Berlin, 17.03.2010/cw – Die VOS, Vereinigung der Opfer des Stalinismus, bereitet zurzeit ihre Generalversammlung vom 9. – 11.April in Berlin  vor. In diesen Tagen werden auf zahlreichen Versammlungen der Bezirksgruppen im ganzen Bundesgebiet neue Vorstände und Delegierte zur Generalversammlung gewählt. Dieser kommt in diesem Jahr eine besondere Bedeutung zu, da der größte SED-DDR-Opferverein in diesem Jahr im festlichen  Rahmen und in Anwesenheit zahlreicher eingeladener Prominenz seinen 60. Geburtstag begehen will.

Ausgerechnet im Schatten des Jubiläums müssen sich die Vereinsoberen heftiger Kritik erwehren, die von dem Vorwurf schwerer Satzungsverstöße durch den Vorstand bis hin zur Duldung rechtswidriger Vertragsgestaltung in der Vorstandsetage reichen. Im September letzten Jahres war eine Vorstandswahl durchgeführt worden, die trotz vorgeschriebener geheimer Wahl durch die Satzung mittels gekennzeichneter Stimmzettel (Name und Adresse des Wählers) durchgeführt wurde. Die Mitglieder erfuhren nur durch Zufall und allein durch die Mitteilung eines anderen Vereins von der Durchführung der Wahl und deren Ergebnis. Wegen einer rechtswidrigen Vertragsgestaltung in der Vorstandsetage hatte ein stv. Bundesvorsitzender im Juli 2009 seinen Rücktritt erklärt.

Auch die Bezirksgruppe Berlin befasste sich am Mittwoch dieser Woche notgedrungen  mit diesen Vorwürfen, weil zwei Mitglieder des geschäftsführenden Bundesvorstandes aus Berlin kommen und sich so der Kritik stellen mussten. Doch die kritischen Mitglieder wurden bitter enttäuscht. Sie wurden unisono als Querulanten und Störenfriede diffamiert, die einzig die ehrenvolle Arbeit der Vorstände erschweren würden. Konkrete Antworten auf gestellte Fragen blieben so natürlich aus. Der Geschäftsführer verstieg sich sogar zu der Erklärung, man habe die Wahl gar nicht anders durchführen können, da bei einer geheimen Wahl die Briefumschläge mit den Stimmzetteln ohne Kennzeichnung hätten manipuliert werden können. (Der Bundeswahlleiter sollte sich schnellstens durch die VOS beraten lassen, um in Zukunft eine mögliche Manipulation bei der Briefwahl zu vermeiden.)

War diese Argumentation durch einen Verband der „Stalinismus-Opfer“ schon erstaunlich, so verwunderte fast noch mehr die stillschweigende Akzeptanz dieser kruden Logik durch die Mehrheit von erschienenen 17 der insgesamt 93 Mitglieder der Bezirksgruppe. Der sachlich vorgetragenen Kritik an dem widerrechtlichen  Vertrag wurde ein Winseln um die aufopferungsvolle Tätigkeit des durch den Vertrag Begünstigten entgegengesetzt, ohne die  gestellten Fragen inhaltlich zu beantworten.

Konnte man das alles noch unter „üblichen  Gepflogenheiten“ in einem heterogenen Verein einordnen, ließ sich die folgende Argumentation des Geschäftsführers nur noch (äußerst zurückhaltend formuliert) als „kriminelle Linguistik“ einstufen. Als ein Mitglied die skandalöse Falsch-Meldung im Vereins-Organ „Freiheitsglocke“ vom Februar d.J. hinterfragte, in der eine angebliche Attestierung der Gemeinnützigkeit durch das zuständige Finanzamt für Körperschaften bis zum Jahre 2012 namens des Bundesvorstandes verkündet worden war, griff der Geschäftsführer in die Trickkiste „zur Irreführung der Mitglieder“ und wedelte mit einem Bescheid über seinem Kopf, der laut Bekundung eben dieser Gemeinnützigkeitsbescheid vom 10.02.2010 sein sollte. Damit seien die Kritiker der „schamlosen Lüge“ und „Diffamierung des Vorstandes“ überführt. Nur dumm, dass es sich bei diesem luftgewedelten Papier um einen  sogen. Freistellungsbescheid für die Erträge eines Bank-Kontos handelte. Als ein Mitglied Einsicht forderte, wurde ihm dies mit der Begründung verweigert, man zeige ihm diesen Bescheid nicht, weil das Mitglied diese Einsichtnahme nur für weitere „Angriffe gegen den Verein“ benutzen würde.

Schlecht, wenn Kritik an nachdenkenswerten Handlungen von Vorstandsmitgliedern als Schmähkritik gegen den Verein bezeichnet wird. Denn was schadet einem Verein mehr: Die berechtigte Kritik an Tätigkeiten zum Schaden eines Vereins oder die kriminelle Linguistik, mit der unredliche Handlungen verschleiert werden sollen?

Da mögen  sich die Vereinsoberen damit trösten, dass nur ein Bruchteil der Mitglieder erschienen und einige dieser wenigen Getreuen sorgfältig im Vorfeld (mit Sekt und Kaffee) „betreut“  worden waren, um offenbar die vorhersehbare Kritik im  Keim ersticken zu können. Den diesmal in der Minderheit befindlichen  engagierten Kritikern bleibt die Hoffnung auf das „HALT“ durch die Generalversammlung, die u.a. über einen neuen Vorstand entscheiden muss. Und die angekündigte eingeladene Prominenz darf bis zur Jubelfeier darauf hoffen, mit einem möglichen unbelasteten Vorstand auf die nächsten 60 Jahre eines großen und verdienten Vereins anstoßen zu können. Der Verein hat in der Tat mehr verdient als einen  Vorstand, dem der Verein herzlich wenig, die eigene wirtschaftliche Existenz aber alles zu bedeuten scheint.

V.i.S.d.P.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Berlin, Tel.:030-30207785 oder 0176-48061953