10.06.2005

Von Rheinland-Pfalz nach Berlin

Ehrengrab für Teilnehmer vom 17.Juni 1953

cw –  Am 6.Januar 2003 wurde er auf dem Friedhof in Schönborn/Rheinland-Pfalz im Grab seiner vormaligen Ehefrau  Käthe zur letzten Ruhe gebettet. Nur gute zwei Jahre später wird nun die Urne nach Berlin überführt. Grund: Manfred Plöckinger, der am 19.Dezember 2002 nach schwerer Krankheit starb und einige Jahre in Schönborn lebte, war aktiver Teilnehmer am Volksaufstand vom 17.Juni 1953 in Berlin.

Er wurde danach verhaftet und musste zwei Jahre ins Zuchthaus. In DDR-Haft zog er sich  eine offenen Tbc zu, die er erst Jahre später überwand. Die vermutlich in der Haft ebenfalls ausgelöste schwere Diabetes hingegen wurde trotz vieler Prozesse nie als Haftfolge anerkannt; an ihren Folgen starb der fast Siebzigjährige.

Manfred Plöckinger gehörte zu den Engagiertesten ehemaligen Teilnehmern des Volksaufstandes. Bereits kurz nach seiner Entlassung aus der DDR-Haft gründete er 1957 mit ehemaligen Kameraden die „Vereinigung 17.Juni 1953 e.V.“, deren jahrzehntelanger Vorsitzender er wurde.

In dieser Position eckte er oft bei den „Mächtigen“ an. Er sah seinen Verein als „Kampfverband“ an, der die Aufgabe hatte, die verhinderten Ziele der Aufständischen zu verwirklichen: Einheit, Recht und Freiheit. Als am 13.August 1961 die Mauer errichtet wurde, war das für Plöckinger und seine Freunde eher ein Aufbruchsignal denn eine Aufforderung zur Resignation.

Mit Flugblattaktionen, per Kurier oder Ballon in die DDR versandt, durch Mitwirkung an der Planung und Durchführung von Fluchtaktionen oder auch durch immerwährende Protestaktionen gegen die Mauer kämpfte Plöckinger mit seinen Freunden gegen die Teilung Deutschlands an.

Die nachdrücklichen Proteste der Vereinigung gegen die geplante Abschaffung des „17.Juni“ als Feiertag Ende der siebziger Jahre verfehlten ihre Wirkung nicht. Auch wenn Plöckinger den später als Feiertag eingeführten „3.Oktober“ immer als ein „künstliches Datum“ ansah („Man kann Gedenktage nicht nach Aktenlage schaffen, sie müssen im Volk selbst verankert sein,“ Zitat Plöckinger), so konnte er doch seine Freude über die Verwirklichung der Grundforderung von 1953 nach „Einheit in Frieden und Freiheit“ nicht verhehlen.

Als Manfred Plöckinger verstarb, nannte ihn Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit in einem Nachruf „einen aufrechten, unbeugsamen Patrioten.“ Die „Vereinigung 17.Juni 1953 e.V.“ bemühte sich seither, den am 19.Januar 1932 in Berlin geborenen Plöckinger in Berlin würdig  beerdigen zu können.

Nach vielen Verhandlungen, die der langjährige Weggefährte und jetzige Vereins-Vorsitzende Carl-Wolfgang Holzapfel mit den Berliner Institutionen führte, wurde nun der Weg für eine ehrenvolle Beisetzung der Urne frei. Manfred Plöckinger wird seine letzte Ruhe am 17.Juni diesen Jahres in einem Ehrengrab der Stadt Berlin neben dem Ehrenfeld der Gefallenen vom 17.Juni 1953 finden.

Die Trauerfeier findet unmittelbar im Anschluss an die offizielle Gedenkfeier der Bundesregierung und des Berliner Senates auf dem Friedhof Seestraße in Berlin-Wedding statt. Die Trauerrede für Berlin hält die Bürgermeisterin und Justizsenatorin Karin Schubert. Zahlreiche Opferorganisationen haben ihr Kommen bereits zugesagt.

So bleibt  seine erste Frau Käthe Plöckinger allein in ihrem Grab in Schönborn zurück. „Aber,“ so Carl-Wolfgang Holzapfel, der mit der Verstorbenen ebenfalls befreundet war, „Käthe würde den Heimgang Plöckingers nach Berlin als eine Ehre empfinden und die jetzt stattfindende Überführung mit ganzem Herzen unterstützen.“ In diesem Sinn hat auch die  Witwe Carola Plöckinger der Überführung zugestimmt:  „Manfreds Platz ist bei seinen Kameraden in Berlin.“

10.Juni 2005

V.i.S.d.P.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Vorsitzender der Vereinigung 17.Juni 1953 e.V., Pettenfeldstr.6, 86947 Weil, Tel.: 08193-950514