Bellevue-Gruppe e.V.

– Vorstand –

c/o Wolfram Drechsel 09526 Olbernhau Freiberger Str. 45

Herrn Bürgermeister
Dr. Christian Handke
Bezirksamt Mitte von Berlin
Standort Tiergarten
13341 Berlin

5. Dezember 2006

Platz des 17. Juni 1953 in Berlin – Mitte

Sehr geehrter Herr Dr. Handke,

bei einem Treffen der UOKG-Mitgliedsverbände vor wenigen Tagen erfuhren wir von verwaltungsrechtlichen Problemen bei der Umbenennung des Platzes vor dem ehemaligen Haus der Ministerien in Berlin – Mitte.

Als Verein von Betroffenen des DDR-Unrechts gehen auch uns diese Probleme etwas an. Wir haben uns im Frühjahr 2006 dem qualifizierten Denkmalkonzept der Vereinigung 17.Juni 1953 e.V. angeschlossen, weil wir große Defizite in der öffentlichen Wahrnehmung deutscher Diktatur – Geschichte beklagen.

Ein wesentlicher Bestandteil dieses Denkmalkonzepts ist die Umbenennung des genannten Platzes in

„Platz des 17. Juni 1953“.

Auf diesem Platz haben sich 1953 mutige und verzweifelte Menschen versammelt, um für ihre eigene Würde und Mündigkeit einzutreten. Ihre Hoffnungen wurden von einer Administration auf brutale Weise verbannt und gelähmt, Menschen durchlebten das System der Angst.

Deshalb hat dieser zentrale Ort des Geschehens uns und den Millionen Besuchern der Weltstadt etwas zu sagen. Er darf nicht länger durch Administrationen zum Schweigen verurteilt werden.

Er will sagen: Berlin ist so frei, die alte Hoffnung soll sich erfüllen.

Wir hingegen wissen wohl, dass wir kaum etwas zu sagen haben.

So ist die Umbenennung in erster Linie Ihr Problem, sehr geehrter Herr Dr. Handke, und das der zuständigen Regierung. Der Volksaufstand von 1953 fand eben nicht in Westberlin zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule statt. Aber darin liegt auch Ihre große Chance, den Menschen, die heute noch Kids genannt werden, schon jetzt Antworten auf Fragen zu geben, die sie erst in zwanzig Jahren stellen mögen.

Seien Sie dem Zeitgeist voraus, nutzen Sie mutig Ihre Gelegenheit, selbst in diese Stadtgeschichte mit einzugehen und heilen Sie die halbseitige Lähmung des Gedenkens an den Freiheitswillen der Berliner.

In großer Gewißheit verbleiben wir

mit freundlichen Grüßen

Wolfram Drechsel
– Vorstand –