Vereinigung 17.Juni kritisiert Begründung für Gedenktafel

12.03.2010/cw – Die Absicht, in der Stadt Brandenburg eine (weitere) Gedenktafel zu installieren, die im Hof in der Steinstrasse 61 an den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 erinnern soll („Zum Gedenken an die Opfer des Stalinismus“), wird von der Vereinigung 17. Juni ausdrücklich begrüßt:

„Neben der bereits vor mehr als zwölf Jahren durch den BSV (Bund der stalinistisch Verfolgten) im Eingangsbereich der Justizvollzugsanstalt in der dortigen Anton-Saefkow-Allee angebrachten Erinnerungstafel („Wider das Vergessen. Den Opfern und Verfolgten der kommunistischen Gewaltherrschaft 1950-1989“) kann die zusätzliche Erinnerung an dieses wichtige Ereignis in der Nachkriegsgeschichte Deutschlands und Europas dem Gedanken lebendiger Geschichts-Vermittlung nur förderlich sein,“  stellt der Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni, Carl-Wolfgang Holzapfel, in einer Erklärung fest.

Die Tatsache, dass dieser Antrag von der SPD und der Partei DIE LINKE in die SVV eingebracht wurde, kann „uns nicht von einer grundsätzlich positiven Bewertung dieses Vorhabens“ abbringen, so Holzapfel. Allerdings sei die Begründung für diesen Antrag „nicht nur unglücklich formuliert, sondern liegt voll neben den historischen Ansprüchen an ein solches Gedenken.“ In der Begründung für die Gedenktafel an die Stadtverordnetenversammlung wurde angeführt, dass ein für seine harten Urteile bekannter Amtsrichter (Harry Benkendorff) bei der Befreiung von  Häftlingen  nur knapp der Lynchjustiz entgangen war.

Kein vernünftiger Mensch würde auf die Idee kommen, einen Antrag auf Erinnerung an den Aufstand im Warschauer Getto mit dem besonderen Einsatz eines SS-Offiziers (gegen die Aufständischen) zu begründen. Vielmehr habe bereits im Ansatz die Erinnerung an die Opfer des Aufstandes „unzweifelhaft“ im Mittelpunkt zu stehen. Die „hanebüchene Begründung“ des Antrages lasse auf ein „nach wie vor gestörtes Verhältnis zur jüngsten Geschichte“ vermuten. Es sei bedauerlich, so die Vereinigung, dass sich die SPD derartigen „kruden Erklärungen“ anschließe. So werde eine positive Absicht in ihr Gegenteil verkehrt.

Die Vereinigung fordert die Antragsteller auf, eine „glaubwürdige Begründung“ nachzureichen und damit „wenigstens nachträglich den Ansprüchen an ein ehrenvolles Gedenken an den Volksaufstand von 1953 gerecht zu werden.“

© 2009 Carl-Wolfgang Holzapfel