Hitler verkauft sich wohl immer noch gut, sonst würde dieser Tyrann nicht 62 Jahre nach seinem Tod noch Schlagzeilen liefern. Was die Empörer aus Etterzhausen-Nittendorf bei Regensburg (und wohlmöglich anderswo in unserer Republik) Außeracht lassen ist die Tatsache, dass sich Geschichte nicht nachträglich schön schreiben lässt. So ärgerlich es erscheinen mag, heute noch eine solche Person als Ehrenbürger verzeichnet zu wissen, so wichtig ist dieses „Ärgernis“ für die jetzigen und künftigen Generationen, über einen sehr schmerzlichen Abschnitt deutscher Geschichte nachzudenken.

Wir können nicht 12 Jahre NS-Zeit, Auschwitz und Weltkrieg, aus dem Geschichtsbuch streichen! Wie denn?

So sehr uns das gefallen würde, wir können historische Ereignisse auch nicht nachträglich nach unserem Gusto umschreiben. Niemand käme auf die Idee, die Stadt Dachau umzubenennen, weil der Name an ein gleichnamiges KZ-System erinnert (Haupt- und Zweiglager). Diese 1200jährige Stadt muss damit leben, ein kurzes, aber sehr prägendes Kapitel schlimmer deutscher Geschichte mit ihrem Namen zu symbolisieren. Und so sollte, so muss das eingemeindete Etterzhausen oder eben Nittendorf mit der einstigen Ehrenbürgerwürde Adolf Hitlers leben. Das muss nicht immer ein Nachteil sein. Es kann Auftrag und Verpflichtung bedeuten, nicht nur viel behutsamer mit derlei Ehrungen umzugehen, sondern sich auch der Geschichte im eigenen Kiez bewusst zu erinnern. Damit vermeidet man die in Deutschland besonders beliebte Spielart, Verantwortung für schlimme Zeiten in unserem Land immer woanders zu suchen. So in der Art: Ach ja, Hitler war ja Österreicher …

6.Juni 2007

Carl-Wolfgang Holzapfel