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Aktionskunst:

Verhüllung des Benno-Ohnesorg-Denkmals an der Deutschen Oper

Berlin, 02.06.2009/cw – Anlässlich der Kranzniederlegung durch Opferverbände der SED-DDR-Diktatur am Benno-Ohnesorg-Denkmal neben der Deutschen Oper Berlin in der Bismarckstraße wurde das Werk des Künstlers Alfred Hrdlicka mit einem weißen Tuch verhüllt.

Der Aktionskünstler wollte damit zum 42. Todestag des Studenten und angesichts der aktuellen Erkenntnisse um den einstigen Todesschützen die „Scham der Generationen“ symbolisieren, „die den Tod von Benno Ohnesorg für ihre jeweiligen Geschichtsbetrachtungen missbraucht haben“.

„Dieses Tuch soll nicht diese kritisch zu bewertende Vergangenheit zudecken, sondern uns für die Wahrheit öffnen, eine neue und ehrliche Trauer um einen jungen Menschen ermöglichen, dessen Tod ritualisiert worden ist, um ihn politisch missbrauchen zu können,“ stellt der Initiator in einer Erklärung zur Verhüllung fest, die anlässlich der Trauerfeier an die Beteiligten und Passanten verteilt wurde.

Zur Öffnung für die Wahrheit gehöre aber auch das Nachdenken über die martialische Darstellung des Künstlers, der an der historischen Wahrheit vorbei zur Befriedigung zeitbedingter Erwartungen dem zentralen Abbild einer finsteren Polizeifigur einen Helm verpasste, um so den Eindruck einer enthemmten Soldateska zu vermitteln. Diese Helme wurden erst eineinhalb bis zwei Jahre nach der Tragödie auf einem Parkplatz der Krumme Straße eingeführt. Holzapfel erwartet, dass der Künstler sein Werk „zumindest überdenkt“.

Unabdingbar sei aber auch „eine Ergänzung der Inschrift an dem Denkmal“. Die Inschrift könne aus historischen Gründen ansonsten so bleiben, müsse aber nach der dritten Zeile mit dem Zusatz „der Agent des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit war“ versehen werden, um dem bislang uninformiertem Betrachter „die jetzt an das Tageslicht gebrachte historische Wahrheit nicht zu verschweigen und möglicherweise ein fatales Feindbild zu befördern, das spätestens jetzt keine Berechtigung mehr habe“. An der Verhüllung wurde daher ein entsprechendes Textschild angebracht:

„Am 2. Juni 1967 wurde der Student Benno Ohnesorg im Hof des  Hauses Krumme Str.66 während einer Demonstration gegen den tyrannischen Schah des Iran von einem Polizisten  erschossen,  der Agent des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit war.  Sein Tod war ein Signal für die beginnende studentische und außerparlamentarische Bewegung, die ihren Protest gegen Ausbeutung und Unterdrückung besonders in den  Ländern der Dritten Welt mit dem Kampf um radikale Demokratisierung im eigenen Land verband. Unter diesem Eindruck schuf Alfred Hrdlicka 1971 das Relief Tod eines Demonstranten“

© 2009 Carl-Wolfgang Holzapfel, Berlin, Tel.: 030/30207785 oder 0176/48061953

Ansprache zum Todestag von  Benno Ohnesorg, 2. Juni 2009

(Es gilt das gesprochenen Wort)

Carl-Wolfgang Holzapfel (65),

Vorsitzender der Vereinigung 17. Juni 1953      Vorstandsvorsitzender der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS)

Wir begrüßen die Vertreter der UOKG, der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS), der Vereinigung 17. Juni, der Arbeitsgemeinschaft Sachsenhausen, des Vereins der ehemaligen Hoheneckerinnen und weitere Vertreter der ehemals Verfolgten des SED-DDR-Unrechtsstaates.

Verehrte Frau Heydecke von der Arbeitsgemeinschaft Sachsenhausen, Lieber Herr Buchner von der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft, UOKG,

Lieber Hugo Diederich von der Vereinigung der Opfer des Stalinismus,

verehrte Anwesende, liebe Freunde,

vor 42 Jahren starb unweit von hier ein Student durch die Kugel eines bislang unbescholtenen Polizisten. Der Name des Studenten, Benno Ohnesorg, wurde zur Ikone einer studentischen Revolte, sein Todesdatum zum Fanal und Namensgeber einer radikalisierten Gruppe, die in die berüchtigte RAF einmündete und als Todesschwadron die junge Republik aus den demokratischen Angeln heben wollte.

