Wieder ist ein Jahr (fast) vorbei. Und es hatte es in sich. Neben dem Amtsantritt eines Hoffnungsträgers, der weit über die USA hinaus Emotionen weckte (das gab es seit John F. Kennedy nicht mehr), bekamen wir in Europa die Bestätigung des Vertrages von  Lissabon.

Über alle Besorgnisse hinweg („Brauchen  wir eine neues ZK in  Brüssel, nachdem wir das in Moskau erfolgreich abgeschafft haben?“) sollten wir uns daran erinnern, welche Verheerungen zwei Weltkriege, die zuförderst europäische Kriege waren, im vorigen  Jahrhundert ausgelöst hatten. Der Besuch eines Staatsoberhauptes in einem anderen europäischen Land war ein Staatsereignis, die Grenzen zwischen den europäischen  Staaten waren Festungen gleich abgeschottet. Heute gehören „Staatsbesuche“ zum Alltag, sind selbstverständlich geworden. Heute  bewegen wir uns in Europa wie zwischen Schleswig-Holstein und Bayern. Und immer mehr wächst mit den nachwachsenden Generationen das „Wir-Gefühl“ als Europäer. Natürlich müssen wir aufpassen, dass uns Lissabon nicht zum Fluch, sondern zum demokratische Segen wird. Aber das ist ohnehin demokratisches Erbe, demokratische Pflicht.

Von der Welt viel beachtet feierten wir in Deutschland aber auch den 20. Jahrestag des Mauerfalls. Viele von uns hatten am 9. November 1989 das bewegende Gefühl, das nun erst der Zweite Weltkrieg sein wirkliches Ende gefunden hatte. Es geschah etwas, woran immer weniger Menschen und noch weniger Politiker geglaubt hatten: Die Renaissance der Freiheit.

Vielleicht zu kurz (wie Historiker einst feststellen werden), aber immerhin. Nicht nur für uns, die wir als Ost- und West-Kinder auch privat die Wiedervereinigung vollzogen  haben, wird dieser Tag der bewegendste, unbeschreibliche Höhepunkt in unserem Leben bleiben. Und das sagt mehr aus, als alle Beschreibungen. Denn was haben wir alles durchlebt und miterlebt? Verurteilungen  aus politischen Gründen durch ein terroristisches System, das Glück der endlichen  Freilassung, aber auch den Mauerbau vom 13.August 1961, den Besuch von John F. Kennedy im Sommer 1963 in Berlin, seine Ermordung am 22. November des gleichen Jahres in Dallas/Texas und… und… und…

So hat jeder von uns seine emotionalen, realen oder auch wünschenswerten Höhe- und Tiefpunkte erlebt, sie im Rückblick noch einmal mehr oder weniger intensiv durchleben können. Das alles hat uns nicht unberührt gelassen, hat uns angespornt, unablässig an uns selbst und an der hinterlassenen Geschichte zu arbeiten, die über aller Freude noch so unendlich viele Trümmer hinterlassen hat. Diese gilt es mit gemeinsamen Kräften aus dem Weg zu räumen. Damit auch die letzten Wunden, die letzten Narben verheilen können.

Vergessen können wir ohnehin nicht, denn nur in der Erinnerung können wir wirklich ermessen, warum wir und wie wir im  Heute leben.

In diesem Sinn danken wir  allen, die im ablaufenden Jahr mit uns ein großes oder kleines Stück des Weges gemeinsam gegangen sind, die uns Hoffnung in der oftmals aufkeimenden Mutlosigkeit gegeben haben und die uns erlaubt haben, auch ihnen mit unseren Erfahrungen und unserer Freude am Leben zur Seite stehen zu können.

In diesem Sinne allen Freunden ein frohes und gesegnetes  Weihnachtsfest und ein gutes, von den Segnungen  einer unbeeinträchtigten Gesundheit getragenes Neues Jahr 2010.

Carl-Wolfgang Holzapfel

Vorsitzender