klaus, SWR, moderierte ebenso charmant wie fröhlich die Auftritte der Staatlichen  Ballettschule Berlin, der STÜBAphilharmonie und der drei zusammengeführten Chöre. Beethovens vertonte Schiller-Worte der „Ode an die Freude“, die zu Recht zur begeisternden Europa-Hymne erkoren wurde, spiegelten die launige Festtagsstimmung wohl eindrücklicher als vielfache Reden und Artikel in diesen Tagen wieder.

Viele Zeitzeugen waren geladen: Jürgen Breitbart (rechts), ehem. politischer Häftling

Nach einem kurzen, aber furiosen Feuerwerk strebten die geladenen Gäste des Deutschen Bundestages in die Fraktions-Etage des Parlamentes, wo es neben Bier, Wein , Sekt, kleinen Häppchen und phantastischen Desserts vielfache Gelegenheit zu intimen Gesprächen mit den Repräsentanten unseres Staates, aber auch mit Freunden  und ehemaligen Leidensgefährten aus einer Gott sei Dank überwundenen Zeit gab.

CDU-Fraktions-Chef Frank Henkel verfolgte die Feier; vom Regierenden Bürgermeister hingegen war nichts zu sehen...

Dabei vermerkten wir besonders aufmerksam die harsche Kritik an den bisherigen Regelungen zur sogen. „Opferrente“ durch eine einst führende Politikerin. Diese hielt eine Novellierung der gesetzliche Regelung für unumgänglich. Unserem Hinweis auf die Gelegenheit dazu anlässlich des 50. Jahrestages des Mauerbaues im nächsten Jahr begrüßte die Politikerin ausdrücklich.

Im Reichstag: Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Ehemann

Eindrücklich konnten wir in Gesprächen auch auf die schwere Situation der „Helden von  einst“ hinweisen, so auf die Problematik eines einstigen Aufstandsführers vom  17. Juni. Seine Frau hat kaum noch die erforderliche Kraft zur Pflege, dennoch werden dem Ehepaar keine nennenswerten Hilfen zuteil, werden alle Anträge von den zuständigen Einrichtungen abgeblockt. Der Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni trug vor, dass man nicht alle Jahre „auf den Gedenkfeiern der Helden wortreich gedenken“ könne, um sich „im Alltag den Pflichten für diese Avantgarde der Deutschen Einheit“ zu entziehen. Es bleibt abzuwarten, welche praktischen  Ergebnisse diese „Hilferufe vor Ort“ haben werden.

Haftkameraden: C.W.Holzapfel, T.Sterneberg, Wolfgang Welsch mit Lebensgefährtin (von links)

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., C.W. Holzapfel, Tel.: 030-3020778 holzapfellyrag@aol.com – Fotos: LyrAg (c) 2010

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