Auf der anderen Seite stand ein fassungsloses Bürgertum, dass revolutionäre Gedanken ohne vorherige Lösung einer Bahnsteigkarte strikt ablehnte und sich kritiklos der Versuchung hingab, in dem Todesschützen gar einen Verteidiger demokratischer Werte gegen die Unkultur aufkommender Dutschkisten zu sehen. So wurde der Freispruch für Kurras auf der einen  Seite als Sieg des faschistoiden Staates, auf der anderen Seite als Bestätigung gesehen, auf der richtigen Seite der Demokratie zu stehen.

42 Jahre später sehen wir uns geradezu bis ins Mark getroffen getäuscht, enttäuscht. Der Todesschütze war nicht nur überzeugte Kommunist, sondern, was in der Bewertung des damaligen Geschehens weitaus gravierender ist, jahrzehntelanger Agent der GESTAPO-Nachfolgeorganisation, des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit.

Der Todesschütze also kein zweifelsfreier Vertreter eines als faschistoid gebrandmarkten Systems? Der Todesschütze kein geachteter Verteidiger demokratischer Werte gegen die anrennenden studentischen Horden, denen die Mörder Mao Zedong und Che Guevara  verehrungswürdiger schienen, als Sofie Scholl, Dietrich Bonhoeffer   oder gar Stauffenberg?

Ob wir uns Lebenslügen aufgebaut hatten, ob wir nur still, das heißt ohne Widerspruch den offiziösen Darstellungen des Geschehens in der Krummen Straße Glauben schenkten, weil uns jeder Zweifel unschicklich erschien: Wir alle – auf beiden Seiten – stehen geschockt vor der Wahrheit, die einzig noch zu übertreffen wäre, wenn dem Todesschuss ein Stasi-Befehl voraus gegangen wäre.

An letzterer Vermutung machen  nun ausgerechnet jene fest, die einst zu den Trägern des Unrechtsstaates DDR gehörten. Sie verhöhnen die Anzeige wegen Mordes als Populismus und blinden Antikommunismus und dekuvrieren sich damit selbst. Denn es waren der SED-gelenkte Fernsehfunk wie der unselige SED-Goebbels Karl-Eduard von Schnitzler, die unisono propagandisierten: Kurras war ein kaltblütiger Mörder eines faschistoiden, polizeiterroristischen Systems. Nun aber wird dieser Kurras von der kommunistischen Presse gleichsam als Opfer antikommunistischer Umtriebe hingestellt, der schließlich rechtsstaatlich von ordentlichen Gerichten freigesprochen worden sei.

Diese Umkehrung jedweden Anstands können, dürfen wir nicht akzeptieren, liebe Freunde.

Genauso wenig dürfen wir nach den neuesten Erkenntnissen tolerieren, dass der Mörder Kurras in eine Linie mit den vielen Polizeibeamten gestellt wird, die zeitlebens ihrer Pflicht zur Durchsetzung unserer demokratischen Ordnung nachgekommen sind. Die Verbalisierung unserer Polizei als Helm-bewehrte, martialisch auftretende und um sich schießende Polizei, die eher an eine Soldateska als an uniformierte Ordnungshüter erinnert, muss nun endlich der historischen Wahrheit Platz machen. Wir fordern den Künstler Alfred Hrdlicka auf, sein historisch nicht haltbares Werk, das wir heute symbolisch verhüllt haben und das offensichtlich dem seinerzeitigen Zeitgeist und Wissensstand geschuldet war, zu ändern. Die hier dargestellten Helme wurden erst eineinhalb bis zwei Jahre nach dem tragischen Tod von Benno Ohnesorg eingeführt. Künstlerische Freiheit, JA. Einer Gesinnung entspringende historische Fälschung: NEIN. Ebenso fordern wir die Ergänzung des Textes zu diesem Denkmal, wie wir es hier heute symbolisch vermerkt haben. Der uninformierte Besucher dieses wichtigen Denkmals, an dem wir nicht rütteln wollen, hat einen Anspruch auf wahrheitsgemäße Information. Es war ein Polizist, der Ohnesorg erschoss, das ist richtig, aber es war eben auch ein Agent des Ministeriums für Staatssicherheit, unabhängig davon, ob er in deren Auftrag tätig wurde oder seiner eigenen schießwütigen Überzeugung nachgab.

