* (Text auf Antrag Ronald Lässigs (SPD) durch einstweilige Verfügung des Landgerichts Berlin vom 31.08.2010, Az.: 27O 676/10, geändert).

Berlin, 27.07.2010/cw – Weil sie sich in einen Italiener aus West-Berlin verliebt hatte wurde sie 1973 durch die Stasi verhaftet, 1974 zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Ihr späterer Mann starb an den mittelbaren Haftfolgen vor vier Jahren.

Sterneberg (Mitte) zwischen Stasi-Offizieren (2006): Mutige Stimme gegen die Verhamlosung der Vergangenheit

Tatjana Sterneberg gilt nicht erst seit dem Bekanntwerden ihres Schicksals als profilierte Kämpferin für die Anliegen der ehemaligen Stasi-DDR-Opfer. In unzähligen Fernsehbeiträgen, Zeitungsartikeln und Rundfunkberichten bezog die ehemalige Insassin des Frauenzuchthauses Hoheneck immer wieder Position gegen das einstige Unrecht und für unsere freiheitliche demokratische Ordnung.

Im Rathaus Schöneberg fand am Dienstag eine Veranstaltung zum Thema „Pro Deutschland – Pro Berlin – kritische Nachbetrachtung des Bundesparteitages“ durch div. Gliederungen innerhalb der SPD oder ihr nahestehender Organisationen statt (SPD Schöneberg City, AFA Landesverband, Jusos Treptow Köpenick, SPD Südende, Juso Landesverband, Schwusos Steglitz-Zehlendorf, Landesverband AG 60 Plus, AG Migration Tempelhof-Schöneberg, Ver.di BSR Fachgruppe, SPD KV Treptow-Köpenick, Arge Migration der Landes SPD Berlin). Unter der Fragestellung „verfassungsfeindlich? populistisch? ausgrenzend? rassistisch?“ wollten die Veranstalter ein Resumé der Protestveranstaltung vom letzten Wochenende ziehen und diskutieren, als zahlreiche Gruppierungen und Parteien, AntiFa, GRÜNE, SPD, DIE LINKE, MLPD, DKP u.a..  gegen den Parteitag der rechten Gruppierung im Schöneberger Rathaus protestiert hatten.

Tatjana Sterneberg vom Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen, einem Zusammenschluss ehemaliger Insassen des berüchtigten DDR-Frauenzuchthauses in Stollberg/Erzgebirge, wollte sich zusammen mit anderen ehemals politisch Verfolgten sachlich über die diskutierten Inhalte informieren. „Wir hatten weder vor, uns in die Diskussionen einzumischen noch gar zu stören,“ sagte sie.

Wegen der Liebe zu einem Italiener aus West-Berlin musste Tatjana Sterneberg ins berüchtigte DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck

Nachdem Sterneberg bereits einige Zeit im Veranstaltungssaal gesessen hatte,  wurde sie (Text auf Antrag Ronald Lässigs (SPD) durch einstweilige Verfügung des Landgerichts Berlin vom 31.08.2010, Az.: 27O 676/10, gelöscht.) des Saales verwiesen. Obskure Begründung: Sie schreibe auf ihrer Homepage gegen den Veranstalter Artikel.

Dazu Sterneberg: „Ich betreibe gar keine eigene Homepage und schon gar nicht habe ich zu irgendeinem Zeitpunkt gegen die Veranstalter Artikel verfasst.“ Sie habe lediglich als Vorstandsmitglied der Vereinigung 17. Juni auf deren Homepage kritisch berichtet, dass auf der Demo unter Beifall Parolen wie „Vaterland ist Scheiße“ verbreitet worden waren. Sie sei „empört und entsetzt“, in welcher Form kritische Menschen „von jenen ausgegrenzt werden, die landauf, landab von Freiheit und Toleranz redeten, zu Recht Rassismus und Intoleranz geißelten, um dann zu den als überwunden geglaubten Methoden des Totalitarismus gegen Andersdenkende zu greifen“, sagte die ehemalige DDR-Verfolgte. (Text auf Antrag Ronald Lässigs (SPD) durch einstweilige Verfügung des Landgerichts Berlin vom 31.08.2010, Az.: 27O 676/10, gelöscht).

Neben Sterneberg wurde auch der ehemalige Bautzen-Häftling Carl-Wolfgang Holzapfel (Text auf Antrag Ronald Lässigs (SPD) durch einstweilige Verfügung des Landgerichts Berlin vom 31.08.2010, Az.: 27O 676/10, gelöscht.) von der Veranstaltung ausgeschlossen. Holzapfel war nach einer Demonstration für die Freilassung politischer Gefangener 1966 in Ost-Berlin zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt worden und saß u.a. in Bautzen ein. Er wurde im Gegensatz zu Sterneberg erst gar nicht in den Saal eingelassen. Begründung: Holzapfel habe früher den Republikanern angehört und sei daher „als Rechter“ unerwünscht. Der so Abgewiesene und Vorgänger Ronald Lässigs als stv. VOS-Bundesvorsitzender fühlt sich diskriminiert: Er habe den Republikanern zu einer Zeit für vierzehn Monate (von 1989 bis 1990) angehört, „als diese Partei zugelassen und noch nicht vom Verfassungsschutz beobachtet wurde.“ Ferner habe er schon bei seinem Austritt eine deutliche Trennungslinie gezogen, als er dem damaligen Bundesvorsitzenden Schönhuber öffentlich vorwarf, „die Sprache des unseligen Hetz-Organs der Nazis, des STÜRMER, zu gebrauchen.“

"Menschen in aller Welt fordern: Freiheit für Harry Seidel und 14.000 politische Gefangene in der SbZ" - Mit diesem Schild ging der gewaltlose Kämpfer Holzapfel am 18.Oktober 1965 über den Checkpoint Charlie nach Ost-Berlin (Foto: Holzapfel wird abgeführt).

Pikant sei auch, so VOS-Mitglied Holzapfel, dass er ausgerechnet aus einem Saal gewiesen wurde, der den Namen John F.Kennedys trage und der 1963 wie kein anderer in unvergesslicher Weise die Freiheitswerte unserer Ordnung verteidigt habe. Auf einem großen Foto an der Stirnwand des Saales ist der junge Holzapfel links unter dem ehem. amerikanischen  Präsidenten während der seinerzeitigen weltberühmten Kundgebung zu sehen.

Holzapfel im weißen Hemd mit Brille 1963 vor dem Rathaus Schöneberg (4. nach links von John F. Kennedy /Kopf)

Die DDR-Opfer wollen sich in den nächsten Tagen an den Regierenden Bürgermeister wenden und diesen um eine Stellungnahme bitten. Wowereit hatte in einem Grußwort zu der gen. Veranstaltung u.a. ausgeführt: „Wir dürfen es nicht zulassen, dass Ausgrenzung und Diskriminierung das Miteinander in der Gesellschaft gefährden.“

„Wir sehen das auch so,“ sagte Sterneberg „und können noch weniger die Diskrepanz zwischen Wort und Tat begreifen.“ Die SPD und auch „der Wortkünstler Wowereit“ müssten sich nun erklären, ob es sich bei der als Eklat empfundenen Ausgrenzung um einen Alleingang eines SPD-Genossen handele (Text auf Antrag Ronald Lässigs (SPD) durch einstweilige Verfügung des Landgerichts Berlin vom 31.08.2010, Az.: 27O 676/10, gelöscht.)  oder ob die SPD ihre Tradition der Toleranz und Verteidigung von Freiheitswerten verlassen wolle.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953