Wir haben uns an dieser Stelle als Verfolgte des SED-DDR-Systems versammelt, weil wir heute wissen und erschüttert zur Kenntnis genommen haben, dass auch Benno Ohnesorg, unbeschadet der Ergebnisse jetzt eingeleiteter neuer Ermittlungen ein Opfer einer Konstellation der feindseligen Diktatur des Proletariats, wie sie sich selbstherrlich benannten, gegen das demokratische System im Westteil dieser Stadt wurde. Die gnadenlose Ausschlachtung der Tragödie vom 2. Juni 1967 durch die SED-Propaganda war schon damals widerlich und erscheint heute nach den jetzt aufgekommenen Erkenntnissen noch abstoßender.

Wir sollten aus dieser unseligen Vergangenheit, der Benno Ohnesorg zum  Opfer fiel, die Lehren ziehen. Benno Ohnesorg ist tot, keine Erkenntnis, kein propagandistisches und vordergründiges Gezeter macht ihn wieder lebendig, gibt seinem Sohn den Vater zurück. Im Schatten der finsteren neuen Erkenntnisse lasst uns zusammenstehen, wo immer wir damals standen und gemeinsam auf die Verantwortlichen einwirken, nunmehr, nach 42 Jahren, ohne Rücksicht auf Personen, Institutionen und sonstige seinerzeitigen Machtgefüge die wirklichen Vorgänge von damals vorurteilslos zu untersuchen und aufzuklären.

Es kann, es darf nicht sein, dass sich ein Täter in den Medien der Unverletzlichkeit vor neuen Wahrheiten rühmt, dass Zeugen ignoriert werden, denen Kurras den Mord eingestanden hat oder die Tatzeugen waren und bereit sind, erneut auszusagen. Es darf nicht wieder passieren, dass in einer nicht mehr besetzten Stadt mögliche Ergebnisse in Hinterzimmern beschlossen oder ausgekungelt werden. Es muss möglich sein, dass sich ein Rechtsstaat wieder auf seine Tugenden besinnt und der Sanktionierung von Unrecht keinen  Raum lässt.

Wir, die einst Verfolgten eines zynischen, Menschen-verachtenden Systems, das zu Recht in dem Orkus der Geschichte verschwunden ist, verlangen hier an dieser Stelle und unweit des Tatortes die rücksichtslose Aufklärung einer offenbar ruchlosen Tat.

Das sind wir Benno Ohnesorg, aber auch all den anderen schuldig, die mit der Begründung seines Todes in der Folge zahlreich und sinnlos entführt und ermordet wurden.

© 2009 Carl-Wolfgang Holzapfel,  Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

cw.holzapfel@vos-ev www.17juni1953.de

Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS)

VEREINIGUNG 17.JUNI 1953 e.V.

Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG)

Arbeitsgemeinschaft Sachsenhausen

P r e s s e

Sperrfrist: 01.Juni 2009, 08:00 Uhr

Ohnesorg Opfer eines Stasi-Agenten

SED-DDR-Verfolgte für geschichtliche Wahrheit

Berlin, 01. 06.2009/cw – Mehrere Verbände der SED-DDR-Verfolgten, an ihrer Spitze die Union der Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), wollen zum Todestag von Benno Ohnesorg, am kommenden Dienstag um 17.00 Uhr am Denkmal vor der Deutschen  Oper in der Berliner Bismarckstraße demonstrativ Kränze niederlegen.

„Wir wollen uns mit unserer demonstrativen Verneigung vor dem Opfer eines schiesswütigen Agenten der DDR-Staatssicherheit für die geschichtliche Wahrheit einsetzen,“ heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Vereinigung der Opfer des Stalinismus, der UOKG und weiterer Verbände. Besonders erschrocken „über die jüngsten Erkenntnisse“ zeigte sich die Arbeitsgemeinschaft Sachsenhausen, dem Zusammenschluss ehemaliger Insassen des Konzentrationslagers gleichen Namens, die dort nach dem Ende der Hitler-Diktatur unter oft abenteuerlichen Begründungen von den Sowjets interniert waren. Unter ihnen befand sich auch Heinrich George, der in  Sachsenhausen verstarb und heute sein Ehrengrab in Berlin-Zehlendorf in Nachbarschaft zu einem Ehrengrab des langjährigen Stasi-Agenten und einstigen Politikers William Borm hat.

„Die Wahrheit hat uns sehr erschüttert,“ erklärte die Vorsitzende Victoria Heydecke. „Ein ehemaliger Insasse des Lagers wurde zum Todesschützen eines jungen Studenten, verdingte sich ausgerechnet dem berüchtigten Geheimdienst des DDR-Unrechtsstaates, unter dem viele Insassen weiter zu leiden hatten, nachdem sie von den Sowjets an die DDR-Behörden übergeben worden waren.“  Heydecke will sich darum „aus tiefer Überzeugung und im Gedenken an diesen tragischen Toten“ verneigen.

Wie der Initiator und Sprecher der Veranstaltung mitteilte, wollten die Stasi-Verfolgten am Todestag von Benno Ohnesorg „in geeigneter Form“ darauf aufmerksam machen, dass das Kunstwerk von Alfred Hrdlicka „wohl absichtlich und aus einem Zeitgeist heraus“ mit der unhistorischen martialischen Darstellung eines „geifernden Polizisten“ falsche Emotionen wecke. „Heute wissen wir,“ so der stv. Bundesvorsitzende der VOS, Carl-Wolfgang Holzapfel, „ dass es diesen geifernden Polizisten als Todesschützen ebenso wenig gab, wie zu dieser Zeit Helme für die Polizei. Diese wurden erst eineinhalb bis zwei Jahre nach dem Tod von Ohnesorg eingeführt.“ Die Verbände wollten sich auch unmissverständlich dafür einsetzen, dass die Inschrift auf der Tafel am Denkmal „den historischen  Erkenntnissen des Jahres 2009 angepasst werde. Als Verfolgte und Opfer eines unmenschlichen Systems sind wir sensibel gegenüber den Lügen und historischen Verschiebungen von Leuten, die damit ihrer eigenen Lebenslüge nacheifern,“ erklärte Holzapfel, der als Vorsitzender der Vereinigung 17. Juni die Veranstaltung vor der Oper leitet und vor wenigen  Tagen Anzeige „wegen Mordes“ gegen den damaligen Todesschützen erstattet hatte.

V.i.S.d.P.: Vereinigung 17.Juni 1953 e.V., C.W.Holzapfel, Tel.: 030-30207785 od. 0176-48061953

www.17juni1953.de holzapfellyrag@aol.com

Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS

Vereinigung 17.Juni 1953

Berlin: Ehrengrab für Stasi-Agenten

SED-Verfolgte fordern Widerruf für Borm-Grab

Berlin, 26.05.2009/cw – William Borm (* 7. Juli 1895 in Hamburg; † 2. September 1987 in Bonn) war zu Lebzeiten angesehen, Mitglied im Bundesvorstand der FDP (1960 bis 1982), und 1965 bis 1972 Mitglied im Deutschen Bundestag. Auf den Wahlplakaten zum Berliner Abgeordnetenhaus, dem er von 1963 – 1967 angehörte, wies er stets auf seine politische Haft in der DDR hin.

Tatsächlich war Borm schon 1950 verhaftet und zu zehn Jahren DDR-Haft verurteilt worden. Was er verschwieg: Seit Ende der 1950er Jahre war er Agent des DDR-Ministerium für Staatssicherheit. Als er 1987 starb, trauerte die noch geteilte Stadt um einen großen Bürger, der u.a. das Bundesverdienstkreuz für seine Verdienste für die Bundesrepublik erhalten hatte, und stiftete ihm ein Ehrengrab der Stadt Berlin.

Nun wendeten sich die Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) und die Vereinigung 17. Juni an den Regierenden Bürgermeister in Berlin. In einem offenen Brief an Klaus Wowereit fordert der Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni und der VOS-Vize Hugo Diederich den Regierenden auf, das Ehrengrab für den „jahrzehntelangen Agenten der DDR-Staatssicherheit“ endlich aufzuheben. Man sei „entsetzt gewesen, als kürzlich bei einem Besuch auf dem Friedhof in Berlin-Zehlendorf festgestellt wurde, dass das Ehrengrab für den einst Geehrten noch existiert.“ Die Verbände der SbZ-DDR-Verfolgten seien über diese Tatsache empört.

Es sei nachvollziehbar, wenn in dem Trubel um die Ereignisse von 1989/1990 dieses Problem übersehen worden sei, aber „zwanzig Jahre nach dem Ende der DDR sei es überfällig, Ehrungen zu überprüfen, die einst unter fehlenden Kenntnissen über staats- und Demokratie-feindliche Betätigungen verliehen wurden,“ argumentieren die Absender in dem Schreiben an Wowereit. So habe Borm nicht nur über Jahrzehnte Berichte an die Stasi geliefert, sondern sich auch Reden für den Bundestag von dem Geheimdienst der DDR schreiben lassen.

V.i.S.d.P.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953, cw.holzapfel@vos-ev.dehttp://www.17juni1953.de

Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS)

Vereinigung 17. Juni 1953

Bundestag: Realität holt Propaganda ein

Parlament entscheidet über FDP-Antrag zur Stasi-Überprüfung

Berlin, 25.05.2009/cw – Gut Ding will Weile haben: Bereits am 25. Juni letzten Jahres stellte die Bundestagsfraktion der FDP einen Antrag zum Thema „ Inoffizielle Stasi- Mitarbeiter in Bundesministerien, Bundesbehörden und Bundestag enttarnen – Aufarbeitung des Stasi-Unrechts stärken“ (Drucksache 16/9803).

In ihrer Vorlage erinnerte die Fraktion an den bevorstehenden 20. Jahrestag der friedlichen Revolution und den Beginn der Aufarbeitung des SED-Unrechts und des Wirkens der Staatssicherheit. „Fast zwei Jahrzehnte….sind Teile der Archive …. immer noch nicht erschlossen“ heißt es im Antrag. Die Fraktion kritisiert, dass „immer weniger Mitarbeiter der BSTU-Beauftragten mit der Erschließung der Akten“ betraut werden. Der jüngst aufgedeckte Fall des Ohnesorg-Todesschützen, Karl-Heinz Kurras, belegt nach Auffassung der Vereinigung der Opfer des Stalinismus ( VOS ) die Brisanz der FDP – Kritik.  Die FDP will durch eine wissenschaftliche Untersuchung die Anzahl der Beschäftigung ehemaliger Mitarbeiter des MfS in den Bundesministerien und nachgeordneten Bundesbehörden ermitteln lassen. Außerdem sollten Entscheidungs- und Einflussmöglichkeiten der ehemaligen MfS-Mitarbeiter beleuchtet werden.

In seiner Beschlussempfehlung für das Parlament bzw. die Sitzung am 29.05.2009 (9:00 -17:00 Uhr)  empfiehlt der Ausschuss für Kultur und Medien (22. Ausschuss/Sitzung vom 12.05.2009) mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD und DIE LINKE gegen die Stimmen der Fraktion der FDP bei Stimmenthaltung der Fraktion BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN den Antrag abzulehnen.

„Mit dieser Beschlussempfehlung hat die Realität die Partei-Propaganda eingeholt“, stellte der stv. Bundesvorsitzende der VOS, Carl-Wolfgang Holzapfel in einer Presseerklärung fest.

„Wer lauthals Land auf, Land ab, die Aufarbeitung der Vergangenheit propagiere und entsprechende politische Konsequenzen einfordere, macht sich unglaubwürdig, wenn er im Parlament im Konsens mit der alten SED (DIE LINKE) anders argumentiert und entscheidet, als in der Öffentlichkeit.

Es sei bedauerlich, dass auch 20 Jahre nach dem Ende der DDR die Stimmen der SED-Verfolgten und Stasi-Opfer, wie zum Beispiel die von Stefan Hilsberg (SPD) und Arnold Vaatz (CDU) ignoriert und dem politischen  Kalkül historischer Friedhofsruhe geopfert werden. Die Vorbild-Funktion des Deutschen  Bundestages werde so einmal mehr ad absurdum geführt, weil nachrangige Institutionen sich in ihrer Verschleppungstaktik klarer Aufklärungsaufgaben an diesen bedenklichen Beschlüssen orientieren,“ kritisiert der VOS-Vize und Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni.

V.i.S.d.P.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Berlin, Tel.: 030/30207785 oder 0176-48061953, cw.holzapfel@vos-ev.de www.17juni1953.de

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